Sauerland-Museum

Dunkle Erinnerungen an deutsche Schuld

Das Mémorial de la France Combattante, Le Mont-Valérien in Suresnes.

Das Mémorial de la France Combattante, Le Mont-Valérien in Suresnes.

Foto: WP

Arnsberg.  Mit einer großen Ausstellung im Sauerland-Museum Arnsberg wird das Wirken des aus Arnsberg-Neheim stammenden Priesters Franz Stock (1904 - 1944) als einem der Wegbereiter des heutigen Europas gewürdigt.

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Mit einer großen Ausstellung im Sauerland-Museum Arnsberg wird das Wirken des aus Arnsberg-Neheim stammenden Priesters Franz Stock (1904 - 1944) als einem der Wegbereiter des heutigen Europas gewürdigt. Stock gilt durch sein überzeugendes Eintreten für Menschlichkeit in einer unmenschlichen Epochen der Geschichte für viele Franzosen als das Beispiel schlechthin, dass es auch im nationalsozialistisch verseuchten Deutschland gute, aufrichtige Menschen gab.

Vor diesem Hintergrund wird eine für den Historiker kleine Sensation begreifbar: Die Gedenkstätte „Mémorial de la France Combattante“ auf dem Mont Valérien bei Paris - der einstigen Hinrichtungsstätte der deutschen Besatzungsmacht - trennt sich erstmals für die Dauer der Ausstellung von zwei für die Franzosen mit hohem symbolischem Gehalt behafteten Exponaten: einem Hinrichtungspfahl und einem Sarg, in dem die Leichen der erschossenen Résistance-Angehörigen abtransportiert wurden.

Stock hat sich in Frankreich für Widerstandskämpfer aufgeopfert

„Damit hätten wir nie gerechnet,“ sagt Museumsleiter Dr. Jürgen Schulte-Hobein, der nach monatelangem Schweigen auf seine Bitte um Überlassung von Original-Stücken jetzt überraschend die Zusage erhielt. Denn die Signale, die zuvor auf nicht-offizieller Ebene aus Frankreich eingingen, lauteten völlig gegenteilig. „Nun aber erhält die Ausstellung eine ganz andere Emotionalität.“

Schon fast kurios: Der Mensch und Priester Franz Stock genießt in Frankreich einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad als in Deutschland. Denn Stock hat sich dort in der deutschen Besatzungszeit mit aufopferungsvoller Seelsorge um die inhaftierten und zum Tode verurteilten Widerstandskämpfer gekümmert und sie auch auf ihrem letzten schweren Gang zur Hinrichtungsstätte begleitet. Später gründete Stock gemeinsam mit französischen Priestern das „Seminar hinter Stacheldraht“ für kriegsgefangene deutsche Theologiestudenten.

„Mit seinem Wirken“, sagt Thomas Bertram als stellv. Vorsitzender des Franz-Stock-Komitees, „hat er eindrucksvoll gezeigt, dass es auch andere Deutsche als nur überzeugte Nationalsozialisten gab.“ Und diese Seelsorge, die er den verurteilten Widerstandskämpfern entgegengebracht habe, genieße bei den Franzosen elementare Bedeutung. „So schlimm die Ereignisse damals waren, aber Franz Stock hat mit seinem Handeln und seiner Haltung den Grundstein für die spätere Aussöhnung gelegt. Und das wirkt bis heute.“

Höchste Wertschätzung in Frankreich

Wie hoch im Nachbarland die Wertschätzung für den Priester aus dem sauerländischen Neheim ist, zeigt, so Schulte-Hobein, dass für den 1948 verstorbenen Stock 1949 eine Gedenkveranstaltung in einem anderen französischen Nationalsymbol angesetzt wurde - im Pariser Invalidendom. „Nur vier Jahre nach Kriegsende für einen Deutschen. Das ist eigentlich angesichts des französischen Nationalstolzes unvorstellbar.“ Zudem hatten Angehörige von erschossenen Résistance-Kämpfern zuvor Stocks Umbettung von einem Massengrab für Kriegsgefangene in ein Einzelgrab erfolgreich eingefordert und auch finanziert.

So wird die Ausstellung „Franz Stock und der Weg nach Europa“ - Schirmherren sind der deutsche Botschafter in Paris und der französische Botschafter in Berlin - besonders dessen politische Dimension in den Mittelpunkt rücken. Und damit einen Priester, der immer nur eines sein wollte: ein Mensch.

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