Orgel Late Night

Ein Orgelvirtuose entzückt Publikum in St. Petri Hüsten

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Die Kantoren Stefan Madrzak und Annette Elisabeth Arnsmeier (oben) sorgen vor ihrem Auftritt an der modernisierten Orgel für andächtige Stille in der St. Petri Kirche in Hüsten.

Die Kantoren Stefan Madrzak und Annette Elisabeth Arnsmeier (oben) sorgen vor ihrem Auftritt an der modernisierten Orgel für andächtige Stille in der St. Petri Kirche in Hüsten.

Foto: Tim Luca Drinhaus / Westfalenpost

Hüsten.  Bei der Orgel Late Night präsentiert die St. Petri Kirche Hüsten internationale Künstler. Die Veranstalter sind zufrieden – mit einer Ausnahme.

Es ist eine Stille, die an einen Gottesdienst erinnert, welche in der St. Petri Kirche am Samstag um 18.56 Uhr langsam eintritt. Eine Stille, die dem bevorstehenden Orgelspiel der Kantoren Stefan Madrzak und Annette Elisabeth Arnsmeier gewidmet ist.

Ansonsten erinnert in der Kirche an diesem Abend aber nichts an eine Messe. Der Innenraum ist bunt beleuchtet, vorne am Altar steht ein großer Bildschirm, der den Anwesenden das Geschehen an der Orgel live überträgt, und auf dem Kirchhof erfrischen sich einige Besucher mit frisch gezapftem Bier aus einem Getränkewagen.

Grund für dieses Erscheinungsbild der Kirche ist die „Orgel Late Night“. Organisten aus Köln und sogar den Niederlanden zieht es zu dieser Veranstaltung – und zur modernisierten Orgel in St. Petri. „Seit die Orgel umgebaut wurde, haben wir hier neues, erweitertes Potenzial. Das wollen wir nutzen“, so der Veranstalter und Kirchenmusiker Peter Volbracht. Und tatsächlich schwärmt auch Annette Elisabeth Arnsmeier von dem Instrument, das sie zusammen mit Stefan Madrzak frei nach dem Motto „vier Hände und vier Füße“ spielt: „Durch die drei Standorte der Orgel hat man hier immense Möglichkeiten, das ist durchaus besonders und schön.“

Orgel Late Night in Hüsten: „Es ist ein Genuss“

Dem Publikum scheint der Umbau der Orgel und das Spiel der beiden Kantoren ebenfalls zu gefallen. Während des Auftritts, bei dem unter anderem Mozarts berühmte „kleine Nachtmusik“ gespielt wird, schauen die Besucherinnen und Besucher gespannt der Übertragung auf dem großen Bildschirm zu, und der ein oder andere wankt zur Melodie oder nickt mit dem Kopf mit.

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„Das war wirklich sehr gut“, fasst es Besucher Volker Jansen in der Pause zusammen und Kassierer Patrick Flinkerbusch fügt hinzu: „Es ist ein Genuss!“. Auch Pfarrer Daniel Maiworm, der zu Beginn der Veranstaltung allen Anwesenden „einen Abend, der begeistert“ gewünscht hatte, ist in seinen Erwartungen an die „Orgel Late Night“ bestätigt: „Ja, ich bin tatsächlich hin und weg.“

Trotz aller lobenden Worte fallen die vielen leeren Bänke in der Kirche auf. Es wurden zirka 40 Eintrittskarten verkauft, was laut Peter Volbracht „ok, aber grenzwertig wenige“ sind, vor allem, wenn man bedenkt, dass es mit Ben van Oosten einen international bekannten Orgelvirtuosen nach Hüsten zieht. Auch das Durchschnittsalter des Publikums dürfte deutlich über 50 Jahren liegen, obwohl der zweite Auftritt des Abends moderne und frische Klänge verspricht.

Organisten und Organisatoren wollen junges Publikum ansprechen

Mit dem Programm „Orgel plus Synthesizer“ interpretieren Sebastian und Harald Gokus zusammen mit Jan Jesuthas das Kircheninstrument neu, kombinieren es mit anderen Instrumenten aus der ganzen Welt und schaffen somit eine neue Klangfarbenvielfalt, die nichts mit konservativer Orgelmusik zu tun hat. Auf das Publikum angesprochen erklären Sebastian und Jan: „Wir haben die Motivation, auch jüngeres Publikum anzusprechen“.

Dafür tragen sie unter anderem den Soundtrack zum Kinofilm „Interstellar“ vor und lassen dabei immer wieder tropische Elemente in ihr Spiel einfließen. Die Symbiose aus Orgel und internationaler Instrumentenauswahl hüllt die Anwesenden tatsächlich in eine spirituelle Stimmung.

Als großes Finale des Abends erscheint Ben van Oosten und verzaubert das Publikum unter anderem durch mehrere Stücke von César Franck. Zwischen Altar und Bänken, Beichtkammern und Kreuzen, Fensterbildern und Säulen ist jeder Kubikzentimeter der Kirche von den Klängen der Orgel erfüllt.

Nachdem der Organist den letzten Ton der „Late Night“ gespielt hat, herrscht kurz wieder die gleiche, an den Moment direkt vor einem Gottesdienst erinnernde Stille, die sich bereits vor dem ersten Auftritt in der Kirche breit gemacht hatte, dann applaudieren die verbliebenen Anwesenden begeistert.

Jeder war am Ende des Abends ergriffen. Man stelle sich vor: Ein Virtuose spielt in Hüsten, und keiner geht hin.

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