Haus Honningh

Ein Schmuckstück entsteht

Auf dem Dachboden des „Hauses Honningh“ an der Arnsberger Schlossstraße 3: Besitzer und Restaurator Dr. Meinolf Schultebraucks und Denkmalpfleger Ralf Herbrich.

Auf dem Dachboden des „Hauses Honningh“ an der Arnsberger Schlossstraße 3: Besitzer und Restaurator Dr. Meinolf Schultebraucks und Denkmalpfleger Ralf Herbrich.

Foto: Ted Jones/WP

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Arnsberg.  Da geht dem Denkmalpfleger das Herz auf und die Arnsberger Altstadt ist bald um ein fein herausgeputztes Schmuckstück reicher: Das 1601 errichtete Gebäude „Haus Honningh“ wird derzeit liebevoll und mit dem Blick auf die dem Haus ureigene Geschichte saniert und in den historisch verbürgten Originalzustand zurückversetzt. Dies alles in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz und unter Verwendung - wo immer möglich - der ursprünglichen Materialien.

„Ich will diesem Haus die alte Würde wiedergeben.“ Mit diesem Satz fasst Besitzer Dr. Meinolf Schultbraucks zusammen, was er dort - im Schlagschatten von Glockenturm und Stadtkapelle - realisieren möchte: eines der markantesten Gebäude der Stadtgeschichte wieder qualifiziert herrichten und so der Nachwelt erhalten. Ohne Kosten und Mühen zu scheuen.

Erwartungen weit übertroffen

Dabei war es Liebe auf den ersten Blick, habe doch das Haus Honningh eine große Anziehungskraft und einen großen Charme. Und so überlegte der inzwischen im Ruhestand befindliche Rektor einer Bad Sassendorfer Sonderschule auch nicht lange, als das Gebäude von der Stadt Arnsberg zum Verkauf angeboten wurde und schlug Mitte 2013 in den Handel ein. Denn Schultebraucks Interesse an historischen Gebäuden ist in der Szene legendär: Er hat bereits zahlreiche Objekte erworben und saniert, dafür sogar eine eigene Firma gegründet, um handwerkliches Fachwissen zu bündeln und stets zur Verfügung zu haben. Auch die Maurermeisterprüfung hat der Sonderpädagoge noch im hohen Alter abgelegt.

Und nun sind Meinolf Schultebraucks und Co. bereits seit geraumer Zeit im „Haus Honningh“ damit beschäftigt, all das „komplett herauszureißen, was historisch nicht hier her gehört“. Da geht er keine Kompromisse ein. Was besonders Ralf Herbrich als Denkmalpfleger der Stadt Arnsberg erfreut: „Dr. Meinolf Schultebraucks ist ein absoluter Glücksfall. Ebenso wie Selim Balikcioglu, der das alte Hüstener Amtshaus wieder rundum erneuert hat.“

Aber schnell zurück in die Schlossstraße 3: Dort wird fleißig gearbeitet. Aber nicht mit einer Hundertschaft, sondern nur mit wenigen Leuten, die wissen, wie mit historischen Gebäuden und Baustoffen umzugehen ist. Jeder Handgriff sitzt. Denn unnötige Hektik und auf das Tempodrücken, sagt Schultebraucks, seien hier nicht erwünscht. Im Gegenteil: „Eine Verlangsamung ist gerade bei derartigen Arbeiten oft sogar sehr hilfreich. Und wir wollen auch Freunde daran haben.“ So hat Schultebraucks auch keine zeitliche Vorgabe für den Abschluss der Restaurierung gesetzt: „Das wäre kon­traproduktiv.“

Das Haus selbst hat für den Liebhaber von Kunstgeschichte und historischen Gebäuden „die Erwartungen weit übertroffen. Es ist wie ein Geschenk, voller positiver Überraschungen. So freue ich mich über jedes historische Detail, dass wir hier entdecken.“ Und das sind nicht wenige. Wie zum Beispiel das noch in Teilen erhaltene Spicksteinpflaster und die Feuerstelle im einstigen Repräsentationsraum, wo der hier residierende Landschreiber als Chef der kurfürstlichen Kanzlei die Besucher auf dem Weg zum Schloss empfangen und einschüchternde Macht demonstriert haben soll. Damit Bittsteller oben im Schloss gleich wussten, wo der Hammer hängt.

Doch auch dieser Raum musste erst einmal „entrümpelt“ und ihm seine ursprüngliche Größe zurückgegeben werden. Denn das nach dem verheerenden Stadtbrand 1600 auf den Überresten ein anderen Objektes - vielleicht sogar eines Stadtturms - 1601 errichtete Gebäude war in jüngerer Zeit völlig verbaut worden: mit tiefen Zwischendecken, Wänden in Leichtbauweise und zugemauerten bzw arg verkleinerten Fenstern. Und hat damit seinen alten Charme verloren. Doch der wird nun zurückkehren. „Denn wir werden alles wieder so herrichten, wie es damals war. Mit den originalen Baustoffen und auch den früheren Fenstergrößen,“ erklärt Meinolf Schultebraucks.

Ressourcen schonen

So wurden zum Beispiel bereits 1,2 Tonnen Lehm - natürlich säckeweise - hinter dem Glockenturm angelandet. Denn Lehm war es, mit dem einst nicht nur die Wände des Hauses Honningh verputzt waren. „Lehm,“ sagt der 64-jährige Hausbesitzer, „ist mein Lieblingsbaustoff, ein historisches Material mit tollen Eigenschaften: Lehm zieht Wasser aus den Wänden, speichert Wärme, die er dann später wieder abgibt. Und er ist gut zu verarbeiten. Das alles haben wir als nachfolgende Generationen mit immer neuen Veränderungen kaputt gemacht und zugekleistert.“ Mit anderen Worten: Mit ihrer energetischen Ausrichtung und dem Wissen um natürliche Materialien waren uns die früheren Vorfahren durchaus voraus.

Überhaupt legt Dr. Meinolf Schultebraucks großen Wert auf den schonenden Umgang mit Ressourcen. Deshalb werde das große Gebäude auch mit einem entsprechenden, unter dem Lehmputz in den Wänden verborgenen modernen und sparsamen Heizungssystem versehen.

Wollmeiner-Skulpturen

Im Inneren - auf einer Empore über dem Repräsentationsraum des einstigen Landschreibers, heute so etwas wie ein Kanzleramtsminister - befinden sich zwei in Balken eingearbeitete Skulpturen des bekannten Arnsberger Künstlers Udo „Jülle“ Wollmeiner. Auch diese bleiben erhalten. „Weil sie zur Geschichte des Hauses gehören, denn Wollmeiner hat hier schließlich über 20 Jahre gelebt und gearbeitet,“ freut sich Denkmalschützer Ralf Herbrich auch über diesen Aspekt.

Interessant: Die markante Eingangstür ist kein Original. „Die echte Tür,“ so Ralf Herbrich, „befindet sich im Landesmuseum Münster. Vielleicht kann sie ja wieder nach Arnsberg zurückgeholt werden.“ Das wäre natürlich ein Traum. Auch für Dr. Meinolf Schultebraucks.

Wie viel Geld er letztlich in die Restaurierung des einstigen Patrizierhauses investieren will, darüber möchte Schultebraucks nicht sprechen. Nur so viel: „Ein deutliche Summe.“

„Das Interesse am Denkmalschutz wächst“

„Es tut sich etwas in Arnsberg in Sachen Denkmalschutz.“ Der das sagt, der muss es wissen: Ralf Hebrich, Denkmalpfleger der Stadt Arnsberg. Das Interesse von privaten Hausbesitzern, denkmalgeschützte Gebäude entsprechend den Vorgaben zu sanieren bzw. zu restaurieren, sei in den vergangenen Jahren im Stadtteil deutlich gestiegen. „Dieses neue Bewusstsein, Historisches für die Nachwelt zu erhalten, freut uns als Untere Denkmalbehörde selbstverständlich sehr.“

Das gesteigerte Interesse führt Ralf Herbrich unter anderem auf den in Arnsberg regelmäßig veranstalteten „Tag des offenen Denkmals“ zurück, der die Sinne für diese wichtige Arbeit geschärft und zugleich in der Bevölkerung eine große Wertschätzung für historische Objekte habe entstehen lassen. „Und das ist gut so.“

Was man auch bei der letzten Veranstaltung im September am Beispiel des „Hauses Honningh“ hervorragend habe erkennen können. „Die Besucher waren nicht nur von dem überrascht, was dort nahezu unbemerkt entsteht, sondern sie zeigten zugleich spontanes Interesse.“ So hätten sich Mitbürger angeboten, für die Wiederherstellung des alten Spicksteinpflasters Steine zu suchen.

Info

Nach Abschluss der Restaurierung wird das „Haus Honningh“ wieder als Wohnraum zur Verfügung stehen.

Möglicherweise waren in diesem Gebäude auch der Schrein der Hl. Drei Könige und ein Teil des Kölner Domschatzes auf der Flucht vor den napoleonischen Truppen versteckt worden.

Für Dr. Meinolf Schultebraucks birgt die Geschichte um die Hl. Drei Könige noch ein großes touristisches Potenzial für Arnsberg, das es zu heben gelte.

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