Konzerthaus-Indendant

Ein Stück Voßwinkel in großer Kulturwelt

Der neue Intendant des Konzerthaus Raphael von Hoensbroech (40) steht  vor dem Konzerthaus in Dortmund.

Der neue Intendant des Konzerthaus Raphael von Hoensbroech (40) steht vor dem Konzerthaus in Dortmund.

Foto: Lars Heidrich

Dortmund/Arnsberg.   Künftiger Dortmunder Intendant Raphael von Hoensbroech ist auch Vorsitzender der von Csilla von Boeselager gegründeten Osteuropa-Stiftung.

Der in Voßwinkel aufgewachsene und in Neheim zur Schule gegangene Raphael von Hoensbroech folgt zur Saison 2018/19 in Dortmund auf Konzerthaus-Intendant Benedikt Stampa. Sein Ziel: das Publikum mitreißen.

Engagement für die Stiftung

In Arnsberg und überregional bekannt ist Raphael von Hoensbroech aber auch noch in einer ganz anderen Funktion, durch die er eng mit dem Sauerland verbunden ist. Als Pflegesohn der Stiftungsgründerin Csilla von Boeselager aus Voßwinkel ist er seit dem Jahr 2007 Vorsitzender der Stiftung Osteuropahilfe.

Einen Teil seines Lebens wuchs Dr. von Hoensbroech bei der Stifterin Csilla von Boeselager auf, weshalb er schon als Jugendlicher im Stiftungsverein mitarbeitete. 1997 baute er ein eigenes Projekt im von der Oder überfluteten Polen auf.

Es ist noch nicht lange her, dass er während der „Flüchtlingskrise“ mit zum Teil dramatischen Zuständen auf der Balkanroute in unserer Zeitung betonte, dass die Stiftung weiterhin auf Spenden angewiesen sei. Denn die Not vor Ort sei so groß, dass die Helfer vor Ort mit den bereits geschickten Hilfsgütern nur von der Hand in den Mund arbeiten könnten. Doch es müsse ja kontinuierlich geholfen werden.

Schüler des St. Ursula-Gymnasiums

Jetzt bald aber kümmert er sich der ehemalige Schüler des St. Ursula-Gymnasiums in Neheim auch verantwortlich um das Konzerthaus in Dortmund. Nein, mutwillige Veränderungen in der Programmgestaltung, die Neuerfindung des Rades gar, werde es mit ihm nicht geben. Raphael von Hoensbroech, der zur Saison 2018/19 Nachfolger von Konzerthaus-Intendant Benedikt Stampa wird, weiß genau um die Strahlkraft des Dortmunder Hauses. Ein Ziel aber hat er schon: „Jedes Konzert sollte das Publikum emotional bewegen, es möglichst auf die Stuhlkante treiben“, so von Hoensbroech. Dazu bedürfe es höchster künstlerischer Qualität und attraktiver Programmatik.

Für Raphael von Hoensbroech ist Dortmund auch aus seiner „Arnsberger Zeit“ nicht unbekannt. Als Kind habe er einige Zeit in Voßwinkel bei gelebt und schon damals mehrere Inszenierungen am Dortmunder Theater besucht. Wohnen will er künftig in Dortmund. Seinen Sechsjahresvertrag hat der Musikwissenschaftler und Unternehmensberater, derzeit noch Geschäftsführender Direktor am Berliner Konzerthaus, am Freitag unterschrieben.

Musikalisches Talent

Raphael von Hoensbroech ist 1977 in Tokyo geboren und wuchs in Köln und Arnsberg auf. Er war ein musikalisches Talent: Bereits im Alter von drei Jahren begann er Violine zu spielen, gewann im Alter von sieben Jahren den Wettbewerb „Jugend musiziert“. und gründete mit 16 einen Jugendchor. Er studierte Musikwissenschaft, Philosophie sowie Schuld- und Urheberrecht an der Universität zu Köln. Nebenher lernte er Dirigieren u.a. über Meisterkurse bei Helmuth Rilling und Karl-Heinz Bloemeke und gab Konzerte in Europa und Japan. Erste Erfahrungen im Kulturmanagement sammelte er während des Studiums, als er beim Beethovenfest Bonn den Orchestercampus konzipierte und in Umsetzung brachte. 2005 promovierte Hoensbroech an der Philosophischen Fakultät der Universität Köln in Musikwissenschaft, ging dann aber zunächst in die freie Wirtschaft. Von 2005 und 2013 arbeitete er als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group in Köln, zuletzt als Principal. Im August 2013 kehrte er zurück ins Kulturmanagement und ist seither Geschäftsführender Direktor des Konzerthauses Berlin, mit eigenem Orchester und über 600 Veranstaltungen einem der größten deutschsprachigen Konzerthäuser. Dortmund wird nun seine erste Position als Intendant und Geschäftsführer in Personalunion sein.

Kontinuität

Fest steht, dass sowohl die Residenz des lettischen Dirigenten Andris Nelsons als auch die jüngste Staffel der „Jungen Wilden“ weitergeführt wird. Anknüpfen will von Hoensbroech auch an die guten Beziehungen zur Essener Philharmonie. Zuletzt hatten Dortmund und Essen die spannende Ruhrresidenz der Berliner Philharmoniker gestemmt. Zudem dürften die Fans der konzertanten Oper weiter auf ihre Kosten kommen. „Ich liebe dieses Format“, bekannte von Hoensbroech. Und eine unmittelbare Konkurrenz zum Dortmunder Musiktheater sieht er darin nicht. So hinterlässt der frisch gekürte Konzerthaus-Chef den Eindruck, dass er im nächsten Jahr behutsam in die großen Fußstapfen Benedikt Stampas treten will. Auf dass nach und nach, so beschrieb es von Hoens­broech, das Haus zum zweiten Wohnzimmer des Publikums werde.

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