Caritas

Eine einfache Formel für mehr Herzlichkeit

Jugendcaritas-Leiterin Martina Gerdes (links) und Paula Altebäumer(2. von links) präsentieren gemeinsam mit Julia Orlando das Kampagnen-Transparent für die Aktion „Hilfe durch Dich“.  

Foto: Inessa Brauer

Jugendcaritas-Leiterin Martina Gerdes (links) und Paula Altebäumer(2. von links) präsentieren gemeinsam mit Julia Orlando das Kampagnen-Transparent für die Aktion „Hilfe durch Dich“.   Foto: Inessa Brauer

Arnsberg.  Caritasverband Arnsberg-Sundern startet die Kampagne „Hilfe durch dich - die herzlichste Formel der Welt“ und hofft auf neues Engagement.

Seit Monatsbeginn läuft die Kampagne „Hilfe durch dich - die herzlichste Formel der Welt“ des Caritasverbands Arnsberg-Sundern. Ziel ist es, in einem Jahr möglichst viele Menschen für soziales Engagement zu gewinnen.

„Dafür habe ich keine Zeit.“ Dieser Satz dürfte allen bekannt vorkommen, die sich schon Mal mit ehrenamtlicher Arbeit gedanklich auseinandergesetzt haben. Das ist keine Ausrede, denn mittlerweile haben sich die Gesellschaftsstrukturen so verändert, dass selbst noch kaum Zeit für Freizeit bleibt. Kinder gehen ganztags zur Schule und Erwachsene sind beruflich eingespannt. Wie soll man sich da noch ehrenamtlich engagieren?

Der Caritas-Verband hat das erkannt. Deswegen wurde Anfang September die Kampagne mit einer einprägsamen Formel gestartet, um auf ehrenamtliche Arbeit aufmerksam zu machen: Hilfe (geteilt durch) Dich = Liebe zum Quadrat. Der Gedanke dahinter: Jeder, der sich für seine Mitmenschen einsetzt, macht die gleiche erstaunliche Erfahrung – verschenkte Liebe kommt doppelt zurück. „Es ist wichtig, das Ehrenamt wieder bekannt zu machen und das, was Caritas überhaupt bedeutet. Und das können nur die Leute, die auch im Ehrenamt tätig sind“, sagt Christian Stockmann, Geschäftsführer des Verbandes. Im Rahmen der Kampagne werden verschiedene Engagements vor Ort sichtbar gemacht. Ehrenamt soll ein Gesicht bekommen.

Dazu gehört zum Beispiel Paula Altebäumer. Die 16-jährige Schülerin engagiert sich, indem sie einmal im Monat mit Bewohnern des Wohnhauses Mariannhill schwimmen geht: „Es gibt immer die Fragen: Warum machst du das? Caritas hat ja alles mit Kirche zu tun? Es hat einfach was damit zu tun, dass man Menschen was Gutes tun möchte, egal welchen Glauben man hat. Ich wollte schon immer Menschen helfen und es macht mir einfach Spaß.“ Den Weg zum Ehrenamt hat sie durch Martina Gerdes, Leiterin der Jugendcaritas, gefunden. 2011 waren es noch sieben ehrenamtliche Jugendliche. Mittlerweile sind es 100.

Sozialkompetenz erlernen

„Nicht alle sind so aktiv wie Paula. Manche sind an Projekten beteiligt und somit zeitlich nicht gebunden. Aber das ist genauso wertvoll. Wichtig ist mir nur, dass die Jugendlichen sich mit dem Geist binden und Sozialkompetenz erlernen.“ Ehrenamtliches Engagement kann dabei viele Facetten haben. Ob singen, spazieren gehen, Gruppenunternehmungen oder Einzelbetreuung. Auch das Geschlecht und Alter kennen keine Grenzen. „Wir freuen uns über alle Ideen und versuchen, die auch gemeinsam umzusetzen!“, betont Martina Gerdes.

Letztes Jahr wurde eine Humorschulung für Mitarbeiter angeboten. Julia Orlando, hauptberuflich Tagespflegerin, hat daran teilgenommen. Jetzt ist sie noch ehrenamtlich mit roter Nase als „Jule Trule“ unterwegs. Zusammen mit „Mia Mumpitz“, geht das Clownsduo in Wohnheime und erheitert den Tag der Bewohner. Dabei wird nicht ein Programm aufgeführt, sondern improvisiert und durch Feingefühl ein Mensch ganz individuell erreicht. „Wir haben das Lied „Es kommt ein Vöglein geflogen“ für eine Dame gesungen, die schon lange nicht mehr gesprochen hat.“ , erzählt Julia Orlando, „schon während des Gesangs hat sie gelächelt und versucht etwas zu sagen. Aber es kamen nur Laute. Als wir dann gegangen sind, hat sie es geschafft ‘schön’ zu sagen. Da kriege ich immer noch Gänsehaut.“

Fazit ist: Ohne das Ehrenamt, könnten viele Aktionen nicht angeboten werden. Auch Mitgliedsbeiträge können helfen. Christian Stockmann betont: „Die Not in den Gemeinden ist nicht weniger geworden. Ob für den alleinerziehenden Vater, dessen Frau plötzlich gestorben ist oder eine Rentnerin, die ihre Stromrechnung nicht mehr zahlen kann. Das Geld kommt auch hier in den Gemeinden an.“

„Drei Fragen“ zum Engagement

Jutta Schlinkmann-Weber ist Koordinatorin des Ehrenamtes beim Caritasverband Arnsberg-Sundern.

1 Was bedeutet Ehrenamt für sie?

Spaß und Freude und vor allem sinnstiftende Tätigkeiten und Erfüllung.

2 Waren Sie selbst im Ehrenamt tätig?

Ich komme aus der Jungendarbeit und war bei den Pfadfindern. Heute bin ich in der Gemeindearbeit eingebunden und im Pfarrgemeinderat.

3 Was hat sich im Ehrenamt, im Vergleich zu früher geändert?

Es geht weg von dieser Verpflichtung ‚Ich bin in dem Verein und muss das tun‘, sondern es geht zu ‚Mir macht das Spaß und ich will das machen‘. Es ist eine win-win Situation. Ich bringe ‘was ein und bekomme auch ‘was. Ich würde mich freuen, wenn Menschen zu uns kommen, die eine spezielle Idee haben und wir entwickeln zusammen ein neues Projekt daraus.

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