Soziales

Eltern kämpfen um Fahrtkosten ihres behinderten Kindes

Elina Koch mit ihrer Familie.

Elina Koch mit ihrer Familie.

Foto: Martin Haselhorst

Neheim/Dortmund.  Bezirksregierung will Beförderungskosten zur Förderschule Dortmund nicht bezahlen – trotz positiver Entwicklung des Kindes aus Arnsberg.

Elina ist heute ein aufgewecktes Kind. Freundlich, zunächst skeptisch beobachtend und dann zuwendend begrüßt sie den Gast im Wohnzimmer. Das zehnjährige Mädchen hat gute Laune.

Anders als ihre Eltern: Die kämpften mit der Bezirksregierung Arnsberg vergeblich um die volle Fahrt- und Beförderungskostenübernahme für ihre Tochter. Elina hat Trisomie 21 und muss eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung besuchen.

Fall Elina: Nach drei Jahren weniger Geld für Fahrt

Nach drei Jahren auf der Christopherus-Waldorf-Schule in Dortmund will die Behörde ab Klasse 5 nur noch die Kosten für die Fahrt zur Caritasschule Mariannhill auf dem Arnsberger Schreppenberg bezahlen.

Mutter Daniela Koch-Mesekowitz (38) fiel aus allen Wolken, als sie die Nachricht von der Schule bekam, dass die Fahrtkosten für ihr Kind nach Dortmund nun nicht mehr getragen werden sollen. „Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen“, sagt sie.

Probleme auf Arnsberger Förderschule

Elina will und soll nicht mehr auf die Arnsberger Förderschule. Dort war sie schon einmal gewesen und kam gar nicht klar.

Die Eltern machen der Schule keine Vorwürfe, mussten aber damals feststellen, dass ihr Kind aggressiv und extrem auffällig geworden war. „Irgendwie tat ihr die Schule nicht gut“, erinnert sich die Mutter.

Wechsel nach Dortmund tat Elina gut

Veranlasst wurde ein Wechsel zur Waldorfschule nach Dortmund. „Seit dieser Zeit haben sich die Symptome vollständig zurückgebildet“, bestätigt auch Kinderärztin Dr. Maria Schindler aus Arnsberg, „Elina ist wieder ausgeglichen, geht gerne zur Schule und macht im Rahmen ihrer Möglichkeiten gute Fortschritte“.

Das bestätigt auch ihre Klassenlehrerin Margarete Corbett. Sie erlebte den Wandel von Elina an der Waldorfschule von einem aggressiven, provozierenden und verweigernden Kindes hin zu einem Mädchen, dass sich auch aufgrund der Waldorf-Pädagogik in den Klassenverband integriert und „in vielen lebenspraktischen Bereichen positive Entwicklungsschritte gemacht“ habe. Die Klassenlehrerinnen sehen in dem gewohnten Schulumfeld noch viel Entwicklungspotenzial. „Einen erzwungen Schulwechsel hingegen sehen sie als pädagogisch unzumutbar an“, so Margarete Corbett.

Mutter ist enttäuscht

Das alles teilten Daniela Koch-Mesekowitz und der Vater Andreas Koch (41) der Bezirksregierung auch mit. Beim damaligen Schulwechsel hatten sich die Eltern auf die frühere Zusage der Fahrtkostenerstattung verlassen. Das Ergebnis der Neuprüfung nun verstehen sie nicht.

„Hier bleibt doch das Menschliche im Hintergrund“, ist die Mutter tief enttäuscht. Sie hat Angst, dass Fortschritte verloren gehen. „Elina ist selbstständiger geworden und lernt gut. Jetzt hat sie auch Freunde und ist kontaktfreudig“, sagt sie, „und wir möchten doch nur, dass das so bleibt“.

Aufwändig war die weitere Fahrt zur Schule immer: Elina verließ um 6.50 Uhr an Schultagen das Haus und wurde mit einer Einzelbeförderung nach Dortmund gebracht.

Das alles wird jetzt noch früher: Die Schule vermittelte einen Kompromiss mit der Bezirksregierung. Als sogenanntes „Fallkind“ darf sie die Dortmunder Schule jetzt zwar weiter besuchen, muss allerdings Umwege und Kosten in Kauf nehmen. Um 6.30 Uhr kann sie künftig in Lendringsen in einen ohnehin fahrenden Bulli zur Förderschule steigen. Dorthin aber müssen die Eltern sie täglich bringen und abholen und erhalten nur für eine Fahrt die Kosten erstattet.

„Lösung auf Zeit“

Wie lange das so gehen kann, wissen die Kochs nicht. Die beiden anderen im Bulli ab Lendringsen beförderten Kinder werden deutlich eher als Elina mit der Schule fertig sein. Und wenn der Bulli irgendwann nicht mehr fährt (übrigens zum Beispiel auch dann, wenn die beiden Lendringser Kinder jetzt mal krank sind), muss Elina sehen, wie sie zu ihrer Waldorfschule nach Dortmund kommt.

Daniela Koch-Mesekowitz fürchtet „eine Lösung auf Zeit“, ist aber zunächst einmal froh, dass das Kind die Schule nicht wechseln muss. Mit freier Schulwahl habe das für sie aber wenig zu tun. Vor allem aber fühlt sie sich ebenso wie der Vater von den Behörden allein gelassen und nicht verstanden. „Wir haben es doch wirklich auch sonst nicht leicht“, sagt Andreas Koch, „und trotzdem müssen wir immer um so vieles kämpfen“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben