Sauerland-Museum

Empfehlung für Variante A

Ausschussmitglieder, Vertreter des Hochsauerlandkreises und Gäste verfolgen im Blauen Haus in Arnsberg die Erläuterungen des Architekten.

Ausschussmitglieder, Vertreter des Hochsauerlandkreises und Gäste verfolgen im Blauen Haus in Arnsberg die Erläuterungen des Architekten.

Foto: WP

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Arnsberg. Keine Verzögerung bei der Umsetzung der Museumserweiterung im Zuge der „Regionale 2013“: Der Kreiskulturausschuss empfahl dem Kreistag mit großer Mehrheit, am heutigen Freitag für die Variante A zu stimmen. Der Antrag der Sauerländer Bürgerliste (SBL) auf Verschiebung der Entscheidung wurde abgeschmettert. Die Neuplanung war - wie berichtet - durch ein zweites geologisches Gutachten erforderlich geworden. Das Projekt verteuert sich so um 620.000 Euro, was ohne Zusatzkosten für den HSK aufgefangen werden könne.

Für heftige Diskussionen sorgten Mittwochabend im Blauen Haus die Einlassungen von Reinhard Loos (SBL), der der Verwaltung zu späte Information vorwarf und wohl auch mangelhafte Rechenkünste. Zudem kam er nach Studium des geologischen Gutachtens zu anderen Schlüssen als das beauftragte Architekturbüro und warnte vor Problemen aus der Tiefe, „die wir noch gar nicht kennen“.

Martin Bez vom Stuttgarter Büro „Bez + Partner“ dagegen hielt dieses zweite Gutachten für eine ausreichend sichere Basis der weiteren Planungen. „Probebohrungen an sieben verschiedenen Stellen sind zwar nur eine punktuelle Betrachtung, aber mehr kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.“

Das Gutachten habe man erst nach den genauen Planungen in Auftrag geben können. Schließlich müsse man für gezielte Bohrungen erst einmal wissen, wie ein Baukörper aussehen soll. Dies, so Bez, sei das übliche Vorgehen. Was auch Sascha Walenta (CDU), selbst Architekt, so sah: „Der Kollege hat sehr gut gearbeitet. Das Konzept überzeugt vom Anfang bis zum Ende.“ Immerhin: Die vorgelegten drei Varianten wurden aus 25 Neuplanungen ausgewählt, in die das Stuttgarter Büro rund 300 zusätzliche Arbeitsstunden investiert hatte.

Sicherungsaufwand erheblich höher

Denn das zweite Bodengutachten hatte ein „unschönes Ergebnis“ zu Tage gebracht: Im oberen Drittel des Hanguntergrundes das erwartete lockere Gestein, aber in den unteren zwei Dritteln großräumige Trennflächen - auch Klüfte genannt - in dem eigentlich als kompakt vorausgesetzten Fels. Folge: stärkere Sicherung der Baugrube - mit dreimal so hohen Aufwand und Kosten.

Deshalb kann auch der Aufzug nicht mehr durchgehend, sondern nur mit Umstieg bis auf Ruhrstraßen-Niveau eingezogen werden. Aber bei voller Barrierefreiheit. Was die Architekten vor eine schwierige Aufgabe stellt. Denn der gesamte Museumskomplex muss - das ist die städtebauliche und damit fördermittelrelevante Vorgabe - vom Altbau aus erschlossen werden. Um die Besucher als belebendes Element durch die Altstadt zu leiten.

Dies habe man durch die Variante A gut lösen können, die zugleich die dominante Silhouette des „Landsberger Hofes“ und die vorgesehene kaskadenartige Treppe zur fußläufigen Erschließung erhalte. Bez: „Außerdem bleiben wir nah an der Ursprungsplanung.“ Weitere Folge des Gutachtens: Während der Arbeiten wird der vorhandene Baukörper messtechnisch überwacht, um möglichen Schäden sofort begegnen zu können, die Eingriffe direkt unter dem Altbau werden auf ein Minimum eingedampft.

Grundsätzlich, so Bez, seien sie als Planentwickler durchaus froh über das zweite Gutachten. Denn: „Besser jetzt die Überraschung als später in der Bauphase. Dann nämlich wäre das Kind in den Brunnen gefallen.“ Auch in Sachen Kosten.

Für Kreisdirektor Dr. Klaus Drahten waren die Ausführungen von Reinhard Loos ein Lehrstück dafür, wie man mit immer wieder neuen Gründen eine zuvor gefasste demokratische Entscheidung zu kippen versuche. Drahten erläuterte auch nochmals das Vorgehen des Kreises: „Wir wollten nicht mit einer Diagnose beunruhigen, sondern lösungsorientiert handeln und haben deshalb erst informiert, als wir gemeinsam mit Architekten und Baukommission entwickelte Ergebnisse vorzuweisen hatten.“

Zumal bei der Lösungsfindung der Faktor Zeit eine wichtige Rolle spiele: 1. warte man zu lange, verteuere sich das Projekt durch die Preisentwicklung; 2. das Projekt müsse innerhalb der Regionale 2013 abgerechnet werden und 3. gelte dies ebenso für die Zuschüsse aus dem Kulturbereich.

Am Tag nach der Sitzung macht Landrat Dr. Karl Schneider unmissverständlich klar, dass es an dem Museumsprojekt nichts mehr zu rütteln gibt: „Es geht nur noch um die Ausführungsvariante. Außerdem sind bei derart großen Projekten immer Komplikationen möglich, die ein Nachjustieren erfordern.“ Und: „Arnsberg hat die Museumserweiterung verdient.“

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