Kommt Videoüberwachung?

Enge, dunkle Wege bereiten Angst in Neheim

DieTreppe, die die Straße „Springufer“ mit der Goethestraße verbindet,  stellt für viele Frauen abends einen Angstraum dar

Foto: Martin Schwarz

DieTreppe, die die Straße „Springufer“ mit der Goethestraße verbindet, stellt für viele Frauen abends einen Angstraum dar Foto: Martin Schwarz

Neheim.   CDU-Politiker Klaus Humpe greift Bürgerbeschwerden auf. Stadtverwaltung soll prüfen, ob Video-Überwachung möglich ist.

Seit Jahren gibt es nächtliche Angsträume in Neheim, die insbesondere von Frauen möglichst gemieden und - falls es nicht anders geht - mit einem mulmigen Gefühl betreten werden. Hierzu gehört das nächtliche Überqueren der Ohlbrücke (zwischen Mendener Straße und Im Ohl), der schlecht beleuchtete Busbahnhof Neheim sowie das „Springufer-Treppchen“, das vom Pflegezentrum St. Johannes hinunter zur Goethestraße führt. Als unsere Zeitung am vergangenen Donnerstagabend ein Foto vom schummrigen Treppchen machte, bestätigte ein Erlebnis vor Ort die Gefahreneinschätzung vieler Neheimer/innen.

Verkäuferin: „Ich lasse mich abends abholen“

„Ich lasse mich abends von meinem Mann am Treppchen abholen. Das ist mir hier zu gefährlich “, berichtete eine Verkäuferin, die am Donnerstagabend die lange Treppe runterging und auf halber Strecke von ihrem Mann erwartet wurde. Bürger sorgen also schon selbst für Sicherheit, denn sie können von der Polizei nicht erwarten, dass sie stundenlang für Wachen in Angsträumen sorgen. So viel Personal hat die Polizei nicht.

Der Pressesprecher der Polizei im HSK, Holger Glaremin, erklärt: „Die Polizei kennt die Angsträume. Diese Örtlichkeiten werden stärker bestreift und Personen gegebenenfalls kontrolliert. Sollten einem Bürger oder einer Bürgerin etwas Verdächtiges auffallen, sollte er direkt den Polizeiruf 110 wählen.“

Polizei: Es gibt keine erhöhte Kriminalitätsrate

Bei allem Verständnis für das subjektiv empfundene Angstgefühl vieler Bürger/innen auf engen, dunklen Wegen weist Polizei-Pressesprecher Holger Glaremin aber auch auf die Faktenlage hin, die für keinen der drei genannten Angsträume - Treppchen am Springufer, Ohlbrücke und Busbahnhof - eine erhöhte Kriminalitätsrate aufweist. Es gebe allerdings Einzelfälle. Glaremin erinnert an, dass es im vergangenen Februar im Bereich Springufer zu einem Handtaschenraub kam, der aufgeklärt wurde. Der Täter verbüße jetzt seine Strafe im Gefängnis.

Wegegeld auf Ohlbrücke verlangt

Unsere Zeitung erinnerte Glaremin an einen Vorfall in der Nacht vom 19. auf 20. August, als in Neheim Schützenfest war. Vier junge Leute wollten über die Ohlbrücke gehen, als plötzlich ein Mann vor ihnen erschien und Wegegeld forderte. Als sie ihm dies verweigerten, kamen 10 bis 15 Männer von der nahen Skaterbahn, verprügelten die jungen Leute und flohen.

Selbst die Stadt spricht von „nächtlichem Angstraum“

Mit Blick auf den Busbahnhof Neheim ist auffällig, dass mittlerweile sogar die Stadtverwaltung selbst den Begriff „nächtlicher Angstraum“ für den Busbahnhof verwendet - wie in einer Bürgerversammlung zum ZOB geschehen.

Was kann man nun tun? Wäre Video-Überwachung eine Option? Die Polizei betont, dass Videoüberwachung an enge gesetzliche Vorgaben gebunden sei. „Dann muss man das prüfen“, meint dazu der Vorsitzende des Bezirksausschusses Neheim, Klaus Humpe. Der CDU-Politiker will sich in einer der nächsten CDU-Fraktionssitzungen dafür einsetzen, dass die CDU die Stadtverwaltung beauftragt, die Installation von Videogeräten in Neheimer Angsträumen zu prüfen. Die schon heute installierten Videoanlagen im Trilux-Parkhaus hält Humpe für absolut richtig.

Polizei rät Bürgern von eigener Bewaffnung ab

Soll man sich wehren oder lieber klein beigeben, wenn man Opfer eines gewaltsamen Übergriffs wird? Die Polizei sagt, dass es keinen Leitfaden gebe, den man für alle Situationen anwenden könne. Das Verhalten sei situations- und typenabhängig. Grundsätzlich solle niemand sein Leben aufs Spiel setzen, insbesondere dann, wenn der Täter bewaffnet ist. Von eigener Bewaffnung rät die Polizei ab: „Waffen schaffen keine Sicherheit!“

KOMMENTAR

Es muss etwas getan werden

Schon seit vielen Jahren bestehen Angsträume in Neheim, doch Politik und Polizei waren bisher nicht in der Lage, den besonders betroffenen Frauen das Gefühl starker Unsicherheit zu nehmen. Der polizeiliche Rat „Gehen Sie im Zweifelsfall lieber einen Umweg“ kann nicht der Weisheit letzter Schluss ein, es muss etwas getan werden. Politiker sind gefordert, auf das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Bürger zu reagieren. Aussitzen und weggucken ist nicht akzeptabel.

Auch wenn die Anzahl angezeigter Straftaten noch relativ gering ist - über die Dunkelziffer nicht angezeigter Straftaten kann man nur mutmaßen -, darf man nicht abwarten, bis Schlimmeres passiert. So ist die Initiative des Politikers Klaus Humpe zu begrüßen, seine CDU-Fraktion zu einem Antrag an die Stadtverwaltung zu veranlassen, Videoüberwachung von Angsträumen in Neheim zumindest zu prüfen. Liegt das Ergebnis vor, wird man neu beraten. Jetzt gar nichts zu tun hilft nicht weiter.

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