Schützenhalle in Flammen

Erinnerung an große Arnsberger Brandnacht

Die Arnsberger Schützenhalle 1974 in Flammen.

Die Arnsberger Schützenhalle 1974 in Flammen.

Foto: Archiv WP / Wolfgang Becker

Arnsberg.  Feuerwehrleute von damals erinnern sich an den verheerenden Brand der alten Arnsberger Schützenhalle am 12. September 1974.

Die schlimme Nachricht verbreitete sich am späten Abend des 12. September 1974 in Windeseile durch die ganze Stadt: „Die Schützenhalle brennt“. Innerhalb kürzester Zeit waren Feuerwehr und Polizei vor Ort – und auch über 1000 Zuschauer, die das Geschehen von den Straßen aus beobachteten. Brandursache, so ergaben tags darauf die Ermittlungen, war ein Schwelbrand, der durch Schweißarbeiten entstanden war.

Frau schellt an der Feuerwehrwache

Erich Gries, damals hauptberuflicher Feuerwehrmann in Arnsberg, hatte an diesem verhängnisvollen Abend zusammen mit den Kollegen Günter Zippel und Josef Hansknecht Dienst an der Feuer- und Rettungswache Ruhrstraße. „Eine Frau schellte an der Wache und sagte, dass es am Brückenplatz nach Rauch rieche und sie habe auch Qualm zwischen den Häusern gesehen, scheinbar aus dem Bereich der Schützenhalle“, erinnert sich Gries. Mit einem Tanklöschfahrzeug seien die drei Wehrleute dann zur Schützenhalle gefahren und hätten vor dem Haupteingang gehalten.

„Günter und Josef sind mit dem Schnellangriffsrohr vorgegangen, ich war Fahrer und somit Maschinist und bediente die Pumpe. Ich sah, wie den beiden beim Aufmachen der Tür eine Stichflamme entgegenkam, daraufhin habe ich über Funk Verstärkung angefordert, denn uns war sofort klar, dass wir hier mit drei Mann keine Chance hatten“.

Verstärkung angefordert

21.55 Uhr: Telefonist Eberhard Gornik löst Alarm aus, in Arnsberg heulen die Feuersirenen, später werden noch der Löschzug Neheim-Hüsten und weitere Einheiten zur Unterstützung angefordert.

Bei Eintreffen der Wehrleute brannte die Halle schon wie Zunder, die Flammen, so erzählen heute noch Anwohner, hätten den Nachthimmel wie Scheinwerfer erhellt. Von allen Seiten wird dem Brand zu Leibe gerückt – ein gefahrvoller Einsatz für die Wehr. Denn: „Um 22.44 Uhr stürzte mit gewaltigem Getöse in zwei Phasen im Abstand von wenigen Sekunden das Dach zusammen“, schreibt WP-Redaktionsleiter Siegfried Richter damals in der Samstagsausgabe.

23.00 Uhr: Mittlerweile sind 160 Helfer von Feuerwehr, DRK und THW im Einsatz, eine Wasserkanone pumpt kontinuierlich 4800 Liter Wasser in das Flammenmeer, gefördert wird das Löschwasser von Hydranten und aus der Ruhr.

Willy Hesse wohnte in der Gartenstraße (heute „Zur Feldmühle“): „Ich bekam zu Hause einen Anruf, dass die Schützenhalle brennen solle, daraufhin hab ich mich sofort ins Auto gesetzt und bin losgefahren“. An der Bahnhofstraße (heute Clemens-August-Straße) habe er angehalten um nachzusehen ob „wirklich etwas dran sei“. „Durch eine Seitentür ging ich in die Halle, die schon bis unters Dach verraucht war. Plötzlich gab es einen Knall und die ersten Flammen loderten in dem Gebäude“, erinnert sich Hesse. Er sei dann sofort zum Gerätehaus gefahren und von dort mit dem nächsten Löschfahrzeug zur Einsatzstelle geeilt. Wehrführer Willi Herbst habe dann angeordnet: „Du gehst aufs Dach des Bundesbahngebäudes und beobachtest den Funkenflug“. Von hier oben hatte der junge Feuerwehrmann den besten Ausblick.

Funkenflug-Wache

Glut, die auf das Dach fiel, habe er mit den Stiefeln ausgetreten oder runtergeschoben. „Wenn Funken auf die benachbarten Häuser flogen, musste ich mich mit Handzeichen und Winken bemerkbar machen, denn ein Funkgerät hatte ich nicht dabei“, erzählt Hesse, der von seinem „Aussichtspunkt“ genau beobachten konnte, wie das Schmuckstück der Stadt niederbrannte.

00.00 Uhr: Um Mitternacht sind 30 Strahlrohre im Einsatz, das Feuer scheint unter Kontrolle, trotzdem lodern an bereits abgelöschten Stellen immer wieder Flammen auf. Als die Sirenen kurz vor 22 Uhr heulten, saß Peter Hansknecht mit Freunden im Biergarten bei „Hörsters Farmer“. „Mein Vater Paul rief in der Gaststätte an, und sagte dass in der Schützenhalle ein Feuer ausgebrochen sei. Günter ‚Puste‘ Löhr brachte mich mit dem Auto zum Gerätehaus. Eingesetzt war dann ich an der kleinen Halle, wo beim Schützenfest immer der ‚Kronen-Bierstand‘ stand“.

2.00 Uhr: Das Feuer ist größtenteils gelöscht, mehrere Brandwachen bleiben an der Unglücksstelle, denn immer noch flackern hier und da Glutnester auf. Übrig bleiben nur ein paar Außenmauern, die am kommenden Tag von Bergepanzern der damals in Arnsberg stationierten Belgischen Streitkräfte eingerissen werden. Auch wenn es nichts mehr zu retten gab, hat die Feuerwehr durch ihren massiven Einsatz in dieser Nacht Schlimmeres verhindert. Eine Katastrophe, so sind sich die damals Beteiligten heute einig, wäre ein Übergreifen des Großbrandes auf die naheliegenden Wohn- und Geschäftshäuser gewesen.

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