Sundern.

Fallpauschalen nicht ohne Fallen

Dr. Josef Leßmann

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Sundern. „Geld regiert ... auch die Versorgung psychisch Kranker“ - Unter diesem Motto steht am morgigen Dienstag, 8. Oktober, ein Vortrag von Dr. Josef Leßmann, Leiter der LWL-Kliniken in Warstein und Lippstadt, zum Thema Fallpauschalen im Johanneshaus in Sundern.Initiator ist der Pluspunkt St. Georg an der Mescheder Straße 16 in Sundern. Denn nach Pauschalen in der Körpermedizin sollen nun bis 2017 solche im Bereich der psychiatrischen und psychosomatischen Therapien vorgenommen werden. Dazu sprach unsere Zeitung mit Dr. Josef Leßmann.


Frage: Warum sollen im Bereich Psychiatrie/Psychosomatik Fallpauschalen eingeführt werden?
Dr. Leßmann: Es sind keine klassischen Fallpauschalen, sondern tagesgleiche Pflegesätze, deren Beträge (Erlöse) aber je nach Diagnose, Behandlungsintensität und Verweildauerzeitraum degressiv verlaufen bzw. gezahlt werden. Das wird unterm Strich wohl generell (d.h. allg. in der Psychiatrie) zu einer Verweildauersenkung führen.Die Politik will es so, hat bisher das Procedere auch schon festgelegt trotz heftiger Einwände und Proteste der Fachverbände, allen voran die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychosomatik und Neurologie (DGPPN). Es geht um´s Geld.


In welchen Zeiträumen wird so eine Pauschale umgesetzt?
2013 und 2014 können die Psychiatrischen Kliniken optional nach dieser Systematik abrechnen, bei noch nach bisherigem System geltenden Pflegesatzverhandlungsergebnissen. Ab 2015 besteht dann die Pflicht, es so zu tun (2016 auch). Ab 2017 wird es dann ernst, d.h. es wird auch hier - wie es bei Einführung der DRGs auch für die somatischen Krankenhäuser war - eine sogenannte Konvergenzphase geben: prozentual wächst das alte System in das neue hinein und dementsprechend gilt - prozentual - dann auch die Veränderung (häufig, aber nicht in jedem Fall) bezüglich der Erträge, ein Stückchen weit die Abschmelzung der Erlössituation. Diese Konvergenzphase wird Ende 2021 abgeschlossen sein, so dass dann ab 2022 ein Landesbasisentgeltwert gilt, an dem sich alles ausrichten wird.
Ist das möglich, so etwas durchzusetzen? Wer sind die Leidtragenden dabei?
Sie sprechen genau die richtigen und wichtigen Inhalte an dieser Änderung an. Konkreteres werde ich in meinem Vortrag dazu sagen, auch dazu ob es ausreichende Ärzte im HSK gibt oder auch ambulante Pflegeplätze.


Was kann man dagegen tun?
Es haben bereits viele Fachleute versucht, dagegen etwas zu unternehmen; auch die beiden von mir ärztlich verantworteten LWL-Kliniken Warstein und Benninghausen haben sich vor Monaten sehr intensiv an der Protest-Unterschriftenaktion der DGPPN beteiligt. Die Verantwortlichen haben anschließend viele Unterschriften listen körbeweise in Berlin ins Gesundheitsministerium getragen: ohne sichtbaren Erfolg.


Gibt es auch Chancen?
JAIN! Es wird eine wohl deutliche Zunahme an ambulanten und intensiver vernetzten Beratungen, Behandlungen und Diagnostik geben (offensichtlich schrecken viele vor der Kostenexplosion im stationären Bereich zurück). Aber diese Zunahme an Flexibilisierung und sicher auch Mobilität im System wird die ohnehin schon sehr strapazierten Player (Behandler, Pflegenden, Sozialarbeiter) noch mehr fordern. Die Spirale des Leistungsdrucks wird noch mehr Drall und Drill bekommen, so dass Verantwortliche aufpassen müssen, dass zukünftig nicht noch mehr professionelle Helfer für sich selbst Helfer brauchen. Aber ich will jetzt mal nicht zu schwarz malen.

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