Junge Piloten unterwegs

Flugsimulator: Virtuelle Runden über das Sauerland drehen

Flugsimulator Sauerland Jan Blankenstein (links) und Hannes Friederritzi (rechts) vom LSC Oeventrop. Hier der virtuelle Blick auf den Hennesee.

Flugsimulator Sauerland Jan Blankenstein (links) und Hannes Friederritzi (rechts) vom LSC Oeventrop. Hier der virtuelle Blick auf den Hennesee.

Foto: Jan Haselhorst

Oeventrop.  Zwei junge Hobbyflieger des LSC Oeventrop vergleichen heimisches Flugrevier im neuen Mircrosoft-Flugsimulator mit der Realität.

Wenn Hannes Friederritzi und Jan Blankenstein an Wochenenden ihre Freizeit genießen, dann fehlt ihnen dabei jegliche Bodenständigkeit. Die beiden Sauerländer sind abgehoben – und das nicht im charakterlichen Sinne, sondern ganz wortwörtlich. Denn die beiden 20-Jährigen sind leidenschaftliche Hobbyflieger beim Luftsportclub Oeventrop. Für die Westfalenpost haben sie das echte Cockpit mit Tastatur, Joystick und Maus getauscht, um im brandneuen Microsoft Flight Simulator 2020 eine virtuelle Runde über das Sauerland zu drehen. Der mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Flugsimulator ist kürzlich für den PC erschienen und verspricht dank 127 Gigabyte Spieldateien eine Detailtreue und Atmosphäre, die es in der Flugsimulation so noch nicht gegeben hat. Doch wie realitätsnah ist das Videospiel? Dieser Frage sollen die beiden Nachwuchspiloten auf den Grund gehen.

Virtuelle Landmarken reichen zur Navigation

Mit einem kleinen Propellerflugzeug startet Hannes Friederritzi von seinem Heimatflugplatz in Oeventrop und kann schon nach wenigen Minuten ein erstes Fazit ziehen. „Die Gegend sieht hier aus wie in der Realität. Ich erkenne dieselben Gebäude, die ich auch im echten Leben nach dem Start sehe“, sagt der Oeventroper. Auf Hilfsmittel zur Navigation verzichtet er, stattdessen folgt er der Ruhr bis Arnsberg, kreist über der Altstadt und setzt den Flug dann in Richtung Sorpesee fort. Der empfängt Friederritzi mit glitzerndem Wasser. „Beeindruckend“, findet der 20-Jährige und auch sein Niedereimer Fliegerkollege Jan Blankenstein pflichtet ihm bei.

Nachwuchspiloten des LSC Oeventrop

Die Piloten vom LSC Oeventrop fliegen seitdem sie 14 Jahre alt sind. Segelflugzeuge und Motorsegler darf das Duo bedienen, so manchen längeren Ausflug haben sie schon absolviert. „Wir haben es im Motorsegler mal in 54 Minuten bis Koblenz geschafft oder in anderthalb Stunden zur Nordsee“, sagt Blankenstein. Das Hobby der Überflieger ist nicht ganz billig: 41 Euro kostet der Segler am Tag, deutlich teurer ist der Motorsegler mit 65 Euro – in der Stunde wohlbemerkt. Der Flugsport ist für die Sauerländer jedoch die größte Leidenschaft, fast jedes Wochenende geht es in luftige Höhen, sofern das Wetter mitspielt. Im Winter verbringen sie viel Zeit im Hangar, um die Segler zu reparieren und zu warten. Das technische Wissen haben die jungen Männer nicht nur in der Ausbildung erlangt, auch ihre Berufe – Friederritzi arbeitet als Werkzeugmechaniker und Blankenstein als Elektroniker – kommen ihrem Hobby zugute.

„Wir haben etwa 60 Aktive beim LSC Oeventrop. Der Verein ist wie unsere zweite Familie“, sagt Hannes Friederritzi. Durchschnittlich 110 Stunden im Jahr sitzt der 20-Jährige im Flugzeug, sein Kumpel Jan kommt auf etwa 65 Stunden.

Blick auf Heimat aus 2000 Meter Höhe

Das Sauerland kennen die Piloten wie ihre Westentasche – das zeigt sich auch im Microsoft Flight Simulator, denn die Navigation mit Landmarken funktioniert problemlos. „Das zeigt, wie gut das Spiel und wie beeindruckend die Grafik ist“, findet Jan Blankenstein. In der Realität fliegen sie am liebsten über das Sauerland, weil die Thermik für die Segelflugzeuge optimal sei. Aus rund 2000 Meter Höhe beeindruckt sie ihre Heimat immer wieder aufs Neue. „Das ist völlige Freiheit und wie ein Abtauchen in eine andere Welt“, sagt Friederritzi.

Apropos andere Welt: Mittlerweile hat Jan Blankenstein das Steuer im Flugsimulator übernommen und während er im Anflug auf den Flugplatz Arnsberg-Menden ist, resümieren die Segelpiloten ihr virtuelles Flugerlebnis. „Das echte Fliegen wird immer Vorrang haben, aber der Simulator ist eine gute Option für schlechtes Wetter…“

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