Freilichtbühne

Freilichtbühne Herdringen wird zum Vampir-Treffpunkt

Mirja Padberg spielt in Herdringen Rüdiger von Schlotterstein. Unser Foto zeigt eine Probenszene.

Mirja Padberg spielt in Herdringen Rüdiger von Schlotterstein. Unser Foto zeigt eine Probenszene.

Foto: Ulrich Hufnagel

Arnsberg.  Das ist mal Theater mit Biss: Die Freilichtbühne Herdringen zeigt in dieser Saison „Der kleine Vampir“ und eine coole-Dracula-Revue

Wenn die süßen Mini-Fledermäuse Mambo tanzen, wird es gruselig am alten Steinbruch mitten im Wald von Arnsberg-Her-dringen. Dann öffnen sich knarzend die Deckel der schwarzen Särge. Und was passiert? Der kleine Vampir freundet sich mit dem Menschenjungen Anton an, Oma Schlotterstein verliert ihr Gebiss mit den spitzen Zähnchen, und das Ensemble der Freilichtbühne hat unwahrscheinlich viel Spaß dabei, das Abenteuer nach Angela Sommer-Bodenburgs Erfolgsromanen in eine Breitwand-Theatergeschichte zu übersetzen. Am 1. Juni ist Premiere.

Zum 70-Jahr-Jubiläum tritt Herdringen thematisch einheitlich auf. „Der kleine Vampir“ erzählt im Familientheater von Freundschaften über alle Grenzen hinweg. „DraCo­oLa Showbiss“ bringt für die Erwachsenen eine bissige Show über die großen Stars der Weltgeschichte. Regisseurin Patricia Hoffmann hat die Revue mit ihrem Mann Thomas Kunze geschrieben. „Es gibt einen unglaublichen Bedarf an guten Stücken für Amateurbühnen“, weiß die Regisseurin und Choreographin, die nach acht Jahren nun ihre letzte Saison in Herdringen inszeniert.

75 Darsteller im Kinderstück

75 Darsteller dirigiert Patricia Hoffmann im „Kleinen Vampir“ über die Spielfläche, die meisten davon sind Kinder. Dafür muss man Ideen haben. Die Regisseurin verdoppelt jeden Blutsauger durch eine kleine Fledermaus. Außerdem tanzt der Chor der Untoten, Los Muertos, höchst lebendig im Angesicht der Särge. Dieses Personal gibt es in den Original-Büchern nicht. Patricia Hoffmann braucht es aber, damit die Handlung möglichst bunt und lebendig wird. Wie choreographiert man Massenszenen mit so jungen Darstellern? „Mit Kindern muss man viel proben. Wenn man selber mit Engagement und Spaß dabei ist, ziehen sie mit. Und sie mögen die Musik im ,Kleinen Vampir’, das hilft mir auch.“

Mirja Padberg teilt sich mit Leonora Finke (15) die Rolle des Rüdigers von Schlotterstein. „Die Handlung ist eher spannend als gruselig“, verrät die Zwölfjährige. Sie ist Profi in Herdringen, schon bei „Themba, König der Savanne“ hat sie eine tragende Rolle übernommen. Rüdiger hat viel Text, aber das Lernen macht keine Probleme. „Eigentlich musste man sich den Text nur ein paar Mal durchlesen, dann hatte man ihn drauf“, sagt Mirja. „Das Text lernen war einfach“, findet auch Nelli Blumenthal (8), welche die selbstbewusste Anna von Schlotterstein gibt. Nelli ist praktisch von Geburt an bei der Bühne aktiv. Aimo Alonso Martin hingegen ergänzt als Anton das Team ganz neu. Aufgeregt? Die Spielfreude macht das Lampenfieber wett: „Ich gehe auf die Bühne, und es macht mir viel Spaß“, betont der Zwölfjährige.

Keine Nachwuchssorgen

Mit 300 Aktiven, darunter 100 Kindern und Jugendlichen, gehört Herdringen zu den größeren Freilichtbühnen im Land. Immer wieder kommen junge Darsteller wie Aimo dazu. „Es gibt einige Freilichtbühnen, die haben Nachwuchssorgen, aber dazu gehören wir überhaupt nicht“, resümiert Spielleiter Detlev Brandt, der im Stück den seltsamen Friedhofswärter Geiermeier spielt. Allerdings verändern der offene Ganztag in der Schule und die zunehmende Verdichtung der Arbeits- und Freizeitwelt die Arbeit der Ehrenamtlichen. „Es ist nicht mehr einfach, den Spielbetrieb zu organisieren, weil die Angebote heute breit gestreut sind“, analysiert Brandt und ergänzt: „Außerdem kommen die Kinder teilweise erst um 16, 17 Uhr aus der Schule zu den Proben. Dann waren sie noch gar nicht zu Hause und müssen bei uns gleich durchstarten.“

Lehrgang zum Vampir-Schminken

25.000 Zuschauer haben in der vergangenen Saison eine Karte für Herdringen gekauft. Auf diese Zahl sind die Ehrenamtlichen angesichts der großen Freizeitkonkurrenz stolz. Der Erfolg spiegelt auch die zahlreichen Anstrengungen wider, auf der Bühne und in den 12 Gewerken hinter den Kulissen immer professioneller zu werden. Um die Vampirgesichter richtig schminken zu können, haben zum Beispiel die Herdringer Maskenbildnerinnen extra einen Lehrgang organisiert.

Dass die Bühne so gut funktioniert, liegt aber vor allem an der guten Stimmung. Detlev Brandt selbst ist seit 33 Jahren dabei. Anfangs hat er geholfen, die Kulissen aufzubauen, dann kleinere Rollen gespielt, heute ist er als Spielleiter dafür verantwortlich, dass die Vorstellungen reibungslos laufen. „Wir sind wie eine große Familie. Das ist das Schöne, was uns so auszeichnet.“

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