Integration

Fußball-Migranten-Turnier Oeventrop soll Integration fördern

Fußball lenkt Zuwanderer vom tristen Alltag ab

Das erste Fußball-Turnier für junge Flüchtlinge in Oeventrop sollte jugendliche Zuwanderer vom tristen Alltag anlenken.

Das erste Fußball-Turnier für junge Flüchtlinge in Oeventrop sollte jugendliche Zuwanderer vom tristen Alltag anlenken.

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Oeventrop.   „Schalla“ Theune hat ein ganz besonders Fußball-Turnier organisiert. Er will jungen Migranten so aus der Alltagstristesse helfen.

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Sechs Mannschaften, 15 Anstöße und dem Sieger winkt am Ende ein mächtiger Pokal - hört sich nach einem typischen Samstagnachmittag auf dem Kunstrasen an.

Doch diesmal ist etwas anders. Auf dem Platz stehen keine alteingesessene Fußballvereine, sondern Menschen, die erst seit gut zwei Jahren in Deutschland leben. Denn zum ersten Mal findet in Oeventrop ein Fußball-Migranten-Turnier statt.

Reza ist schon im TuS Oeventrop angekommen

Für Reza ist es nicht das erste Mal, dass er auf dem Sportplatz steht. Denn wie einige andere auch, spielt der 20-jährige Afghane bereits seit vielen Monaten in Oeventrop. Zuerst in der A-Jugend, dann für kurze Zeit in der Ersten und aktuell in der Zweiten. „Fußball ist mein Leben”, sagt er.

Neben dem sportlichen Aspekt ist es für Reza auch wichtig, sich im Ort zu integrieren. „Ich lerne durch den Fußball viele Menschen kennen und besser Deutsch zu sprechen.”

Jetzt geht aber zunächst die Schulbank vor

Vor kurzem hat er seinen B1-Integrationskurs abgeschlossen - er wartet noch auf sein Ergebnis. Abends besucht er das Sauerland-Kolleg, um sich auf seinen angestrebten Schulabschluss vorzubereiten.

„Deshalb spielt er jetzt in Oeventrops zweiter Mannschaft”, wirft sein Pate, Gerd Stodollick, ein. Abends, wenn Training sei, drücke Reza die Schulbank.

Den Alltag vergessen und den Nachmittag genießen

Doch all dies ist jetzt Nebensache - an diesem Samstag stehen der Spaß und die Gemeinschaft im Vordergrund. Denn genau das ist es, worauf das Fußball-Migranten-Turnier abzielt: Den Alltag einmal zu vergessen und gemeinsam einen schönen Nachmittag zu genießen.

Reza steht mittlerweile am Spielfeldrand und wärmt sich gemeinsam mit seiner Mannschaft „United Migranten“ auf. Denn schon in wenigen Minuten muss er auf dem Feld gegen „Eintracht Neubürger“ sein Können unter Beweis stellen.

Schon Futsal in der afghanischen Liga gespielt

Sollte kein Problem für ihn sein, spielte er doch bereits in Afghanistan Futsal in der 1. Liga. Das, was er in der Futsal-Vereinsmannschaft Ansari gelernt hat, zeigt er heute auch auf dem Fußballfeld.

Schnelligkeit, Ausdauer und Geschicklichkeit im Umgang mit dem Ball. Ebenso wie seine Teamkollegen, die fast keine Torchance auslassen. Sie meistern ihr Spiel, bevor sie „RW Westfalia Kabul“ und den „Laurenz Kickern“ Platz machen.

Die „Laurenz Kicker“ sind die jüngsten Teilnehmer

Die Laurenz Kicker haben es besonders schwer. Denn die Spieler sind viel jünger als die jungen Heranwachsenden und Männer, die für die anderen Mannschaften spielen.

Ein Kommunikationsfehler führte Ulrike Bohn samt ihren Integrationsschülern vom Gymnasium Laurentianum nach Oeventrop. Keinen Dunst, dass es sich um ein Turnier für Erwachsene handelt.

Doch Hermann-Josef „Schalla“ Theune wäre nicht Schalla, hätte er nicht auch hier eine Lösung parat.

„Schalla“ Theune überreicht die Pokale

Der 74-jährige Initiator und Sprecher des Turniers reduziert kurzerhand die Mannschaftsaufstellung der jeweiligen Gegner und so treten die Laurenz Kicker zu ihrem ersten Spiel „gegen die Großen” an.

Am Ende wird es nicht für den Siegerpokal reichen, aber die Sieger der Herzen sind die kleinen Nachwuchstalente auf jeden Fall. Nicht nur, dass es ihnen gelingt Tore zu erzielen - sie erweisen sich als echte Dribbelkünstler und erhaschen so auch oft den Ballbesitz.

Spiele mit Geschwindigkeit, Kraft und Ausdauer

Auch die Neuen Nachbarn Arnsberg, die mit ihrer Fußballteam angereist sind, und die „Borussia Flüchtlinge“ kämpfen auf dem Spielfeld - da bleibt der ein oder andere Pfiff durch die ehrenamtlichen Schiedsrichter nicht aus.

Die Spiele beim ersten Fußball-Migranten-Turnier zeichnen sich durch Geschwindigkeit, Kraft und Ausdauer aus - und leider auch durch kleine Verletzungen.

Kuchen und arabische Spezialitäten für die Zuschauer

Auch Reza kann zum letzten Spiel nicht mehr antreten - er hat sich am Knöchel verletzt. Und das, wo er doch am nächsten Tag wieder für die zweite Mannschaft des TuS Oeventrop auf dem Spielfeld stehen soll.

Zeit für eine Stärkung. Denn für einen kleinen Obolus können Zuschauer und Aktive Getränke, Kuchen und arabische Spezialitäten genossen werden. Später trumpft das Catering-Team auch noch mit frischen Pommes auf.

„Eigentlich gibt es ja keine Verlierer”

Letztendlich zählen aber die Punkte, die Schalla am späten Nachmittag bekannt gibt. „Eigentlich gibt es ja keine Verlierer”, eröffnet er die Siegerehrung.

Den Pokal für den sechsten Platz überreicht er den jungen Spielern der Laurenz Kicker. „Ich glaube, es ist schon ein Applaus wert, gegen die Großen zu bestehen.”

„RW Westfalia Kabul“ gewinnt das Turnier

Den fünften Platz haben sich die Eintracht Neubürger souverän gesichert, ebenso wie die Borussia Flüchtlinge den vierten. Reza und sein Team United Migranten erspielen sich den dritten Platz.

Fußball lenkt Zuwanderer vom tristen Alltag ab

Das erste Fußball-Turnier für junge Flüchtlinge in Oeventrop sollte jugendliche Zuwanderer vom tristen Alltag anlenken.
Fußball lenkt Zuwanderer vom tristen Alltag ab

Die Neuen Nachbarn Arnsberg holen den zweiten Platz und als Gewinner des Tages marschieren die Spieler der RW Westfalia Kabul vom Kunstrasen.

„Es hat sehr viel Spaß gemacht, trotz der Verletzung“

m Grunde geht niemand als Verlierer nach Hause - denn einerseits erhält jede Mannschaft einen Pokal, andererseits wurde das Turnier-Ziel erreicht: Ein gelungener Nachmittag im Zeichen des Sports und der Gemeinschaft geht zu Ende.

„Es hat sehr viel Spaß gemacht, trotz der Verletzung. Wenn es nicht so schlimm ist, werde ich morgen wieder spielen”, sagt Sportsmann Reza.

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