Pflege

Gehör bei der Politik ist erreicht

Pflege in Bewegung

Foto: Achim Benke

Pflege in Bewegung Foto: Achim Benke

Hüsten.   Zur ersten bundesweiten Jahreshauptversammlung des Vereins „Pflege in Bewegung – für die Menschenwürde“ kamen die Mitglieder nach Hüsten.

Zur ersten bundesweiten Jahreshauptversammlung des Vereins „Pflege in Bewegung – für die Menschenwürde“ kamen die Mitglieder am Wochenende im Hüstener Karolinen-Hospital zusammen. Der Neheimer Ulrich Mönke, selber Vorstandsmitglied (Beisitzer) im Verein, hatte die Veranstaltung in seine Heimat geholt.

In seiner Begrüßung nannte er Hüsten einen politisch geschichtsträchtigen Ort: „Nicht nur dass Franz Müntefering 1940 hier geboren ist, sondern 1946 wurde das erste Parteiprogramm der CDU hier formuliert. Das sollte ein gutes Omen sein.“ Als er vor drei Jahren zusammen mit der Bewegung „Pflege am Boden“ auf den Pflegenotstand in der Region aufmerksam gemacht hat, haben ihn viele für verrückt erklärt. „Aus dieser bundesweiten lockeren Bewegung wurde September 2016 der Verein gegründet“, erklärt Mönke stolz.

In der kurzen Zeit von „Pflege in Bewegung“ wurde schon viel erreicht. Die Politik ist aufmerksam geworden. Vor ein paar Wochen war Vorstandsmitglied Marcus Jogerst-Ratzka bei einem Sondierungsgespräch für die Verhandlungen der Jamaika-Koalition dabei. Mönke: „Auch in unserer Region kommen Politiker auf uns zu und wollen Informationen. Wir machen deutlich, dass nicht mehr adäquat gepflegt wird, dass das ganze Pflegesystem vorne und hinten nicht stimmt.“

Selbstanzeige erstattet

Die Gefährdungsanzeigen von Pflegepersonal würden dies zeigen: „Es

gibt ein Krankenhaus, das 4000 Überlastungsanzeigen hat. In Hamburg hat sich eine Klinik selber angezeigt. Sie können die Pflege nicht mehr sicherstellen“, betont Mönke. Man müsse von der materiellen Betriebswirtschaftlichkeit wegkommen. Städte, die kein Krankenhaus haben, müssen sich an den Finanzierungen beteiligen. Mönke beklagt weiter: „Im HSK gibt es zu wenig Kurzzeitpflege-Plätze. Wir können daher die Patienten nicht vorher entlassen. Es fehlt das Personal. Der Beruf muss attraktiver werden.“

12 Patienten auf eine Person

In den Niederlanden habe eine Pflegekraft bis zu sechs Patienten, in Deutschland habe sie das Doppelte und mehr. „Andere Länder schaffen es, warum wir in Deutschland nicht“, fragt sich der Abteilungsleiter des Beratungszentrums und Casemanagements. Mönke weiter: „Es ist alles nur noch gewinnorientiert und die Politik schiebt den Ball hin und her, vom Bund zum Land zur Kommune.“

Der Hüstener ist froh, dass die zehn Veranstaltungen von „Pflege am Boden“ etwas bewirkt haben. Man will jetzt als Verein kontinuierlich weiterarbeiten. Insbesondere Termine auf politischer Ebene wahrnehmen und organisieren, man müsse jetzt am Ball bleiben, da es gelungen sei, sich Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen. Am 12. Mai 2018, am „Tag der Pflege“, wird der Verein ein Buch veröffentlichen, das auf die Pflegemissstände hinweisen wird.

Informationsveranstaltung kommt

Des Weiteren wird im Frühjahr in Arnsberg eine Informationsveranstaltung des Vereins „Pflege in Bewegung“ veranstaltet. Die befasst sich mit der Gründung einer Pflegekammer in NRW: „Wir brauchen so eine Einrichtung wie in Rheinland-Pfalz“, fordert Mönke. Es könne nicht sein, dass ein Arzt als Prüfungsvorsitzender das Pflege-Examen abnimmt. „Er hat von Pflege keine Ahnung. Er ist Arzt und kein Pfleger.“ Mönke wünscht sich, dass man in dem schönen Beruf mehr Zeit bekomme, um aktiv Menschen helfen und pflegen zu können, mit vernünftigen Therapien. „Heute wird nur noch mit Medikamenten reagiert und nicht mehr agiert.“

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