Kurioser Fund

Gestohlener Arnsberger Ausweis taucht im Wasserkraftwerk auf

Der Weg des gestohlenen Personalausweises.

Der Weg des gestohlenen Personalausweises.

Foto: tdierkes

Arnsberg/Wickede.   Vor Jahren bei Handtaschendiebstahl vor Supermarkt in Arnsberg gestohlenes Dokument findet sich im Kraftwerk-Rechen in Wickede wieder.

Eine Routinearbeit für Matthias Jesse. Der ­Betriebsleiter des Wasserkraftwerks an der Ruhr, an der Stadtgrenze zwischen Wickede und Fröndenberg, untersucht den Rechen vor den Turbinen. Wo sich sonst Gehölz, Unrat oder verirrte Fische stauen, macht er einen besonderen Fund. Ein Personalausweis, dessen Spur nach Arnsberg, zu einem fast fünf Jahre zurückliegenden kleinkriminellen und dennoch für eine Seniorin damals belastenden Verbrechen zurückführt.

Im Herbst 2014 fährt Heike ­Klöer aus Arnsberg zum Einkaufen zu einem Discounter in der Nähe des Gutenbergplatzes. Sie macht ihren Einkaufswagen voll, verstaut alles mitsamt ihrer Handtasche in den Kofferraum. Als sie den Einkaufswagen zurückbringen will, kommt sie versehentlich noch einmal an ihren Autoschlüssel, so dass die Kofferraumverriegelung zurückgenommen wird.

Den kurzen Moment nutzt ein Dieb und klaut der Arnsbergerin ihre Handtasche. Ein junger Mann bemerkt das, nimmt sofort die Verfolgung eines auf dem Rad flüchtigen Mannes auf, verliert ­dessen Spur aber am Gutenbergplatz. Heike Klöer, damals 73 Jahre alt, hat das alles gar nicht mitbekommen. Sie steigt in ihr Auto und macht sich auf den Weg nach Hause. Unterwegs wird sie von dem jungen Zeugen gestoppt und auf den Diebstahl hingewiesen. „Ich wäre nach Hause gefahren und hätte es erst vor der Haustür bemerkt“, erinnert sich Heike Klöer.

Es fehlt „nur“ die Handtasche – mitsamt Geldbörse, Ausweisen, Führerschein, Haustürschlüssel. „Das war ärgerlich und hat mich ja auch eine Menge Geld gekostet“, so die Arnsbergerin. Von der Versicherung gibt es für sie damals kein Geld zurück. Der Dieb hat keinen großen Gewinn. „Da waren maximal 20 Euro im Portemonnaie“, so Heike Klöer.

Schlimmer ist der psychische Schaden. „Ich war damals völlig fertig und zitterte am ganzen Leib“, erinnert sich die Frau. Sie ist Opfer eines Verbrechens geworden – so etwas tut immer weh. Sie gibt eine Anzeige auf. „Die Polizisten haben gemerkt, wie es mir ging“, erzählt die heute fast 78-Jährige, „sie waren so rührend zu mir“.

Die Lederhandtasche aber ist weg. Heike Klöer guckt noch mal in den Hecken am Parkplatz, findet die Tasche jedoch nicht. Irgendwie aber landet sie in der Ruhr. Und das ist nicht unüblich. „Die Täter sehen es fast immer nur auf das Bargeld ab“, sagt Polizeisprecher Holger Glaremin von der Polizei des Hochsauerlandkreises, „der Rest wird weggeworfen und übrigens auch oft in der Nähe des Tatortes gefunden.“ Der Polizist rät, nie die Pin-Nummer der Bankkarte im Zusammenhang mit der EC-Karte in den Handtaschen mitzuführen. Dann könnten Diebe auch mit der Geldkarte nichts anfangen. Der Täter von damals ist übrigens bis heute nicht ermittelt. Der Ausweis – natürlich inzwischen längst durch einen neuen ersetzt – ist wieder da. Finder Matthias Jesse nimmt Kontakt zu der Frau aus Arnsberg auf und staunt selber über den rund 30 Kilometer langen Weg, den der Ausweis – möglicherweise ja in der Ruhr schwimmend – zurückgelegt hat.

Der Personalausweis wäre übrigens jetzt in den kommenden Tagen ohnehin abgelaufen. Heike Klöer freut sich dennoch, das gute alte Dokument, als Erinnerung an die turbulenten Tage damals, wieder in den Händen zu halten.

„Der Ausweis wird jetzt eingerahmt“, sagt sie, „der kommt im Haus an die Wand!“

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