Gesundheitsversorgung

Pflegenotstand: Schlechtes Image schreckt Bewerber ab

Viele Menschen möchten auch im Alter noch in ihren eigenen vier Wänden bleiben (Symbolbild).

Viele Menschen möchten auch im Alter noch in ihren eigenen vier Wänden bleiben (Symbolbild).

Foto: dpa / Jens Büttner

Olsberg/Bruchhausen.   Die Caritas in Brilon klagt über zu wenige Mitarbeiter in der Altenpflege. Zwei junge Frauen berichten, warum ihr Beruf besser als sein Ruf ist.

In ihrem Lieblingssessel hat die 87-Jährige Anna* aus Bruchhausen die Straße im Blick. Nach einer Verletzung und einer Operation am Rücken konnte die alte Dame nicht mehr einfach so in ihr Zuhause zurück – denn im Alltag braucht die Frau Hilfe. Sie ist froh, dass sie durch die ambulante Pflege der Caritas-Sozialstation in Olsberg in ihrem Haus bleiben kann.

So wie der 87-Jährigen geht es vielen älteren Menschen. Sie möchten so lange es geht, möglichst selbstständig und in den eigenen vier Wänden leben. Doch die Personalsituation in der Altenpflege im Hochsauerland ist angespannt – zu wenige wollen den Beruf machen.

Der frühe Vogel

Es ist halb fünf am frühen Morgen, wenn der Wecker von Anja Lingen­auber klingelt. Sie steht so früh auf, um pünktlich bei den Patienten zu sein. Die 27-Jährige macht eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeitet dafür auch in der ambulanten Altenpflege der Caritas.

Auch die alleinstehende Anna aus Bruchhausen kennt Anja – sie hat ihr heute Morgen bei der täglichen Körperhygiene geholfen. „Morgens werde ich von Kopf bis Fuß gewaschen – das ist gut für den Kreislauf“, sagt die rüstige Dame. Einmal in der Woche würden sie die Pflegerinnen baden. Sie sei sehr zufrieden. Alle Pflegerinnen seien sehr freundlich.

Der einzige Wunsch der alten Dame ist, dass vielleicht Ehrenamtliche sie zur Bank oder zu einen Spaziergang begleiten, denn mit ihrem Rollator kann die 87-Jährige ihr Haus wegen einer Treppe nicht alleine verlassen. Die Bruchhausenerin spart aber auch nicht an Kritik – allerdings richtet sie diese an die Politik: „Pflege muss höher angesehen werden.“ Was die Pflegerinnen leisten müssten, sei enorm und dies solle auch durch die Regierung honoriert und unterstützt werden.

Menschen helfen

Anja Lingenauber und ihre Mitauszubildende Johanna Marborn (19) finden es schön, dass sie in ihrem Beruf Menschen helfen können. Maria Lückmann-Müller, Leiterin der Sozialstation Olsberg, sagt: „Die meisten Menschen sind sehr dankbar. Wir bekommen meistens eine positive Rückmeldung.“ Sie erklärt, dass die Schülerinnen ihren Kolleginnen begleiten und ihnen bei der Pflege zuschauen, aber auch unter Aufsicht Patienten selbst pflegen. „Wir schauen bei der Pflege auch, was die Patienten noch selbst können“, sagt Lingenauber.

Es sei wichtig, dass sie diese Dinge noch selbst machen würden, um mobil zu bleiben. Die beiden Auszubildenden schildern, dass sie am Morgen auch schauen, ob es den Gepflegten gut gehe oder sie andere Hilfe brauchen.

Caritas gibt Angehörigen Halt

Bereits seit fünf Jahren unterstützt die Caritas den 77-jährigen Erwin bei der Pflege seiner 71-jährigen Frau Adelheid. „Die Pflege durch die Caritas ist wichtig, damit meine Frau so lange wie möglich zu Hause bleiben kann.“ Am Morgen waschen die Pflegerinnen Adelheid und „machen sie schön“. Alleine könnte ihr Mann die Pflege nicht stemmen, doch nicht nur die reine Pflegetätigkeit sei für ihn wichtig. „Es ist gut, dass ich Rückfragen stellen kann“, erklärt Erwin.

Wie lange die Pflegerinnen bei einem Patienten sind, hänge davon ab, wie viel Hilfe die Person benötige. Manchen Patienten würden nur Medikamente gebracht bekommen oder Strümpfe angezogen, sagt die Leiterin der Sozialstation Olsberg. Neben der Pflege biete die Caritas auch Hilfe im Haushalt und beim Einkauf an.

Seit Anfang Dezember bekommt Josef Hilfe bei der Pflege seiner Frau Elisabeth. „Es sei beruhigend zu wissen, dass jemand kommt“, erklärt der 79-Jährige. Wenn seine Frau nicht durch die Caritas gepflegt werden könnte, müsste eine andere Lösung her. Die Angehörigen könnten es nicht alleine stemmen.

Anja Lingenauber und Johanna Marborn arbeiten gerne in der Pflege. „Es ist abwechslungsreich“, sagen die beiden jungen Frauen. Es sei interessant, viele Menschen kennenzulernen, sagt Lingenauber. Der Vorteil in der ambulanten Pflege sei, die Menschen näher kennenzulernen. Wo die beiden Frauen nach ihrer Ausbildung arbeiten möchten, wissen sie nicht genau. „Mir macht die ambulante Altenpflege sehr viel Spaß“, sagt Marborn. Maria Lückmann-Müller sagt, dass der Beruf sehr vielschichtig sei und das Bild, was viele von diesem Beruf hätten, einfach falsch sei. „Ich versorge die Menschen so, wie ich versorgt werden möchte.“ Meistens würden sich die Menschen auf die Altenpflegerinnen freuen und es sei schön, ein Partner auf Augenhöhe zu sein. *Name durch die Redaktion geändert.

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