Gericht

Großes Interesse am Höveler Raser-Prozess

Prozessauftakt im Landgericht Arnsberg am Freitag, 17. Mai 2019, um den tödlichen Raserunfall in Sundern-Hövel. In der Bildmitte der Vorsitzende Richter Klaus-Peter Teipel.

Prozessauftakt im Landgericht Arnsberg am Freitag, 17. Mai 2019, um den tödlichen Raserunfall in Sundern-Hövel. In der Bildmitte der Vorsitzende Richter Klaus-Peter Teipel.

Foto: Julia Tillmann

Arnsberg/Sundern.   Wer saß da am Steuer? Das ist die Frage, die die Menschen in Arnsberg und Sundern schon seit Monaten bewegt. Am Freitag begann der Raser-Prozess.

Die Zuschauerränge in Saal 3 des Landgerichts sind gefüllt. Vor allem Verwandte, Freunde und Nachbarn der vier Opfer aus Langscheid, Neheim und Enkhausen sind gekommen. Sie interessiert brennend, wer auf der Anklagebank sitzt, wer den grauenvollen Unfall zwischen Hövel und Beckum am 1. August 2018 verursacht hat. Denn darüber hat man bisher sehr wenig erfahren.

Angeklagte kommen spät

Kurz vor Beginn um 11 Uhr betreten die angeklagten Autofahrer den Saal. Ab da folgt bis zum Eintritt von Richter Klaus-Peter Teipel ein Blitzlichtgewitter. Medien aus ganz NRW sind anwesend, wollen berichten,

weil in Arnsberg nun zum ersten Mal seit seiner Einführung der Paragraph 315 (d) zur Anwendung kommt. Spannung herrscht auf den Zuschauerplätzen. Als dann die Anklage verlesen wird und kurz darauf die Angeklagten zu ihren Personalien befragt werden, geht ein Raunen durch den Saal: „Doch ein Arzt“, hört man, als der 42-jährige Q 5-Fahrer aus Hemer an der Reihe ist: „Ich habe gedacht, der mit dem Anzug wäre der Arzt“, berichtet nach dem Prozesstag Walburga Reuther, eine Nachbarin der getöteten Pkw-Insassin aus Neheim vor dem Gericht. Sie sei entsetzt: „Und dann mit Alkohol am Steuer.“ Ähnliche Emotionen sind auch bei anderen Zuhörern zu spüren. Aber nur wenige möchten später darüber reden, zu sehr sind sie berührt.

Kopfschütteln im Saal

Mit Kopfschütteln wird auch die Aussage von Rechtsanwalt Volker Cramer begleitet, der erklärt, dass sein Mandant, der 58-jährige Porsche-Fahrer aus Soest, im Prozess nichts sagen wird. Gleichzeitig moniert Cramer eine gewisse Undeutlichkeit in der Anklageschrift: „Mein Mandant hat nie ein anderes Auto berührt. Keineswegs war er in eine Kollision verwickelt.“ Oberstaatsanwalt Klaus Neulken gibt ihm in dieser Frage recht.

Die Anspannung bei den Opfern und Nebenklägern wird bleiben: „Es war vor diesem Tag einfach nicht mehr auszuhalten“, erzählt eine Angehörige. Zumindest am kommenden Mittwoch ist die Anwesenheit erforderlich, denn Richter Klaus-Peter Teipel informierte zum Ende des Tages, dass er die vier dann als Zeugen vernehmen will. Anschließend reist das Gericht zur Unfallstelle: „Ich werde am Montag mit den Verkehrsbehörden sprechen, wie wir den Termin gestalten“, so Teipel. Es gehe um die Sicherheit bei der Inaugenscheinnahme, aber auch darum, den Verkehr auf der stark belasteten Bundesstraße nicht zu sehr zu behindern.

Botschaft an die Angeklagten

Noch eine wichtige Botschaft richtet Teipel an die Angeklagten: „Jederzeit sind von Ihnen noch Angaben möglich.“ Aber auch: „Wir wissen nicht, wie dieses Verfahren ausgeht. Wir sind neutral.“

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https://www.wp.de/staedte/sundern/der-unfall-in-hoevel-hat-das-leben-veraendert-id217117085.html

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