Familienalltag

Hellefelderin erklärt Eltern die „Babysprache“

Hoch die Hände: Mareike Dorda und Sohn Fiete üben das Zeichen für „Hase“ ein. Die 40-Jährige gibt Kurse in Baby- und Zeichensprache, um mit den Jüngsten besser kommunizieren zu können, bevor sie sprechen lernen.

Hoch die Hände: Mareike Dorda und Sohn Fiete üben das Zeichen für „Hase“ ein. Die 40-Jährige gibt Kurse in Baby- und Zeichensprache, um mit den Jüngsten besser kommunizieren zu können, bevor sie sprechen lernen.

Foto: Katrin Clemens

Hellefeld.   Kommunikation mit Babys: Mareike Dorda (40) ist dreifache Mutter und hilft anderen Eltern dabei, das Schreien ihres Nachwuchses zu verstehen.

Wenn der Nachwuchs schreit und noch nicht mit Worten ausdrücken kann, was ihm fehlt, dann erzeugt das bei Eltern oft Unsicherheit und Stress. Mit Tipps und Tricks zur „Babysprache“ unterstützt die Hellefelderin Mareike Dorda Mütter und Väter dabei, ihr Kind schon vor dem Spracherwerb besser zu verstehen.

Die Babysprache soll dabei helfen, Säuglinge besser zu verstehen. Wie funktioniert sie?

Mareike Dorda: Entscheidend sind die Laute, die ein Baby macht, bevor es schreit. Wenn es sich einmal in Rage geschrien hat, dann hört man kaum noch einen Unterschied. Aber vorher machen Babys fünf verschiedene Laute, das geschieht reflexartig und ist bei allen Säuglingen auf der Welt gleich. Anhand der fünf Laute kann man unterscheiden, ob ein Baby Hunger hat, ob es ein Bäuerchen machen muss oder müde ist zum Beispiel. Auch wenn man nicht jedes Mal den Laut heraushören kann, sondern nur in 50 Prozent der Fälle, ist Eltern schon sehr geholfen.

Sie haben selbst drei Kinder und die Babysprache erst vor der Geburt des dritten kennengelernt. Welchen Unterschied haben Sie gemerkt?

Einen großen Unterschied. Man hört wirklich eine Menge heraus und wenn man besser auf sein schreiendes Baby eingehen kann, dann entspannt das den Familienalltag enorm. Und es unterstützt die Bindung zum Kind.

In welchen Situationen zum Beispiel?

Ich habe bei den ersten beiden Kindern zum Beispiel nachts meist gestillt, wenn sie sich gemeldet haben – weil ich dachte sie haben Hunger. Wenn sie aber eigentlich nur deshalb Laute machen, weil sie ein Bäuerchen machen müssen, dann ist das Stillen in dem Moment natürlich kontraproduktiv und kann dazu führen, dass sie die ganze Milch wieder ausspucken oder später Bauchschmerzen bekommen, wenn die Luft weiter nach unten wandert.

Wann ist der beste Zeitpunkt, sich mit der Babysprache zu befassen?

Es wird empfohlen, den Kurs schon während der Schwangerschaft zu machen oder aber spätestens in den ersten zwölf Wochen nach der Geburt. Die Babys machen die reflexartigen Laute ungefähr vier Monate. Wenn man allerdings auf sie eingeht, können sie sie teilweise bis zum ersten Lebensjahr weiter machen. Das hilft auch Vätern, abgesehen vom Stillen können sie die Bedürfnisse des Babys schließlich auch erfüllen. Wenn Säuglinge ungewöhnlich viel und lange schreien, sollte man sich natürlich Hilfe holen und abklären lassen, ob das Schreien eine andere Ursache haben kann.

Im Anschluss an die Babysprache greift mit sechs bis neun Monaten die sogenannte Babyzeichen- oder Zwergensprache.

Genau. Sie überbrückt die Zeit, in der die Babys noch nicht sprechen können, aber schon ziemlich viel verstehen. Die Babyzeichen sind einfache Handzeichen, die an die Gebärdensprache angelehnt sind. Die Zeichen werden immer mit Sprache unterstützt, so wie man zum Beispiel automatisch den Finger an den Mund legt, wenn man „pssst“ sagt. In der Zwergensprache gibt es festgelegte Zeichen für Zähneputzen, Milch, Ball, verschiedene Tiere und so weiter. Mit unserer ältesten Tochter haben wir ungefähr 70 Zeichen genutzt und mit der zweiten über 100.

Können die Zeichen das Sprechen lernen verzögern, weil die Kinder sich auch so gut genug verstanden fühlen?

Nein, es unterstützt eher den Spracherwerb, weil man mehr, langsamer und deutlicher mit den Kindern spricht. Und für diejenigen, die sich mit dem Sprechen anfangs schwerer tun, ist es sehr hilfreich. Teilweise ist man erstaunt, welche Verbindungen die Kleinen schon herstellen können. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Situation im Supermarkt: Meine Tochter konnte noch nicht sprechen und nachdem ich eine andere Kundin gegrüßt hatte, machte sie das Zeichen für „Blume“ – weil sie wusste, dass sie die Frau aus dem Blumenladen kannte. Die Zeichen erleichtern die Kommunikation, was zum Beispiel auch für Tagesmütter und Erzieherinnen im U3-Bereich hilfreich ist. Wichtig ist es immer, dran zu bleiben und sie im Alltag konsequent zu zeigen. Einige Kinder brauchen etwas länger, bis sie sie nachahmen.

Hier finden Sie weitere Nachrichten, Bilder und Videos aus Arnsberg und aus Sundern.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben