Hessens Beute kehrt zurück

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Arnsberg. Ein wichtiges Symbol der Geschichte des Herzogtums Westfalen ist in dessen alte Hauptstadt zurückgekehrt: Im Sauerlandmuseum ist jetzt wieder der Landständepokal zu sehen, der seit 1808 im hessischen Landesmuseum in Darmstadt gestanden hatte.

Die Hessen hatten ihn damals während ihrer Herrschaft von 1803 bis 1816 im kurkölnischen Sauerland nach napoleonischer Zeit kurzerhand mitgenommen.

Als nach dem Wiener Kongress Westfalen wieder Preußen zugeordnet wurde, war der Pokal - Sinnbild westfälischer Eigenständigkeit - weg. Hessen rückte ihn nicht wieder heraus. Was im Sauerland seit über 200 Jahren bedauert wird. Alle Versuche, den Pokal in seine angestammte Heimat zurück zu holen, waren vergeblich.

Gestern also stellte Museumsleiter Dr. Jürgen Schulte-Hobein, sekundiert von Landrat Dr. Karl Schneider und Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel, den Landständepokal vor. Ein kunstvolles Gebilde, aus dem damals die Vertreter der adeligen Rittergutbesitzer und die Bürgermeister der Städte zum Auftakt der Landtage, die im Arnsberger Rathaus stattfanden, ein „Willkomm” tranken, bevor sie über Steuern und Abgaben verhandelten.

Der Pokal war den Landständen des Herzogtums Westfalen 1667 gestiftet worden. Obwohl der Kurfürst bestimmt hatte, dass er immer in Arnsberg aufzubewahren sei, wurde der Pokal nach dem Ende der kurkölnischen Zeit auf Veranlassung des neuen Landesherrn Großherzog Ludewig von Hessen-Darmstadt und Rhein (1753 - 1830) nach Darmstadt gebracht.

Dass der prachtvolle Landständepokal jetzt im Sauerlandmuseum steht, ist auch dem früheren Bundestagsvizepräsidenten Dieter-Julius Cronenberg zu verdanken. Der hatte einen Bericht im „Darmstädter Echo” gelesen, dass das dortige Landesmuseum umgebaut wird und für die Dauer der Arbeiten die temporäre Rückführung des Pokals vorgeschlagen.

Das ist dann auch nach Verhandlungen mit den Verantwortlichen gelungen. So wird der Landständepokal des früheren Herzogtums wohl drei oder vier Jahre da bleiben, wo er hingehört: in Arnsberg.

Ohne das böse Wort „Beutekunst” unangemessen zu strapazieren: Arnsbergs Bürgermeister Vogel regt an, mit der hessischen Landesregierung darüber zu sprechen, ob der Pokal nicht als „Dauerleihgabe” hier bleiben kann.

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