Ermittlungen

Hüsten: Gutachter nach Tod eines Sechsjährigen eingeschaltet

Ein Gutachter soll die Patientenakte des verstorbenen Jungen einsehen.

Ein Gutachter soll die Patientenakte des verstorbenen Jungen einsehen.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Freienohl/Hüsten.  Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach dem Tod eines Kindes weiter. Ein Experte soll die Unterlagen aus dem Karolinenhospital in Hüsten prüfen.

Die Staatsanwaltschaft Arnsberg setzt ihre Ermittlungen im Fall eines verstorbenen Jungen (6) aus Freienohl fort. Er war im Mai an einer Hirnblutung gestorben. Danach gab es Hinweise auf mögliche Behandlungsfehler im Karolinenhospital in Hüsten. Ob sie zutreffen, wird zunächst in einem Todesermittlungsverfahren geprüft.

Jetzt soll die Patientenakte des verstorbenen Kindes angefordert werden, so Staatsanwalt Klaus Neulken. „Wir werden schauen, ob alles richtig gelaufen ist“, erklärte er. Der Junge ist inzwischen obduziert worden. Nach Informationen dieser Zeitung steht auch danach weiterhin die Frage im Raum, ob er bei einer frühzeitigen Operation überlebt hätte.

Hinweise aus der Klinik in Dortmund

Der Sechsjährige war nach einem Sturz auf den Kopf in Hüsten aufgenommen und später am selben Tag mit einem Rettungswagen nach Dortmund verlegt worden. Dort war er notoperiert worden, aber wenige Tage später verstorben. Es gehe um die Frage, ob die Ärzte in Hüsten sich korrekterweise für eine Verlegung nach Dortmund entschieden hätten oder ob sie vor Ort medizinische Maßnahmen hätten einleiten müssen, die den Tod des kleinen Jungen möglicherweise verhindert hätten, hatte Staatsanwalt Neulken zu Beginn der Ermittlungen erklärt.

Dieser Schritt ist zunächst einmal nicht selten: Fast immer, wenn die Todesursache als ungeklärt angegeben wird, prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft die Umstände. Schon bei der Befragung des Personals in Dortmund hatten sich aber Hinweise auf mögliche Behandlungsfehler in Hüsten ergeben - zum Teil sind sie nach Informationen dieser Zeitung konkret: So war hinterfragt worden, warum in Hüsten nicht ein Anästhesist für Erwachsene für eine sofortige Operation eingesetzt wurde, wenn laut Unterlagen gerade kein Narkosearzt für Kinder verfügbar war. Staatsanwalt Neulken wollte sich dazu nicht äußern, welche Aussagen in dem Verfahren vorliegen.

Strafrechtlicher Vorwurf liegt aktuell nicht vor

Ob aus dem Todesermittlungsverfahren ein Ermittlungsverfahren mit strafrechtlichem Vorwurf wird, ist nicht absehbar: Dafür müsste mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden, dass einer oder mehrere konkrete Fehler für den Tod eines Patienten verantwortlich waren. In der juristischen Praxis gibt es solche Fälle - sie sind allerdings selten.

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