Gericht

Hüsten: Prozess nach Drogenhandel in Asylunterkunft

Marihuana, Kokain, Bargeld, Kundenlisten und einen Schlagstock stellen die Polizeibeamten im Zimmer des Angeklagten sicher. Er und seine Besucher konsumieren auch selbst.

Marihuana, Kokain, Bargeld, Kundenlisten und einen Schlagstock stellen die Polizeibeamten im Zimmer des Angeklagten sicher. Er und seine Besucher konsumieren auch selbst.

Foto: Fabian Strauch

Hüsten.  In seinem Zimmer in der Hüstener Asylunterkunft handelt ein 32-Jähriger mit Drogen. Vor Gericht fehlen wichtige Zeugen.

Wegen nachbarschaftlicher Beschwerden über Lärm und Verstöße gegen die Corona - Schutzverordnung suchte Anfang April die Polizei die Unterkunft für Asylbewerber in Hüsten auf. In dem Zimmer, aus dem der Lärm drang, fanden die Beamten drei Männer vor, die offensichtlich Drogen konsumierten. An verschiedenen Stellen entdeckten die Beamten Behältnisse, in denen sich Betäubungsmittel und dazugehörige Utensilien plus 1025 Euro Bargeld aus Drogengeschäften und eine Waffe, ein Teleskopschlagstock, befanden.

Trotz geöffneter Fenster war eine Duftwolke von Marihuana deutlich wahrzunehmen. „Uns schlug eine Wolke von Marihuana-Geruch entgegen“, so einer der Polizeibeamten als Zeuge.

Dementsprechend lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichtes: bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Der Angeklagte befindet sich seit ungefähr sechs Monaten in Untersuchungshaft.

Der 32-jährige Untersuchungshäftling aus Syrien soll in seinem Zimmer 11 Gramm Kokain und fast 700 Gramm Marihuana zum gewinnbringenden Verkauf aufbewahrt haben. In einem Regal befand sich ein ausziehbarer Schlagstock, den der 32-Jährige in unmittelbarer und griffbereiter Nähe der zum Verkauf bestimmten Drogen verwahrte. Zudem stellte die Polizei sechs Mobiltelefone, zwei Feinwaagen und diverse Druckverschlusstüten sowie eine Kundenliste sicher.

Zu seiner Person gab der Angeklagte an, 2015 über den Libanon und die Türkei nach Deutschland gekommen zu sein. Schon in seinem Heimatland habe er begonnen, Drogen zu konsumieren. Seit 2015 habe er Alkoholprobleme und nehme verschieden Drogen. Er habe 7000 Euro Schulden.

Unbekannter wird gesucht

Zur Sache gab der Angeklagte an, man habe an einem Samstag in seinem Zimmer gefeiert. Am nächsten Sonntag will er zwei Taschen, in denen sich Drogen, die Waagen und das Geld befunden hätten, vorgefunden haben. Diese Dinge waren angeblich nicht in seinem Besitz. Trotzdem hatte er von den 1025 Euro 800 Euro aus einer der Taschen an sich genommen.

Der größte Teil der Betäubungsmittel sei von den beiden Personen gewesen, die mit ihm in seinem Zimmer gefeiert hatten. Für sie habe er die Drogen und Utensilien deponiert und dafür etwas Marihuana bekommen. Diese beiden „Gäste“ waren am ersten Prozesstag als Zeugen geladen, hatten es aber vorgezogen, nicht vor Gericht zu erscheinen. Wegen des unentschuldigten Fehlens beantragte die Staatsanwältin ein Ordnungsgeld von je 150 Euro.

Die Schwierigkeit für die Ermittlungsbehörden besteht darin, die Betäubungsmittel den drei Männern, ein Vierter soll außerdem als Mittäter infrage kommen, zuzuordnen. Dass ein Teil der Drogen dem Angeklagten gehörten, ist unbestritten, doch ob dieser Rest als Anklage für den strafverschärfenden Tatbestand der nicht geringen Menge ausreicht, ist fraglich. Auch um diese Frage zu klären, wurden am zweiten Prozesstag mehrere Zeugen gehört.

Die beiden als Zeugen geladenen Männer, die in der Unterkunft zu gast gewesen waren, fehlten erneut unentschuldigt. Sie hätten womöglich wichtige Fragen, eventuell auch die, bei wem es sich um den vierten, zeitweise damals am Tatort befindlichen Mann gehandelt hat, beantworten können. Die Bemühungen des Gerichtes, ihn über eines der sichergestellten sechs Handys ausfindig zu machen, scheiterten.

Die Angaben des Angeklagten zu diesem für das Gericht noch Unbekannten, sind spärlich. Offensichtlich hat er vor diesem Mann Angst. Gericht und Staatsanwaltschaft sind bemüht, ihn ausfindig zu machen. Der Prozess wird am 4. November fortgesetzt.

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