Verbrechen

„Ihre Söhne stehen unter Tatverdacht“

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.  Ein mit der Ermordeten verwandtes junges Bruderpaar wird von der Polizei ins Visier genommen.

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Auch die Familie der Ermordeten gerät ins Visier der Ermittler. Konkret ein junges Bruderpaar.„Ich möchte aber heute nicht mehr darüber sprechen. Das würde mich zu sehr aufwühlen.“ Sagt - nach einiger Bedenkzeit - ein damals 17-jähriger Neffe des Opfers auf Anfrage unserer Zeitung. Zeichen dafür, wie er als junger Gymnasiast unter dem haltlosen Verdacht gelitten hat, ein Mörder zu sein.

Auch dessen Schwester kann zu den für die Familie absolut traumatischen Ereignissen nichts sagen. „Ich war damals ein kleines Kind und habe kaum etwas von dem, was vorging, verstanden.“ Anders dagegen der zweite, inzwischen verstorbene Bruder, der sich vor einigen Jahren bereits zu dieser schrecklichen Zeit gegenüber unserer Zeitung noch im Detail erklärte:

„Es war am 3. Februar 1967. Meine Mutter machte Mittagsschlaf, mein Bruder (17) lernte für eine tags darauf bevorstehende Lateinarbeit. Gegen 15.15 Uhr klingelte das Telefon. Mein Bruder ging an den Apparat, am anderen Ende der Leitung eine Bewohnerin aus dem Haus Klosterstraße, die aufgeregt rief: ,Tante ... ist gestürzt, hol Pastor Phillips’. Mein Bruder fuhr mit seinem Moped zur Klosterstraße, ließ den Motor laufen und stürmte ins Haus.“

Dieser habe dort die Tante blutüberströmt aufgefunden, sei sofort erschrocken die Treppen hinuntergerannt und habe Pastor Phillips verständigt. „Dr. Appelhans stellte dann in seiner Todesbescheinigung ,unnatürlichen Tod’ fest.“ Und plötzlich kam es für die Familie knüppeldick: „Gegen 20 Uhr rückte die Mordkommission bei uns zu Hause an. Da meine Tante nur auf vereinbartes dreimaliges Klingeln die Tür öffnete, konnte nach Ansicht der Ermittler nur eine nahestehende Person der Täter sein.“

Beide Brüder hatten Mopeds, die von den Beamten akribisch untersucht wurden. „Ein im Haus wohnender Polizist war als Zeuge anwesend und identifizierte das Krad meines Bruders als das Fahrzeug vom Tatort.“ Der Leiter der Mordkommission habe da zum Vater gesagt: „Ihre Söhne stehen unter Tatverdacht, insbesondere ihr Sohn ....“

Spießrutenlaufen für die Familie

Ein Schlag für die Eltern: „Meine Mutter weinte, mein Vater war erschüttert und sehr aufgebracht.“ Doch die Beamten hätten seinen Bruder mitgenommen. „Er wurde fast acht Stunden verhört und anschließend gegen Auflagen freigelassen. Ich selbst hatte ein Alibi und war aus der Sache raus.“

Für die Familie habe nun ein Spießrutenlaufen begonnen. Dann die Wende: „Nach fünf Tagen erinnerte sich der Zeuge, dass er das Moped doch erst um 16 Uhr vor dem Haus in der Klosterstraße gesehen hat.“ Zu diesem Zeitpunkt sei ihre Tante nach dem Untersuchungsergebnis schon fast eine Stunde tot gewesen.

„Wenn ich auf diese für uns schlimmen Tage zurückblicke, glaube ich, dass die spätere Berufswahl von mir und meinem Bruder eng mit diesen Ereignissen verbunden ist. Denn unter Mordverdacht zu stehen, das ist ein schreckliches Erlebnis“.

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