Ökologie

Im Umwelteinsatz: Ex-Klinikum-Chef mauert Öko-Öfen in Kenia

Arnsberg/Nakuru.   Rentner Volker Koch aus Bruchhausen erlebt als Senior-Freiwilliger in Kenia einfache Möglichkeiten, ökologische Ziele zu erreichen

Der ehemalige Geschäftsführer des Klinikums Hochsauerland, Volker Koch, erfüllte sich nach Eintritt in den beruflichen Ruhestand einen Jugendtraum: Der 64-jährige Bruchhausener arbeitete in einem freiwilligen, ehrenamtlichen Einsatz vom 10. Februar bis 10. März 2019 im kenianischen Naturreservat „Soysambu Conservancy“. Über seine Motivation für diese Reise, seine Erlebnisse dort und seine Schlussfolgerungen daraus sprach er jetzt mit unserer Zeitung.


Warum wollten Sie in einem Naturreservat in Afrika arbeiten?
Volker Koch: Es kamen mehrere Dinge zusammen. Generell habe ich sehr viel Freude an Natur und Tieren. Daheim in Bruchhausen haben wir eine große Weide, auf der in der warmen Jahreszeit schon Rinder oder Schafe ihre Nahrung fanden. Für Tierfreunde ist dann Afrika sowieso ein begehrtes Reiseziel. Meine Frau und ich besuchten in früheren Jahren als Touristen Südafrika, Namibia, Botswana und auch Kenia, wo wir auch private Kontakte zu einer Familie knüpften.


Wie hat sich daraus der Wille zum freiwilligen Arbeitseinsatz herausgebildet?
Ich war in jungen Jahren etwa 15 Jahre lang THW-Helfer. Gern hätte ich mich damals an einem Katastrophenhilfe-Einsatz im Ausland beteiligt, doch beruflich war mir dies leider nicht möglich gewesen. Als Senior Volunteer in Kenia konnte ich nun die Hilfe für Natur und Menschen ideal verbinden.


Wie konnten Sie dieses Ziel bei Ihrer Freiwilligenarbeit umsetzen?
Im Naturreservat Soysambu sind Tierarten wie zum Beispiel die Rothschild-Giraffe vom Aussterben bedroht, weil ihnen schlicht der Hungertod droht. Dies wiederum liegt daran, dass Dorfbewohner im Reservat Akazienbäume fällen, um Feuerholz für ihre Kochstelle oder zum Hausbau zu erhalten. Die Blätter der Schirmakazien bilden aber eine wesentliche Nahrungsgrundlage der Giraffen. Es entsteht also eine verhängnisvolle Kette, an deren Ende den Rothschild-Giraffen und auch den ebenfalls vom Aussterben bedrohten Kolobus-Affen die Lebensgrundlage entzogen wird.


Was kann man dagegen tun?
„Eco Stoves“ (Öko-Kochfeuerstellen) sind ein wirksames Mittel, um dem verhängnisvollen Trend zu begegnen. Für diese Kochstellen wird aufgrund einer besonderen Bautechnik 40 bis 50 Prozent weniger Brennmaterial benötigt. Dies kann dann den Baumbestand erheblich schonen. Auch können in diesen Eco Stoves Maiskolben-Strunks, die ansonsten im Müll landen, verfeuert werden. In herkömmlichen Feuerstellen können Maiskolbenreste nicht verwendet werden.


Inwiefern hatten Sie als Senior-Volunteer mit Eco Stoves zu tun?
Im Reservat Soysambu wurden im Dorf Jogo inzwischen über 200 Eco Stoves von Volunteers gebaut. Auch ich habe einige gebaut. Die Technik ist dabei einfach: Es gibt einen Ton-Aufsatz für den Kochtopf, der ringförmig - mit einem Lüftungsschlitz -umbaut wird. Das Ganze ruht auf einem Fundament von Steinen, die in der Umgebung aufgesammelt und mit einem Hammer in Form gebracht werden können .


Wie stark sind diese Eco Stoves in Kenia mittlerweile verbreitet?
Das Eco-Stove-Projekt wird auch von anderen NGOs (Nicht Regierungsorganisationen) sehr erfolgreich vorangetrieben. Im Norden Kenias, im Kakamenga-Forrest, konnten in den vergangenen sechs Jahren 38.000 Eco Stoves gebaut werden. In den nächsten Jahren sollen es 148.000 sein. Durch Eco Stoves wird die Umwelt von Treibhausgasen entlastet, weil der Kohlendioxid-Ausstoß reduziert wird. Auch die Frauen, die ansonsten viel mehr Feuerholz schleppen müssten, werden entlastet. Eco Stoves sind ein hervorragendes Mittel, Mensch, Tier und Umwelt in Einklang zu bringen.


Was haben Sie darüber hinaus im Naturreservat gemacht?
Zusammen mit anderen Volunteers habe ich Wildhüter bei Tierbeobachtungen begleitet, Fotos gemacht und Zählungen vorgenommen. Diese Daten fließen dann in das wissenschaftliche Monitoring für das Naturreservat ein. Bekämpfung der Wilderei gehörte auch zu den Aufgaben der Volunteers. Das Entfernen von Drahtschlingen gehört genauso zum Alltag wie die Instandhaltung von Einzäunungen.

>> Volker Koch startet Spendenaktion

Im 210 Quadratkilometer großen Naturreservat „Soysambu Conservancy“ im Nordwesten Kenias gibt es über 450 Vogelarten, davon 28 % der gesamten Weltpopulation von Lesser-Flamingos. Hier leben 10.000 Säugetiere in 50 Arten, darunter Rothschild-Giraffen und Kolobus-Affen, die beide vom Aussterben bedroht sind.

Über die englische Nicht-Regierungs-Organisation „Projectsabroad“, die auch in anderen Ländern um Freiwillige wirbt, gelangte Volker Koch - nach einem Gesundheits-Check - an seine Senior-Volunteer-Aufgabe. Der Effekt von Öko-Feuerstellen („Eco Stoves“) mit Materialkosten pro Stück von nur 20 Euro hat Koch so begeistert, dass er für weitere Eco Stoves in Afrika Spenden sammeln will. Koch ist über E-Mail vol.koch@gmx.de erreichbar. Er könnte sich auch gut vorstellen, in Schulen über seine Freiwilligenarbeit zu sprechen.

>> Zur Person

Der 64-jährige Volker Koch stammt aus Wennemen. Nach der Heirat mit einer Bruchhause-nerin wurde er im Entendorf heimisch und wohnt dort. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Der gelernte Diplom-Kaufmann war nach einer Tätigkeit in einer Unternehmensberatung zunächst Verwaltungsdirektor des Ev. Krankenhauses Castrop-Rauxel, von wo er 1993 als Direktor zum Karolinen-Hospital Hüsten wechselte. 2011 bis 2018 war er Geschäftsführer des Klinikums Arnsberg bzw. Hochsauerland.

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