Grundsicherung im Alter

Immer mehr Rentner in Arnsberg/Sundern müssen „aufstocken

Altersarmut nimmt zu - auch in Arnsberg und Sundern

Altersarmut nimmt zu - auch in Arnsberg und Sundern

Foto: WAZWPNGG-Region Südwestfalen/Mura

Arnsberg.  Zahl der Senioren, die in Arnsberg und Sundern Grundsicherungsleistungen im Alter beziehen, nimmt von 2014 bis heute um 17 Prozent zu.

Die Zahl von Senioren in Arnsberg und Sundern, die Grundsicherung im Alter als ergänzende soziale Leistung in Anspruch nehmen müssen, nimmt kontinuierlich zu. Aktuell sind in beiden Städten 826 Menschen betroffen. Seit dem Jahr 2014 stieg die Zahl um 17,32 Prozent an. Vom Anstieg deutlich mehr betroffen ist die Stadt Arnsberg: Hier waren es im Jahr 2014 noch 558 Rentner mit Grundsicherungsbedarf, während nun 684 Personen bedürftig sind, was einem Zuwachs von 22,58 Prozent entspricht.

Die angekündigte Grundrente gibt es noch nicht. Die Grundsicherung erhalten dafür aktuell Rentner dann, wenn ihre Rente so niedrig ist, dass sie mit zusätzlichen Mitteln aufgestockt werden muss. Wer in Altersrente geht, muss sich nach Berechnungen von Verbraucherberatern in den alten Bundesländern im Schnitt mit einem Ruhegeld von 874 Euro (Ostdeutschland: 1.019 Euro) begnügen. Bei Erwerbsminderungsrentnern seien es sogar nur etwa 760 Euro. Wer dann keine weiteren Einkünfte habe, sollte in jedem Fall prüfen, ob nicht zusätzlich noch Anspruch auf eine Aufstockung durch die Grundsicherung besteht. Das hängt auch davon ab, ob es anrechenbares Vermögen gibt.

Hilfe zum Lebensunterhalt

Bei der Hilfe zum Lebensunterhalt wird von 424 Euro bei Alleinstehenden und 764 Euro für (Ehe-)Paare ausgegangen. Angemessenen Kosten für die Wohnung werden zusätzlich angerechnet. Liegt die Warmmiete eines Rentnerpaares beispielsweise bei 400 Euro (das kann von Stadt zu Stadt variieren), wird von einem Bedarf von 1164 Euro für das Paar ausgegangen. Erreicht die gesetzliche Rente des Paares nicht diese Höhe, so haben die Betroffenen Anspruch auf aufstockende Grundsicherungsleistungen des Sozialamts bis zur Höhe des errechneten Bedarfsbetrages. Im kommenden Jahr erhöhen sich die Grundbeträge leicht: Alleinstehenden stehen dann 432 Euro und Paaren 778 Euro zu.

„Die Allermeisten sind Aufstocker. Nahezu jeder hat ja etwas Rente“, sagt Markus Dohle vom Fachbereich Soziales im Hochsauerlandkreis. Durchschnittlich erhält jeder bedürftige Arnsberger Rentner knapp 320 Euro Aufstockung, jeder bedürftige Sunderner Rentner 301 Euro Aufstockung. Kosten für die Sozialleistungsträger: Rund 215.000 Euro monatlich in Arnsberg und 44.000 Euro monatlich in Sundern.

Sorge bei Sozialverbänden

Sozialverbände und auch politische Kreise mahnen eine zunehmende Altersarmut an. Das verspüren bereits auch die Tafeln. „Auf Dauer werden alle Tafeln erleben, dass der Anteil der Menschen, die mit Altersarmut konfrontiert sind, deutlich größer wird“, sagt Peter Hoscheidt, Vorsitzender der Arnsberger Tafel. Schon jetzt sei festzustellen, dass es in Arnsberg und Sundern über alle Nationalitäten hinweg ein Anteil von Kunden gibt, die altersmäßig jenseits der 60 Jahre sind. Peter Hoscheidt erlebt hier aber auch Scheu vor dem Bekenntnis zur Bedürftigkeit. Während ausländische Senioren selbstverständlich auch zu den Spitzenzeiten zu den Ausgabestellen kommen, würden viele gleichaltrige Deutsche lieber die Randöffnungszeiten nutzen. „Das mag mit einer gewissen Scheu verbunden sein, gesehen oder erkannt zu werden“, so Hoscheidt.

Caritas weist auf das Thema hin

Oft würden ältere deutsche Senioren auch Vollmachten ausstellen und sich die benötigten Waren von „Dritten“ abholen lassen. „Mein persönlicher Eindruck ist, dass es eine relativ große Dunkelziffer gibt von Menschen, die sich nicht trauen und nicht bereit sind, zum Sozialamt oder auch zur Tafel zu gehen“, stellt Peter Hoscheidt fest.

Auch für die Caritas Arnsberg/Sundern ist Alters-Armut ein Thema. „Wir weisen darauf auch schon länger hin in unseren Gesprächen mit den politisch Verantwortlichen und der öffentlichen Verwaltung“, sagt Geschäftsführer Christian Stockmann.

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