Schlechte Noten

In der Stadt Arnsberg wird kräftig abgeschult

Matthias Mörstedt, Leiter der Neheimer Grimmeschule, vor dem Neheimer Hauptschulgebäude

Foto: Martin Schwarz

Matthias Mörstedt, Leiter der Neheimer Grimmeschule, vor dem Neheimer Hauptschulgebäude Foto: Martin Schwarz

Arnsberg.   Neheimer Hauptschule registriert Zunahme von Achtklässlern aus der Realschule Hüsten. Auch andere Zuweisungen an Grimmeschule

Einen drastischen Anstieg von Schülern, die von der Klasse 8 der Realschule Hüsten in die Neheimer Grimme-Hauptschule abgeschult wurden, erlebte der Leiter der Grimmeschule, Matthias Mörstedt. „Wir hatten Anfang 2017 mit insgesamt 15 Schülern kalkuliert, die aus verschiedenen Klassen der Realschule Hüsten, aber auch von anderen Schulen abgeschult werden, doch im Endeffekt waren es zu Beginn des neuen Schuljahres 2017/18 doppelt so viel: rund 30 Schüler! Von diesen rund 30 Schülern kam ein Großteil von der Realschule Hüsten“, berichtet Matthias Mörstedt.

Drastischer Anstieg abgeschulter Kinder

Der Grimmeschulleiter macht für diesen drastischen Anstieg der abgeschulten Kinder und Jugendlichen insbesondere die Eltern verantwortlich, die beim Wechsel ihres Kindes von der Grundschule zu einer weiterführenden Schule nicht ausreichend beachteten, welche weiterführende Schule die Grundschule für das Kind empfahl.

Manche Eltern missachten Grundschulempfehlung

„Bei den abgeschulten Kindern und Jugendlichen, die wir von der Realschule Hüsten bekommen, handelt es sich häufig um Kinder und Jugendliche, die eine Hauptschulempfehlung mit eingeschränkter Eignung für Realschule bekamen“, sagt Möhrstedt. Der Grimmeschulleiter macht dabei der Realschule Hüsten keine Vorwürfe, denn er weiß, dass auch dort die Lehrer an die Grenzen ihrer Beratungsgespräche stoßen. „Wenn Eltern trotz der nur eingeschränkten Eignung ihres Kindes für die Realschule auf den Realschulbesuch bestehen, kann die Realschule dies nicht verhindern“, sagt Mörstedt.

Mörstedt: „Mit Kindern macht man keine Experimente!“

Wenn Mörstedt dann mit Eltern spricht, deren Kinder an die Grimmeschule abgeschult wurden, hört er oft den Spruch der Eltern: „Wir wollten es doch zumindest mal an der Realschule probieren.“ Doch hier rauft sich Mörstedt die Haare und entgegnet: „Mit Kindern macht man keine Experimente!“

Warum ist aber nun ausgerechnet die Anzahl abgeschulter Jugendlicher aus der Realschulklasse 8 recht groß? Dr. Ulrich Kleine, Leiter der Realschule Hüsten, erklärte dazu auf Anfrage unserer Zeitung: „Nach Ende der Klasse 8 gibt es die letzte Möglichkeit für die Schüler die Schulform zu wechseln.“

Kleine: „Wir können die Schüler nicht zwingen“

Zum einen müssen Schüler, die zum zweiten Mal in einer Jahrgangsklasse die Versetzung nicht schaffen, abgeschult werden. Zum anderen können Schüler, die einmal in Klasse 8 sitzengeblieben sind oder keine gute Zukunftsprognose hinsichtlich deutlich besserer Schulnoten haben, die Schule freiwillig wechseln. Dr. Kleine bedauert, dass in solchen Fällen betroffene Schüler und Eltern in früheren Jahren nicht einsichtiger waren. So hätten Schüler schon früher, zum Beispiel nach einer nur mit Mühe und Not geschafften Erprobungsstufe, die Schule wechseln können. „Doch die Schüler bzw. Eltern können wir nicht zwingen“, so Kleine.

Zusammenhang mit neuem Sekundarschulsystem

Nachdem in Neheim die Binnerfeld- und in Hüsten die Petri-Hauptschule geschlossen worden ist, kann die Realschule Hüsten nur noch an die Grimme-Hauptschule in Neheim abschulen. Die Sekundarschulen stehen als eigene Schulform außen vor. Dorthin darf die Realschule nicht abschulen.

Auf der Grimmeschule lastet also der komplette Abschuldruck, seitdem im Herbst 2013 das Sekundarschulsystem in der Stadt Arnsberg eingeführt wurde. In Arnsberg wird kräftig abgeschult: „Unsere heutige 9. Klasse war als 5. Klasse einzügig gestartet, heute ist sie vierzügig“, berichtet Grimmeschulleiter Matthias Mörstedt.

Ziel: Mit besserer Beratung Abschulung verhindern

Das Problem „Abschulung“ ist in der Stadt Arnsberg bekannt. Zurzeit arbeitet die Stadt an einem Konzept, bei dem sich die weiterführenden Schulen (Haupt-, Real-, Sekundarschule sowie Gymnasium) bei zwei zen-tralen Veranstaltungen im November 2018 - einmal im Raum Neheim/Hüsten/, einmal im Raum Alt-Arnsberg/Oeventrop - an einem Abend gegenüber Schülern und Eltern vorstellen.

Grimmeschulleiter Matthias Mörstedt kann wie die Leiter anderer Schulen an Eltern und Schüler nur appellieren, stärker auf das Grundschulgutachten für die in Frage kommende weiterführende Schule zu achten. „Eine spätere Abschulung untergräbt das Selbstwertgefühl Ihres Kindes“, warnt Matthias Mörstedt Eltern vor übertriebenem Ehrgeiz hinsichtlich der künftigen Schullaufbahn des Kindes.

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