Lichtspiele Arnsberg

Junge KünstlerInnen stellen Fragen nach unserer Zukunft

Anina Brisolla

Anina Brisolla

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.   Drei Geschäftsleerstände, drei Ausstellungsorte. Künstler näheren sich mit Videoinstallationen einem spannenden Thema.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der rote Faden ist: Wie können persönliche Erinnerungen und Geschichte - wenn überhaupt - objektiv dargestellt werden? Welche Lehren können wir ziehen, um Fehlverhalten in der Zukunft auszuschließen? Und das alles transformiert in und ausgedrückt durch die Kunst.

Dies ist die Intention der „Lichtspiele Arnsberg 2018“ im Rahmen des landesweiten Projektes „Stadtbesetzung“. Die Arnsberger Lichtspiele starten am heutigen Mittwoch.

Hinterfragen, wie wir mit unserer Zukunft umgehen

Drei auch international bekannte KünstlerInnen - Anina Brisolla (Berlin), Esper Postma (Amsterdam/Berlin) und Anna Steinert (Berlin) - zeigen in drei leerstehenden Geschäftslokalen auf Steinweg und Jägerstraße Videoinstallationen, die sich mit dieser Thematik befassen. Und das auf sehr ungewöhnliche, teils auf subtil eindringliche Weise.

„Es geht darum,“ sagt Anina Brisolla, „zu hinterfragen, wie wir mit unserer Landschaft, unseren Ressourcen und damit unserer Zukunft umgehen.“ Auch den Ressourcen des Weltalls. Stichwort hier: Space mining, dem Asteroidenbergbau. Hört sich verrückt an, ist es aber nicht.

Farbintensive Installation „space mining“

Denn: 1967 wurde der Weltraumvertrag ratifiziert, der bekräftig, dass der Weltraum allen Staaten und damit allen Menschen gehört. Doch 2015 unterzeichnete der damalige US-Präsident Obama ein Gesetz, das privaten US-Firmen den Asteroidenbergbau erlaubt. 2017 zog hier sogar der Zwergstaat Luxemburg nach. So wird das Fell des Bären schon verteilt, noch ehe es in Reichweite ist.

Doch wem gehört das Weltall? Was hinterlässt der Mensch nach der Ausbeutung? Wüsten, wie auf der Erde? Diesen Fragen geht Anina Brisolla in ihrer farbintensiven Installation „space mining“ nach.

Persönliche Erinnerung und objektive Darstellung

Dafür nutzt die Künstlerin den legendären „Goldrausch“ in den USA als Transmissionsriemen, der eine dezimierte indigene Bevölkerung hinterließ - und eine in Teilen zerstörte Landschaft. Der Braunkohleabbau grüßt.

Esper Postma widmet sich dagegen in seiner Installation dem Spannungsbogen zwischen persönlichen Erinnerungen und deren objektiver filmischer Darstellung. Und bedient sich paralleler Aufarbeitung:

Interessantes Experiment mit überraschendem Ende

Auf der einen Seite eine argentinische Schauspielerin als Regisseurin, deren Familie unter der Videla-Diktatur gelitten hat, auf der anderen Schauspieler, die deren Erinnerungen umsetzen sollen. Ein interessantes Experiment mit überraschendem Ende.

Auf der Suche nach dem Archaisch-Poetischen

Die Dritte im „Lichtspiel“-Bund ist Anna Steinert mit einem experimentellen Maskenfilm. Sie begibt sich darin auf die Suche nach dem Archaisch-Poetischen, was sie mehr und mehr - auch in der Kunstwelt - verloren glaubt.

Die einzelnen Installationen werden an verschiedenen Orten präsentiert und fügen sich zu einer von Kathrin Brandt (Kulturbüro) kuratierten Gruppenausstellung zusammen. So entsteht eine experimentelle Plattform, die zur Auseinandersetzung auch mit dem Jetzt anregt. Abseits der Mainstream-Medien.

„Vermittelt werden die Ausstellungsinhalte den Besuchern,“ sagt Brandt, „von zuvor in die Materie eingewiesenen Schülern und Studenten.“ Denn auch das sollen die „Lichtspiele“: junge Menschen ansprechen.

Ausstellung bewusst in Weihnachtsmarkt-Zeit gelegt

Bewusst wurde übrigens der Ausstellungstermin in den Zeitraum 28. November bis einschließlich Sonntag, 9. Dezember verlegt: „Damit Ausstellungs- und Weihnachtsmarktbesuch bequem verbunden werden können,“ so Kathrin Brandt. Zudem würde dann auch in den sonst leeren Geschäftslokalen anziehende Lichtpunkte gesetzt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben