Rösterei

Kaffeegenuss statt Konsum in der Arnsberger Altstadt

Rösterin Katharina Dlhoš erklärt das Prinzip des Cuppings. Video: Inessa Brauer

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Arnsberg.   In der Kaffeemanufaktur in Arnsberger erfüllt sich Katharina Dlhoš einen Traum. Die Rösterin weiht Gäste in Geheimnisse der kleinen Bohnen ein.

Der Steinweg ist bekannt für seine schönen Cafés, doch die Kaffeemanufaktur Arnsberg ist mit ihrer Bio-Rösterei einzigartig. Im alten, denkmalgeschützten Stadtkern von Arnsberg, direkt unter dem Glockenturm am Alten Markt, befindet sich seit Februar eine kleine, private Kaffeerösterei mit Ausschank. Inhaberin ist Katharina Dlhoš, die sich mit diesem Café einen Traum erfüllte.

Kaffee aus Costa Rica als Initial

„Eigentlich bin ich Diplom-Kauffrau und hätte nie gedacht, dass ich eine Rösterei haben werde“, erzählt Katharina Dlhoš, „ein ehemaliger Arbeitskollege kam mit frisch geröstetem Kaffee aus Costa Rica wieder und da war ich überrascht. Der Kaffee schmeckte ganz anders, vor allem ganz anders als aus dem Laden. Da habe ich mich gefragt, warum das so ist.“ Seitdem hat die Café-Inhaberin sich ausführlich mit Kaffee beschäftigt und sich dazu entschlossen, eine eigene Rösterei zu eröffnen.

„Ich dachte mir -ganz oder gar nicht. So einen Röster stellt man sich ja nicht ins Wohnzimmer.“ Eine Ausbildung zum Röster gibt es nicht. Geschult wird man am besten von mehreren Röstern, da jeder Röster seine eigene Technik hat. Auch Katharina Dlhoš war bei verschiedenen Röstern in der Umgebung: „Es ist faszinierend. Auch bei gleicher Bohne aus der gleichen Ernte, kann der Kaffee total unterschiedlich schmecken – je nachdem wie man röstet.“

Seitdem möchte sie auch anderen Menschen den „wahren Kaffeegenuss“ vermitteln und bietet neben dem Tagesangebot noch Röstvorführungen an - so wie zuletzt am Montagnachmittag. Fünf Kaffeeneugierige beteiligten sich an der Vorführung. Direkt im Laden, hinter der Kasse steht die Röstmaschine und mehrere Säcke und Eimer, voll mit noch nicht gerösteten Kaffeebohnen. Alle sind direkt importiert aus Mittelamerika, Indien oder Afrika. „Bei der Auswahl unserer Produkte achten wir auf einen fairen, direkten Einkauf sowie die Einhaltung von Bio-Standards“, berichtet Katharina Dlhoš und zeigt dabei eine Hand voll weißlicher Bohnen herum. „Das ist eine Bohne aus Malawi. Der Geruch erinnert noch etwas an Banane“. Typische dunkelbraune Farbe und der Kaffeeduft entstehen bei ihr erst bei der Röstung.

„Jede Sorte hat ihr eigenes Röstprofil“

Gesagt, getan. Vor den Augen der Gäste verwandeln sich die Bohnen. Der Ton aus der Trommel wird dabei immer heller und die Farbe der Bohne immer dunkler, bis sich das Kaffeearoma im Café ausbreitet. Zwanzig Minuten dauert der Prozess dieses Mal ungefähr. „Jede Sorte hat ihr eigenes individuelles Röstprofil. Da kann eine Minute entscheidend sein“, so die Rösterin. Durch die langsame, schonende Röstung bei niedrigen Temperaturen wird die Fruchtsäure des Rohkaffees abgebaut, so dass alle Kaffeesorten sehr gut bekömmlich sind. „Die Kräftigen genauso wie die Milden“, erklärt Katharina Dlhoš. Das sei auch der Unterschied zur industriellen, kürzeren Röstung.

Den dürfen auch die Gäste bei einer Blindverkostung testen. Sieben Gramm, auf feinster Stufe gemahlen und mit heißem Wasser aufgegossen – auch bekannt als „türkischer Kaffee“- werden vom Löffel geschlürft. Auf diese Art lassen sich die Kaffeenoten besonders intensiv schmecken – ob würzig, mild oder schokoladig. Jede Sorte hat ihren eigenen Geschmack. Dieses „Cupping“ (cup ist englisch für Tasse) gilt international als Richtwert für Preiskrönungen.

Kaffee, Klatsch und Kuchen

Auch Alfred Leib zeigt sich begeistert von der Verkostung: „Das ist ein richtiges Kaffeeerlebnis. Ich war früher im Außendienst unterwegs und hab viel Kaffee getrunken. Da merkt man jetzt schon den Unterschied!“ Inhaberin Katharina Dlhoš freut sich über die positive Resonanz ihre Gäste: „Kaffee kann auch nach Kaffee schmecken.“ Zum Schluss der Vorführung – wie kann es anders sein – gibt es noch Kaffee, Klatsch und Kuchen.

Das Prinzip des Cuppings
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