Alternative Energie

Kein Investitionsbedarf an Hüstener Tiefengeothermie

Geothermiebohrung in Hüsten: Damals wurde fast 3000 Meter tief gebohrt.

Foto: Ted Jones

Geothermiebohrung in Hüsten: Damals wurde fast 3000 Meter tief gebohrt. Foto: Ted Jones

Arnsberg.   TU München sieht Hüstener Tiefengeothermie-Technik auf optimalem Stand. Stabiler geologischer Status verspricht 20 Jahre verlässliche Förderung.

Das Hüstener Tiefengeothermieprojekt der Stadtwerke Arnsberg arbeitet offenbar auf dem technisch aktuellsten und effektivsten Stand. Das ergab eine Untersuchung der Technischen Universität München, deren Ergebnisse nun vorgestellt wurden. Weitere wichtige Aussage der wissenschaftlichen Betrachtung: Aufgrund eines stabilen geologischen Status ist für die nächsten 20 Jahre von einer gleichbleibenden Wärmegewinnung aus dem fast 3000 Meter tiefen Bohrloch am Freizeitbad Nass auszugehen.

Für Stadtwerke-Chef Karlheinz Weißer ist das Bestätigung: „Die Bohrung war damals eine richtige Entscheidung“. Die gewählte Technik verursache keine Instandhaltungs- und Wartungskosten. Anlass zu neuen Investitionen sieht die TU München nicht. Die Wissenschaftler waren im vergangenen Jahr nach Arnsberg gekommen, hatten die Tiefengeothermieanlage ausgewertet und über Modellrechnungen nach Möglichkeiten einer Ertragsoptimierung gesucht. „Die TU konnte uns aber keine bessere Lösung anbieten“, so Walter Dolert. Er ist Projektbegleiter bei den Stadtwerken. Die physikalischen Eigenschaften des gewählten Materials seien optimal.

Aus dem 2835 Meter tiefen Bohrloch des vor elf Jahren gestarteten und im Jahr 2012 in den Probebetrieb gegangenen Projektes wird über einen geschlossenen Wasserkreislauf seit Jahren konstant zwischen 58 und 60 Grad Wärme gefördert. Zuletzt wurde von 2100 Megawattstunden Energiegewinn pro Jahr ausgegangen. Das sind 70 Prozent des ursprünglichen Zielwertes. In der Tiefe, wo eine Sonde die Energie aufnimmt, beträgt die Temperatur zwischen 92 und 94 Grad. Die TU München sollte prüfen, ob durch technische Optimierung ein höherer Wärmegrad gefördert werden könne. Das wurde im Forschungsergebnis offenbar verneint.

Das Gesamtinvestitionsvolumen der Anlage beläuft sich nach Angaben der Stadtwerke auf rund 3,6 Millionen Euro. „Heute würde so eine Anlage fast sieben Millionen Euro kosten“, sagt Dolert, „die Pionierarbeit hat sich also gelohnt“.

Derzeit aber wagt sich niemand an den Neubau einer Tiefengeothermieanlage, weil die Gaspreise aktuell so niedrig sind, dass auch der wirtschaftliche Druck dazu fehlt. Das Fraunhofer Institut berechnete, dass sich die Hüstener Anlage nach zehn bis 15 Jahren rechnen müsste. Das aber erst gerechnet ab dem Jahr 2013, als das Projekt auch bilanziell wirksam wurde.

Steigende Energiepreise würden die Amortisierung beschleunigen. „Wenn der Gaspreis steigt, sind wir froh, dass wir die Anlage haben“, so Weißer. Bis dahin sei mit Blick auf den Klimaschutz auch die jährliche Einsparung von 350 Tonnen CO2 pro Jahr ein positiver Effekt.

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