Arbeit im Ministerium

Klaus Kaiser: „Neue Räume für Kultur-Angebote schaffen“

Klaus Kaiser in seinem  Arbeitszimmer daheim  in seiner Neheimer Wohnung. Der CDU-Landtagsabgeordnete ist seit 30. Juni 2017 Parlamentarischer Staatssekretär im NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft.

Foto: Ted Jones

Klaus Kaiser in seinem Arbeitszimmer daheim in seiner Neheimer Wohnung. Der CDU-Landtagsabgeordnete ist seit 30. Juni 2017 Parlamentarischer Staatssekretär im NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Foto: Ted Jones

Neheim/Düsseldorf.  Interview mit dem Neheimer CDU-Politiker Klaus Kaiser über seine neue Arbeit im NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft

Rund 150 Tage sind vergangen, nachdem am 30. Juni 2017 der in Neheim wohnende CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Kaiser zum Parlamentarischen Staatssekretär im NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft ernannt wurde. Der Regierungswechsel in Düsseldorf bescherte dem 60-Jährigen einen Karrieresprung. Doch was hat seine Heimatstadt Arnsberg davon, dass ein langjähriger Arnsberger Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordneter mit Wahlkreis im HSK nunmehr im Kultur- und Wissenschaftsbereich zu denen gehört, die politische Verantwortung im Ministerium tragen bzw. kulturpolitische Entscheidungen im Landtag auf den Weg bringen? Unsere Zeitung sprach mit Klaus Kaiser über seine neue Rolle in der Politik.


Waren Sie enttäuscht, nach dem Regierungswechsel in Düsseldorf nicht NRW-Schulminister geworden zu sein? Sie waren ja fünf Jahre bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Klaus Kaiser: Bildungspolitischer Sprecher war ich nur zwischen 2005 und 2010, vorher war ich kulturpolitischer Sprecher. Von 2010 bis 2017 war ich als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Kultur zuständig. Ich war also schon lange in der CDU-Landtagsfraktion für die heutigen Themen verantwortlich. Daher bin ich mit meiner jetzigen Aufgabe als Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft mehr als zufrieden. Die Arbeit macht mir sehr große Freude, weil sie mit den Themen zu tun hat, für die ich mich immer interessiert habe. Ich halte nichts von Medienspekulationen über mögliche Ministeriumsbesetzungen und habe mich deshalb aus diesen öffentlichen Diskussionen immer völlig rausgehalten. Denn schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt war klar, dass das Schulministerium in der schwarz-gelben Koalition durch die FDP beansprucht und besetzt wurde. Und Yvonne Gebauer macht einen sehr engagierten Job.


Wie sieht Ihr Arbeitsgebiet aus und wie ist es im Ministerium eingebunden?
An der Spitze des Ministeriums steht die parteilose Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, es folgen Staatssekretärin Annette Storsberg und ich als Parlamentarischer Staatssekretär. Wir zusammen bilden die „Hausleitung“, wie es im Ministerialdeutsch heißt. Zum Ministerium gehören fünf Abteilungen zu verschiedenen Themenfeldern. Neben der sogenannten Z-Abteilung, also den zentralen Diensten, geht es in den weiteren um die Hochschulen, die Forschung, die Kultur und die Weiterbildung und Politische Bildung. Zur Arbeit selbst gehört am Montagmorgen die sogenannte Lage, die mit der Verwaltungskonferenz in der Kommune vergleichbar ist. Hier werden die Absprachen mit allen Abteilungsleitern sowie den Führungsleuten des Stabes getroffen. Bei den vielen öffentlichen und nicht-öffentlichen Terminen vertreten Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, Staatssekretärin Annette Storsberg und ich uns gegenseitig. Bei wichtigen Terminen treten wir auch bewusst gemeinsam auf. Wir drei kannten uns vorher gar nicht, aber wir arbeiten sehr gerne und sehr gut zusammen. Abschließend bin ich für die Abteilung „Weiterbildung und politische Bildung“ zuständig. Hier kann ich meine langjährigen politischen und beruflichen Erfahrungen gut einbringen. Und unser Ministerpräsident Armin Laschet hat betont, dass die Weiterbildung und auch die Politische Bildung in den nächsten fünf Jahren einen besonderen Schwerpunkt bilden. Politisch gestalten zu können macht mir sehr viel Freude und als ehemaliger Oppositionspolitiker hat man sich das ja immer gewünscht.


Was ist der Unterschied zwischen einem Staatssekretär und einem Parlamentarischen Staatssekretär? Als parlamentarischer Staatssekretär bin ich - im Gegensatz zum beamteten Staatssekretär - Mitglied im Kabinett. In der nordrhein-westfälischen Landesregierung gibt es nur einen parlamentarischen Staatssekretär. Unser Ministerpräsident Armin Laschet hat entschieden, diesen im aufgabenmäßig neu zugeschnittenen Ministerium für Kultur und Wissenschaft anzusiedeln. Er wollte dadurch die Bedeutung des Bereiches unterstreichen und einen entsprechenden politischen Schwerpunkt setzen.


Was können Sie in Ihrer neuen Position für die Region Südwestfalen bzw. speziell für Arnsberg und Sundern tun?
Die Regierungsparteien CDU und FDP sind sich einig, in den nächsten fünf Jahren den Kultur-Etat des Landes um jährlich 20 Millionen Euro zu erhöhen, das heißt: Er steigt von derzeit 200 Millionen auf 300 Millionen Euro im Jahr 2022. Diese Mittel sollen auch die Förderung regionaler Kulturpolitik und somit auch Kunst und Kultur in unserem heimischen Raum stärken. Weiterhin wollen wir die kulturelle Bildung an Schulen ausbauen sowie Projekte öffentlicher Träger aber insbesondere auch bürgerschaftlich getragene Vorhaben, zum Beispiel von Kunst- und Kulturvereinen oder anderen Kulturinitiativen, unterstützen. Wichtig ist uns die Bündelung kultureller Angebote, insbesondere im ländlichen Raum. So könnten zum Beispiel neue Formen der Zusammenarbeit gefunden werden. Wir verfolgen ein Konzept der „Dritten Räume“, die zum Beispiel von einer Volkshochschule oder von einer Stadtbücherei gemeinsam genutzt werden können. So gäbe es die neue Chance, öffentliche kulturelle Angebote wie Autorenlesungen, Vorträge, Workshops, Kunstausstellungen oder neue digitale Veranstaltungsformen anzubieten. Wir überlegen gegenwärtig im Ministerium, wie wir das entsprechend fördern können. Eine hoch spannende Aufgabenstellung.


Noch mal zurück zu Ihrer Person. Was hat sich in ihrem Arbeitsalltag geändert?
Als CDU-Landtagsabgeordneter bin ich weiterhin Mitglied der CDU-Landtagsfraktion und bleibe insofern auch parlamentarisch tätig, insbesondere auch weiterhin Ansprechpartner für die Bürger in meinem Wahlkreis. Die Arbeit im Ministerium nimmt allerdings jetzt einen großen Teil meiner Arbeitszeit ein. Geprägt ist meine tägliche Arbeit von Besprechungen zu den verschiedenen Arbeitsbereichen des Ministeriums, der Arbeit in den Ausschüssen und im Plenum des Landtags und von vielen Terminen vor Ort. Von Besprechungen mit Vertretern von Kulturinitiativen, Intendanten und Managern der Theater, Museumsdirektoren, den Leitungen der Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen bis hin zu Vertretern anderer Behörden und auch Landräten und Bürgermeistern, Verbänden und Interessenvertretern ist alles dabei. Diese Gespräche finden auch vor Ort statt, weil man zum Beispiel die Probleme und Fragen eines Museums besser versteht, wenn man sich das konkret ansieht. Natürlich gehören auch öffentliche Reden dazu, vom Grußwort bei der Eröffnung eines Events bis hin zu Grundsatzreferaten. Hinzukommt die Arbeit in den verschiedenen Gremien der CDU.

Als Vertreter des Kulturministeriums mussten Sie im vergangenen September auch schon mal zu dem sehr speziellen Thema „Wagner-Lesarten“ (Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen in historisch informierter Aufführungspraxis“) an der Kölner Universität sprechen. Fiel Ihnen das schwer?
Das fiel mir nicht schwer. Ich gehe ja auch gerne ab und zu in die Oper. Bei dem Termin ging es ja um das Startsignal für ein hochinteressantes Forschungsvorhaben. Allerdings kann man natürlich nicht in allen Bereichen ein Experte sein. Auf einen solchen Auftritt bereite ich mich natürlich mit der Unterstützung hochkompetenter Referenten aus den Fachabteilungen des Ministeriums entsprechend vor. Das Besondere an diesem Termin war aber, dass ich den bekannten und berühmten Dirigenten Kent Nagano treffen durfte.


Wie viel Stunden sind Sie pro Woche für Ministerium und Partei im Einsatz?
Das kann ich wirklich nicht beziffern. Es ist schon sehr zeitintensiv und somit bleibt wenig Zeit für das Privatleben. Aber das weiß man ja auch vorher. Natürlich gibt es während der Woche regelmäßig Abendtermine, genauso wie am Wochenende. Am vergangenen Samstag war ich als BVB-Fan Gott sei Dank nicht beim Derby gegen Schalke, sondern in Gütersloh und Bielefeld zu verschiedenen Terminen unterwegs. Und das ist die Regel. Als Staatssekretär stehen mir ein Dienstwagen und ein Fahrer zur Verfügung. Auf diese Weise kann man die vielen Fahrzeiten nutzen, um Büroarbeiten und Aktenvorgänge zu bearbeiten und zu erledigen, insbesondere auch die vielen terminlich dringenden Vorgänge.

Zur Person

Klaus Kaiser wurde am 6. März 1957 geboren. 1976 machte er am Franz-Stock-Gymnasium das Abitur und studierte dann von 1976 bis 1984 Geschichte, Englisch und Pädagogik an der Universität Münster. Er schloss sein Studium mit dem ersten Staatsexamen für die Sekundarstufe I und II ab. 1985 bis 2000 war er für die Volkshochschule Hochsauerlandkreis tätig, bis 1992 als pädagogischer Mitarbeiter und von 1992 bis 2000 als VHS-Leiter.

1974 trat Klaus Kaiser in die CDU ein. Seit 1979 gehört er dem Rat der Stadt Arnsberg an. Die CDU-Ratsfraktion leitet er seit 1994. Seit 2011 ist er Vorsitzender der CDU Südwestfalen. CDU-Landtagsabgeordneter ist Klaus Kaiser seit dem Jahr 2000. Er war zunächst kulturpolitischer, dann bildungspolitischer Sprecher. Von 2010 bis 2017 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender für den Bereich Bildung, Wissenschaft und Kultur. Seit dem 30. Juni 2017 ist er Parlamentarischer Staatssekretär im NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft.

Klaus Kaiser ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Er wohnt mit seiner Frau Kornelia im Rusch in Neheim.

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