Fachkräfte-Mangel

Klinikum wirbt 19 junge Kosovaren als Pflege-Azubis an

Aus dem Kosovo ins Sauerland: Driton Podvorica (links) und Adela Hoxha (Mitte) machen eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, hier in einem Schwesternzimmer des Johannes-Hospitals in Neheim;  rechts: Alina Eickhoff, die im Klinikum  für Personalentwicklung zuständig ist

Aus dem Kosovo ins Sauerland: Driton Podvorica (links) und Adela Hoxha (Mitte) machen eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, hier in einem Schwesternzimmer des Johannes-Hospitals in Neheim; rechts: Alina Eickhoff, die im Klinikum für Personalentwicklung zuständig ist

Foto: Martin Schwarz

Um mit qualifizierten Leuten die Ausbildungskurse für Krankenpfleger voll besetzen zu können, warb das Klinikum Hochsauerland junge Kosovaren an.

Neheim. Um den großen Bedarf an Pflegefachkräften zu decken, hat das Klinikum Hochsauerland die Ausbildungsstellen für Gesundheits- und Krankenpfleger verdoppelt. Statt bisher rund 60 Azubis im ersten Lehrjahr gibt es nun 120 Azubis im ersten Ausbildungsjahr. Es war allerdings schwierig, alle neu geschaffenen Azubi-Stellen zu besetzen, da nicht ausreichend Bewerber mit notwendiger Qualifikation gefunden werden konnten. So warb das Klinikum Hochsauerland Anfang dieses Jahres im Kosovo junge Leute für eine Krankenpfleger-Ausbildung im Sauerland an. 19 Kosovaren, etwa je zur Hälfte Frauen und Männer, begannen dann Anfang April 2019 ihre Ausbildung beim Klinikum Hochsauerland.

Klinikum gibt jungen Kosovaren eine gute Berufsperspektive

„Das Klinikum Hochsauerland hatte sich für den Kosovo als Anwerbeland entschieden, weil hier die Bevölkerungsstruktur sehr jung ist und viele junge Leute vergeblich eine feste berufliche Anstellung suchen“, berichtet Alina Eickhoff, die im Klinikum für Personalentwicklung zuständig ist. Die Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten sei im Kosovo hoch, obwohl die schulische Ausbildung recht gut sei und es im Kosovo durchaus Stellen für eine gute Berufsausbildung gebe. „Das Problem ist, dass viele junge Frauen und Männer, die im Kosovo eine Berufsausbildung anpeilen, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen müssen, dass sie nach der Ausbildung keine feste Anstellung im erlernten Beruf bekommen. Dass demgegenüber das Klinikum Hochsauerland den jungen Kosovaren nach erfolgreichem Abschluss ihrer Pflegerausbildung die sehr gute Übernahmemöglichkeit in eine Festanstellung anbieten kann, hat viele junge Männer und Frauen von einem Wechsel nach Deutschland überzeugt. Hier sehen die Kosovaren für ihr Berufsleben endlich eine gute und sichere Perspektive“, so Eickhoff.

Um an ausreichend Lehrstellenbewerber im Kosovo zu bekommen, hatte das Klinikum eine Personalvermittlungsagentur eingeschaltet. Auf Stellenangebote, die auch über Facebook verbreitet wurden, meldeten sich insgesamt 400 Interessenten. Einstellungsbedingung waren Deutschkenntnisse, die mindestens mit einem B1-Zertifikat nachgewiesen werden mussten. Ob jemand wirklich ausreichend Deutsch sprechen kann, zeigte sich dann in den 45 Vorstellungsgesprächen, die alle auf deutsch geführt wurden. Bei der schulischen Vorbildung konnten viele Bewerber gute Noten nachweisen, sei es durch vergleichbares Fachabitur, Abitur oder Studium.

Gute Deutschkenntnisse

Teilweise brachten Bewerber auch medizinische Vorkenntnisse mit. Dies galt auch für Adela Hoxha, die im Kosovo Physiotherapie studiert hatte, aber hierfür keine Anstellung fand. Die heute 25-jährige Frau aus Pristina hatte von 1994 bis 2001 mit ihren Eltern schon in Schleswig-Holstein gelebt und war dort auch zur Schule gegangen. So verfügt sie über sehr gute Deutschkenntnisse. Zusammen mit ihren Eltern war sie nach dem Kosovo-Krieg (1998/99) in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Auch der 24-jährige Driton Podvorica kann gut deutsch verstehen und sprechen. Deutschkenntnisse sammelte er in der Schweiz, wo er geboren wurde. Auch seine Eltern kehrten mit ihm nach dem Kosovo-Krieg in die alte Heimat zurück. Übereinstimmend sagen beide: „Wir fühlen uns in Deutschland sehr wohl. Die Ausbildung am Klinikum macht uns sehr viele Freude.“

Mentalitätsprobleme mit Deutschen haben sie keine. „Die jungen Deutschen sind genauso locker wie die jungen Kosovaren“, lächelt Driton, der - wie auch Adela - in Wohngemeinschaften lebt. Das Klinikum hatte Wohnungen in Alt-Arnsberg und Neheim angemietet, in denen die Kosovaren - bei günstiger Miete - in 3- bis 4-Personen WGs leben.

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