Sanierung

Kloster Wedinghausen - Kirche muss neue Impulse setzen

Christoph Regniet, im Kirchenvorstand für die Finanzen zuständig, Propst Hubertus Böttcher und Sachberater Dr. Wolfgang Beine (von links) über einem Plan für die künftige Gartengestaltung.

Christoph Regniet, im Kirchenvorstand für die Finanzen zuständig, Propst Hubertus Böttcher und Sachberater Dr. Wolfgang Beine (von links) über einem Plan für die künftige Gartengestaltung.

Foto: WP Ted Jones

Arnsberg.   Rund 2 Millionen Euro werden in die Sanierung des ehemaligen Klosters Wedinghausen investiert - in Propsteikirche, Kapitelhaus und den angeschlossenen Garten. Gut drei Viertel der Summe trägt dabei das Erzbistum Paderborn, die verbleibenden ca. 500.000 Euro die Laurentius-Gemeinde.

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Und das ist noch nicht alles: Die bereits in 40 Ländern vertretene Shalom-Bewegung wird hier ihr erstes geistiges Zentrum in Deutschland eröffnen.

Ziel der beiden Vorhaben: Das ehemalige Klosterareal soll ganz im Sinne der rund 800-jährigen Tradition wieder zu einem lebendigen Ort der Begegnung und der Diskussion werden. Mit großer Ausstrahlungskraft.

Für das gesamte Sauerland neu beleben

Was mit dem ehemaligen Klostergebäuden machen? Einen musealen Ort? Nein! „Denn in einem Gespräch mit verschiedenen Seelsorgern über den einzuschlagenden Weg,“ erläutert Propst und Dechant Hubertus Böttcher die jüngste Entwicklung, „ist die Idee entstanden, das einstige Zentrum der Seelsorge für das gesamte Sauerland neu zu beleben. Denn dieser Ort, über Jahrhunderte ein geistiges Zentrum von großer Anziehungskraft, hat zwar sehr viel Geschichte, aber leider seine Vitalität verloren.“

So will man nun mit ausdrücklicher Billigung des Erzbistums - auch der päpstliche Nuntius habe sich begeistert gezeigt - versuchen, in Zusammenarbeit mit der weltweiten, vor rund 30 Jahren in Brasilien gegründeten Shalom-Bewegung Kontakte vor allem zu den Schülern der vielen umliegenden Schulen zu bekommen. Denn Shalom, das ist ein Zusammenschluss junger, meist künstlerisch begabter Menschen, die bei ihren Veranstaltungen in Brasilien oft locker ein ganzes Fußballstadion füllen würden, erklärt Propst Böttcher.

Mönchszellen hergerichtet

So sollen künftig in dem jetzt zu sanierenden Kapitelhaus - dort werden u.a. einige der alten Mönchszellen wieder hergerichtet und ein großer Gemeinschaftsraum und ein kleines Kapellchen entstehen - fünf Vertreter von Shalom leben. „Shalom,“ weiß Böttcher, „legt großen Wert auf die Gemeinschaft und deren sehr alternative Mitglieder leben die Armut radikal.“ Davon verspricht sich auch das Erzbistum neue Impulse - über Wedinghausen hinaus.

Spannend, davon geht Hubertus Böttcher aus, werde es allemal. „Denn die Kooperation von klassischer Gemeinde und Shalom bietet sicher viele Reizpunkte.“ Und entsprechende Diskussionen. Was aber für die Lebendigkeit gelebten Christentums das Schlechteste nicht sei. „Ich bin mir allerdings im Klaren darüber, dass es auch Widerstände geben wird. Dennoch sind wir uns alle einig, Neues auszuprobieren und neue Impulse zu setzen. Das ist eine große Herausforderung. Und ich hoffe, dass es uns gelingen wird. Aber dafür müssen wir die Arnsberger mit hereinholen.“

Vorreiterrolle in der Region

Immerhin, so Böttcher, gelte es auch, die Worte des Papstes - „Geht auf die Menschen zu, geht an die Ränder.“ - umzusetzen. So nehme man jetzt als Laurentius-Gemeinde in der Region eine absolute Vorreiterrolle ein. Dies auch deshalb, weil man hier vor Ort bereits Erfahrungen mit einer von bistumsweit nur drei Wohngemeinschaften für angehende Priester gesammelt und die Kirche mit der „Fazenda“ in Altenhellefeld hervorragende Ergebnisse mit innerkirchlichen Bewegungen erzielt habe. „Denn um die Menschen zu gewinnen, muss die Kirche neue Wege einschlagen. Die alten Methoden greifen nicht mehr.“

Vor diesem Hintergrund habe letztlich der Bischof in Paderborn persönlich nach nicht immer einfachen Gesprächen entschieden, die Gesamtsanierung der ehemaligen Klosteranlage finanziell großzügig zu unterstützen.

Große Unterstützung aus Paderborn

Erste Abstimmungen mit den zuständigen Denkmalbehörden haben bereits stattgefunden. Konsens dabei sei, die Sanierung auch aufgrund der vielen verschiedenen Baustile möglichst historisch korrekt umzusetzen. Mit dem Ziel, dass sich dann in Verbindung mit Shalom wieder ein lebendiges Zentrum entwickeln möge. „Mit einer Attraktivität, die hoffentlich weit in die Stadt hinein ausstrahlt. Zudem, so Böttcher, „ist diese hohe Investition auch ein Zeichen für den Neuanfang der Kirche.“

Die Sanierung erfolge in Abstimmung mit der Stadt, da diese mit dem Archivgebäude und der alten Bibliothek neben der Laurentius-Gemeinde ebenfalls ehemalige Klostergebäude besitze. Für die künftige Arbeit der Shalom-Bewegung werden außerdem die großen Garagen in der Prälaturstraße in ein Café umgebaut - als Anlauf- und Kontaktstelle.

Mit der Sanierung von Kapitel- und Gotteshaus soll möglichst umgehend begonnen werden. Unter anderem stehen das undichte Dache und der Außenanstrich der Propsteikirche zur Erneuerung an. „Wir haben dringenden Handlungsbedarf,“ sagt Hubertus Böttcher, „damit nicht alles verfällt. Der Küster muss schon jetzt bei Regen Eimer unter das Kirchendach stellen, um das Wasser aufzufangen.“

Gemeinde wird Sonntag umfassend informiert

Im Rahmen des traditionellen „Grafenbegängnisses“ am kommenden Sonntag, 19. Oktober, werden Propsteigemeinde und interessierte Bürger umfassend über die vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen an Propsteikirche, Klostergebäuden und dem Garten informiert. Der Garten hinter dem Kapitelhaus soll nach Abschluss der Sanierungen zu einem „Garten für die Stadt“, zu einem Ort der Gastfreundschaft entwickelt werden. Er wird dann für alle geöffnet sein - mit einem kleinen Café.

Informiert wird nach dem Grafenbegängnis aber auch über die Shalom-Bewegung. Rede und Antwort wird dann eine bereits in Arnsberg eingetroffene Vertreterin dieses weltweiten Zusammenschlusses stehen.

Das Grafenbegängnis beginnt mit der Messe um 9.30 Uhr, gegen 10.30 Uhr ist dann die Zusammenkunft im Kapitelsaal.

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