Digitalisierung

Knowhow aus dem Sauerland für eine smarte Forstwirtschaft

Im Kompetenzzentrum Wald und Holz 4.0 wird an digitalen Lösungen gearbeitet. Moderne Technik ersetzt etwa das Maßband: Durch die „Mixed-Reality-Brille“ sieht der Forstwirt nicht nur den Stamm vor sich, sondern auch eine Linie für den optimalen Schnitt.

Im Kompetenzzentrum Wald und Holz 4.0 wird an digitalen Lösungen gearbeitet. Moderne Technik ersetzt etwa das Maßband: Durch die „Mixed-Reality-Brille“ sieht der Forstwirt nicht nur den Stamm vor sich, sondern auch eine Linie für den optimalen Schnitt.

Foto: Katrin Clemens

Neheim.   Das Kompetenzzentrum „Wald und Holz 4.0“ soll von Arnsberg aus neue digitale Lösungen entwickeln. Sechs Millionen Euro fließen in das Projekt.

Mit dem Maßband in der Hosentasche gehen Forstwirte heute noch ans Werk – in Zukunft könnte ihnen eine digitale Brille anzeigen, wie sie einen Stamm Holz sägen müssen, um den maximalen Gewinn zu erzielen. Testen durften Fachleute eine solche „Mixed-Reality-Brille“ jetzt schon beim Auftakt zum Kompetenzzentrum „Wald und Holz 4.0“.

Mikrochips mit Daten zur effizienteren Nutzung von Motorsägen, Apps zur Berechnung des Holzvolumens auf einer bestimmten Waldfläche: Solche technischen Hilfsmittel sind in Zukunft denkbar. „Das Spannende ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, für die wir noch gar keine Begriffe haben“, sagte Regierungspräsident Hans-Josef Vogel beim Start des Projekts.

Wissensbündelung im Sauerland

Angesiedelt im Forstlichen Bildungszentrum soll das Kompetenzzentrum das Knowhow aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis bündeln, um die Forst- und Holzwirtschaft effizienter zu machen. „Ich glaube, dass die Gründung des Kompetenzzentrums ein Meilenstein ist für die Forstwirtschaft in Nordrhein-Westfalen“, sagt Thilo Wagner, Leiter des Forstlichen Bildungszentrums.

Es sei das bislang erste Projekt dieser Art in Deutschland. Dazu vernetzt sich der Landebetrieb Wald und Holz mit Wissenschaftler der RWTH Aachen und des Dortmunder RIF-Instituts für Forschung und Transfer. „Wir wollen von hier aus die Innovationen hinaustragen“, sagte Dr. Rainer Joosten als Vertreter des Landes-Umweltministeriums.

Das Land NRW und die Europäische Union fördern das Projekt in den kommenden drei Jahren mit jeweils drei Millionen Euro, danach muss sich das Zentrum selbst tragen können. Interessierte Vertreter aus der Wirtschaft, vom Sägewerker bis zum Maschinenhersteller, zeigten bereits Interesse an dem Infrastrukturprojekt, das im Sauerland entsteht. „Die Digitalisierung wird es ermöglichen, viele Entscheidungen einfacher zu treffen“, so Joosten.

Hardware ist noch teuer

So wie Forstwirte schneller entscheiden können sollen, wie sie einen Stamm zerlegen, wenn sie die Mixed-Reality-Brille tragen. Gespeist mit den aktuellen Holzpreisen oder speziellen Wünschen eines Kunden, soll die Software dabei helfen, den Rohstoff Holz möglichst effizient und gewinnbringend zu nutzen.

Durch die Brille sieht der Forstwirt Schnittlinien. Das Programm berechnet verschiedene Varianten, einen Stamm zu bearbeiten und zeigt direkt an, welcher Verkaufspreis sich mit welcher Variante erzielen lassen würde. Noch kosten solche Brillen mehrere tausend Euro pro Stück.

Experten rechnen mit schneller Entwicklung

Früher oder später könnten digitale Helfer dieser Art aber tatsächlich zum Arbeitsalltag in den Wäldern der Region gehören. Die Fachbesucher der Auftaktveranstaltung sind sich uneins, wie schnell diese Entwicklung ablaufen wird. Die einen tippen darauf, dass zum Beispiel die smarten Brillen in etwa fünf Jahren auch in der Praxis eingesetzt werden, andere gehen davon aus, dass sich dieser Prozess viel schneller vollziehen wird.

Zur letzteren Gruppe gehört Professor Jürgen Roßmann, der das Institut für Mensch-Maschine-Interaktion an der RWTH Aachen leitet. „Ich glaube die Technik wird schneller nutzbar sein, als wir denken“, sagt er. „Wir müssen sie nur zur Verfügung stellen und die Menschen darüber informieren.“

Apps als mögliche Lösung

Es sei auch denkbar, dass die Software ohne teure Hardware wie spezielle Brillen genutzt werden könne, zum Beispiel als App für Smartphones. So könnte sie jeder bei sich tragen.

Angesichts des Fachkräftemangels gehen die Fachleute davon aus, dass die Fortwirtschaft 4.0 keine Stelleneinsparungen nach sich ziehen, sondern lediglich die Arbeit erleichtern wird. „Es sind Hilfsmittel, letztlich entscheidet aber der Mensch“, so Roßmann.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben