Neues Gesetz

Krankenhäuser spüren erhöhten wirtschaftlichen Druck

Im Neheimer St.-Johannes-Hospital, wo dieses Foto entstand, ist die Anzahl der Intensivpflegebetten bereits von sechs auf acht erhöht worden. Das Bild zeigt drei Intensiv-Pflegefachkräfte mit Holger Zens (rechts), pflegerischer Leiter des Intensivpflegeteams am Klinikum Hochsauerland.

Im Neheimer St.-Johannes-Hospital, wo dieses Foto entstand, ist die Anzahl der Intensivpflegebetten bereits von sechs auf acht erhöht worden. Das Bild zeigt drei Intensiv-Pflegefachkräfte mit Holger Zens (rechts), pflegerischer Leiter des Intensivpflegeteams am Klinikum Hochsauerland.

Foto: Anneser / Klinikum Hochsauerland

Arnsberg.   Neues Pflegegesetz: Klinikum muss bei Stationsbesetzung Personaluntergrenzen einhalten, sonst drohen Vergütungsabschläge und Sanktionen

„Eine neue Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums zu Pflegepersonaluntergrenzen setzt deutsche Krankenhäuser unter Druck“, berichtet Werner Kemper, Geschäftsführer des Klinikums Hochsauerland. Im Gespräch mit unserer Zeitung nannte er die neuen vorgeschriebenen Personalschlüssel. Denn seit 1. Januar 2019 ist die Personaluntergrenze im Verhältnis zwischen Anzahl der Patienten und Anzahl der Pflegekräfte in einzelnen Fachkliniken vorgegeben. Kemper erläuterte, wie das Klinikum Hochsauerland auf diese neuen Kennzahlen reagiert.

Mindest-Personalbesetzungen für vier Fachbereiche

Nach folgenden Mindest-Personalbesetzungen hat sich das Klinikum Hochsauerland in vier Fachbereichen zu richten: Im Bereich Intensivmedizin ist in der Tagschicht eine Personaluntergrenze von 2,5 Patienten pro 1 Pflegefachkraft vorgegeben, nachts gilt ein Verhältnis von 3,5:1. In der Geriatrie gilt in der Tagschicht ein Verhältnis von 10 Patienten zu 1 Pflegefachkraft, nachts beträgt das Verhältnis 20:1. In der Klinik für Kardiologie muss tagsüber mindestens eine Pflegefachkraft für 12 Personen vorhanden sein, nachts darf eine Pflegefachkraft höchstens für 24 Patienten zuständig sein. Im Bereich Unfallchirurgie darf tagsüber 1 Pflegefachkraft höchstens für 10 Patienten zuständig sein, nachts dürfen es maximal 20 Patienten sein.

Kemper betonte, dass es sich bei den genannten Pflegekräften um tatsächlich anwesende Kräfte handeln muss. Ein Nachweis im Stellenplan reiche nicht aus. „Auch wenn eine Grippewelle ausbricht und viele Mitarbeiter erkranken sollten, ist die Patienten-Pflegekraft-Reation einzuhalten“, sagte Kemper, betonte aber auch: „Aktuell können wir die gesetzlichen Ansprüche an Personaluntergrenzen erfüllen, denn wir haben bereits 2018 auf die im Januar 2019 in Kraft getretenen gesetzlichen Neuregelungen reagiert und insbesondere in der Intensivmedizin den Personalbestand und die Bettenzahl erhöht.“ 28 weitere Pflegefachkräfte sowie vier zusätzlich intensivmedizinisch erfahrene Ärzte haben ihre Tätigkeit in der Intensivmedizin des Klinikums Hochsauerland aufgenommen. Ein weiterer sukzessiver Ausbau ist vorgesehen.

Mögliche Maßnahmen

Wie wichtig die Einhaltung der Personaluntergrenzen ist, machte Kemper deutlich: „Wenn ein Krankenhaus die Untergrenzen nicht erfüllt, droht dem Krankenhaus ab 1. März 2019 Vergütungsabschläge. Ab Budgetjahr 2020 wären sogar Sanktionen wie Reduzierung der Bettenzahl möglich.“ Gegenmaßnahmen seien Verstärkung des Pflegepersonals - wie schon geschehen , ansonsten Reduzierung der Patientenzahl, falls nicht ausreichend neues Personal gefunden werden könne.

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