Kunstwerk

Künstler mit Autismus stellen ihre Werke in Neheim aus

Tosca Fahlefeld und Christoph Meinschäfer freuen sich auf die Kunstausstellung „Spektrum“ mit Kunstwerken autistischer Künstler.Foto:Achim Benke

Tosca Fahlefeld und Christoph Meinschäfer freuen sich auf die Kunstausstellung „Spektrum“ mit Kunstwerken autistischer Künstler.Foto:Achim Benke

Neheim.  Sechs Autisten stellen ihre Fotografien, Filme, Grafiken und Malereien im Neheimer „Kunst-Werk“ aus. Eröffnung ist am 26. April.

Wenn sich am Freitag, 26. April, die Türen der Kunst-Lehrwerkstatt im „Kunst-Werk“ am Kaiserhaus öffnen, haben Besucher die Möglichkeit, in einem Teil des Lebens eines Autisten zu schauen. Sechs Autisten stellen ihre Fotografien, Filme, Grafiken und Malereien aus. Geplant und organisiert haben die Ausstellung der Neheimer Fotograf Christoph Meinschäfer und Tosca Fahlefeld.

„Ich habe eine Buchvorstellung auf WDR2 von Christine Westermann gehört. Es war das Buch ‘Der Junge, der zu viel fühlte‘ von Lorenz Wagner. Das brachte mich auf die Idee“, betont Meinschäfer. Tosca Fahlefeld hat das Buch einige Tage später gelesen und mit Meinschäfer darüber diskutiert.

Erst wollten sie nur eine Lesung organisieren. Daraus wurde dann die Kunstausstellung „Spektrum“. Neben den autistischen Künstlern wird zur Eröffnung der Ausstellung der Referent und Autor Aleksander Knauerhase aus der Innenansicht eines Autisten berichten. Also Autismus aus Sicht eines Autisten. Das Gespräch findet in Kooperation mit der städtischen Interessenvertretung von Menschen mit Behinderung statt.

Knauerhase erhielt mit 35 Jahren die Diagnose Autismus. Er leistet Aufklärungsarbeit und schafft ein besseres Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Autismus. Er stellt die Besonderheiten der autistischen Wahrnehmungen vor, aber auch die gesellschaftlichen Hindernisse, hinzu kommen die vielen Chancen eines Miteinanders.

Lesung mit Lorenz Wagner

Eine Lesung wird es vom Autor Lorenz Wagner aus seinem Werk „Der Junge, der zu viel fühlte“ geben. Wagner war jahrelang Chefreporter der Financial Times Deutschland, danach wechselte er zum Süddeutsche Zeitung-Magazin. Er gehört zu den bedeutendsten Porträt- und Reportage-Schreibern in Deutschland und wurde mit Preisen ausgezeichnet. Er meint: „Wir sagen, Autisten fehlt es an Empathie. Nein, uns fehlt sie für die Autisten.“

Die Künstler „Fuchskind“ Daniela Schreiter, Stefan Ringelschwandtner, Andreas Kuhl, Andreas Skorupa, Aaron Fahlefeld, Menia und Dr. Peter Schmidt haben die Ausstellung möglich gemacht. Schmidt wird am Sonntag, 5. Mai, zum Abschluss der Ausstellung in der Finissage über das Thema „Als Autist in der modernen Arbeitswelt – so teamt das!“ reden. Der Autist Schmidt ist Diplom-Geophysiker und war in verschiedenen Funktionen tätig – als IT-Experte mit Schwerpunkt SAP-Software und Referent. Sein drittes Buch heißt „Kein Anschluss unter diesem Kollegen“.

Verschiedene künstlerische Schwerpunkte

Künstlerin Schreiter stellt ihre Comic-Zeichnungen aus. Ihre Comics erscheinen beim Verlag Panini. Ringelschwandtner präsentiert seine Kurzfilme, in denen er sich auf Bewegungen und Details fokussiert.

Schmidt beschäftigt sich neben dem Schreiben mit Straßengebilden und Wegstrecken. Er entwickelte eine imaginäre Stadt: „SCARL-City“. Straßen sind das Spezialinteresse von Schmidt. Kuhl fotografiert mit seiner analogen Kamera. Straßenlaternen, Strommasten, Baustellen und Werbeplakate sind seine Objekte.

Skorupa hat sich auf den ikonenhaften Stil spezialisiert. Er benutzt Figuren aus der Literatur und Zeitgeschehen sowie Werke aus der Kunstgeschichte. Sein Trägermaterial ist aus Holz. Aaron Fahlefeld liebt die Fotografie. Fotografien mit langer Belichtungszeit und Lichtmalerei sind seine Spezialität.

Menia beschäftigt sich mit großformatiger Ölmalerei. Sie befasst sich ausschließlich mit weiblichen Körpern. Diese sind eingebettet in Naturlandschaften mit Tieren.

Werke waren schon bei Documenta

„Alle Werke der Künstler waren schon in der ‚Documenta‘ in Kassel ausgestellt. Uns ist es wichtig, dass wir in der Ausstellung Spektrum sehr gute Kunst zeigen“, betont Meinschäfer. Er erklärt, dass Autisten nicht darüber nachdenken was sie tun, sie machen es einfach. Das Tun kommt tief aus ihrem Inneren.

„Das macht das ganze Projekt so interessant“, so Fahlefeld. Die Aus­stellung soll kein schweres Thema sein. „Es wird und soll keine Hemmschwelle geben. Es sind Kunst, Lesung, Gespräche, die jeder verstehen wird“, sagt Meinschäfer.

Die Ausstellung soll der Start für das geplante Projekt „Wohn- und Arbeitswelt für Autisten schaffen“ sein, verrieten die Organisatoren.

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