Kultur

Laienschauspieler führen Theater „Kleider machen Leute“ auf

Der Schneider Wenzel Strapinski (rechts)

Foto: Rebecca Häfner

Der Schneider Wenzel Strapinski (rechts) Foto: Rebecca Häfner

Arnsberg.   Das Amateurtheater „Spielwerk Arnsberg“ präsentiert bei der Premiere in der Kulturschmiede eine Novelle von Keller mit moralischer Botschaft.

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Das Licht geht aus und die Musik an. Klänge auf Flöte und Gitarre verraten nicht gleich, um was sich die Geschichte dreht. Es erinnert zunächst etwas an den Rattenfänger von Hameln.

Das Publikum in der Arnsberger Kulturschmiede lauscht gebannt, bis die Schauspieler auf die Bühne treten. Gespielt wird die Premiere von Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute“ – in der Interpretation des Amateurtheaters „Spielwerk Arnsberg“. Der Monolog gleich zu Beginn verrät, was die Zuschauer in den knapp zweieinhalb Stunden erwartet – wie schnell durch feine Kleidung ein falscher Eindruck entsteht und der eigentliche Schneider im schicken Zwirn für einen adligen Grafen gehalten wird. Es ist eine Geschichte über die Oberflächlichkeit, und wie ein Mann zu einem Hochstapler wider Willen wird.

Schneider als Pechvogel

Der Schneider Wenzel Strapinski, gespielt von Bernd Fette, ist ein Pechvogel – sein Arbeitgeber konnte seinen Lohn nicht zahlen, und er bekam stattdessen Kleidung, die ein feiner Herr nie abgeholt hatte. Ohne Arbeit hat der Handwerker Hunger, doch betteln kann er in seinem Aufzug nicht – den armen Schneider kauft ihm keiner ab.

Ein Schuster, gespielt von Ephrem Eling, will es dem Schneider auch erst nicht glauben, dass er kein Adelsmann ist.

Mit Gesangseinlagen wird diese Unterhaltung im Stück aufgepeppt. Der Atmosphäre und dem Stück tut es dabei keinen Abbruch, dass die Einsätze beim Gesang an mancher Stelle holpern. Durch eine Verkettung von verschiedenen Situationen gerät der Schneider in seiner feinen Kleidung in eine Männerrunde in bester Gesellschaft, und die Leute halten ihn für einen Grafen. Immer wieder versucht der Scheider aufzuklären, dass er nicht von adligem Geschlecht ist. Doch die Herren halten es für einen Scherz.

Die Situation für Wenzel Strapinski spitzt sich im Stück immer mehr zu. Als er die Tochter, gespielt von Anja Danne, des Amtsrats Fiedler, gespielt von Andreas Dülberg, heiraten will, fliegt auf, wer er wirklich ist. Die Geschichte zeigt, wie schnell Menschen sehen, was sie sehen möchten. Der Schneider wird zum Grafen gemacht, ohne diese Lüge selbst erzählt zu haben. Das einzige, was der Schneider im Stück versäumt hat – ausdrücklich zu widersprechen.

Dritte Inszenierung für das Ensemble

Für die Laienschauspieler des Spielwerks Arnsberg steckt viel Arbeit in dem Stück, sagt Susanne Gieseke, die zusammen mit Gaby Renner Regie geführt hat. Seit Februar feilt die Truppe an der Aufführung. „Einmal in der Woche haben wir dafür geprobt,“ erzählt Gieseke. Die Kostüme stammen vom Kostümverleih, und das Bühnenbild halte die Laiengruppe möglichst minimalistisch. „Die Stücke sollen unterhalten, aber auch eine Botschaft vermitteln“, erklärt Susanne Gieseke über die Auswahlkriterien.

Mit „Kleider machen Leute“ hat das Spielwerk Arnsberg seine dritte Inszenierung auf die Beine gestellt. Die Auswahl passender Stücke sei relativ schwierig, so Gieseke. Denn eine reine Komödie möchte das Spielwerk nicht auf die Bühne bringen, es soll auch immer etwas vermittelt werden. „Das wird von den Leuten auch gut angenommen, und darüber freuen wir uns“, sagt die Regisseurin.

Die ausverkaufte Premiere und auch die ausverkauften folgenden Aufführungen in der Kulturschmiede geben diesem Konzept recht. Und das Publikum genießt.

>>HINTERGRUND:

  • Beim Spielwerk Arnsberg ­machen 17 bis 18 Leute mit. ­Deswegen werden auch bei der Aufführung einzelne Rollen mit mehreren Personen besetzt und sie spielen an verschiedenen Tagen, erklärt Regisseurin Susanne Gieseke.
  • Zum ersten Mal wird in einem Stück des Ensembles auch Live- Musik gespielt. Manfred Kerl und Dagmar Damkowski-Kerl vom Arnsberger Folkclub spielen ­Gitarre und Flöte.
  • Die nächste Inszenierung der Laiengruppe ist für das nächste Frühjahr geplant.
  • Weitere Informationen zum Spielwerk Arnsberg gibt es im auf der Seite des Ensembles.
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