Wirtschaft

Lichtspezialist Trilux wehrt sich gegen Übernahmegerüchte

Geschäftsführer Thomas Patzelt (links) und Marketing- und Vertriebschef Joachim Geiger blicken optimistisch in die Zukunft. Das Unternehmen Trilux werde in Familienhand bleiben, sind sie überzeugt.

Geschäftsführer Thomas Patzelt (links) und Marketing- und Vertriebschef Joachim Geiger blicken optimistisch in die Zukunft. Das Unternehmen Trilux werde in Familienhand bleiben, sind sie überzeugt.

Foto: Ralf Rottmann

Arnsberg.   Die Geschäftsführung des Lichtspezialisten Trilux aus Arnsberg wehrt sich gegen Übernahmegerüchte durch Chinesen. „Es ist absolut nichts dran!“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Start ins neue Jahr war für den Arnsberger Lichtspezialisten Trilux vielversprechend, die Weltleitmesse Light & Building nach Unternehmensangaben höchst erfolgreich. Möglicherweise weckt genau diese Entwicklung Begehrlichkeiten in der Branche. Wie die Tageszeitung „Welt“ jetzt mit Berufung auf den Nachrichtendienst Bloomberg meldete, soll Trilux ins Visier des chinesischen Milliarden-Konzerns Opple Lighting Co. geraten sein. Trilux würde perfekt ins Beuteschema chinesischer Großunternehmen passen, die sich immer stärker nach hoch innovativen Mittelständlern in Deutschland und entsprechenden strategischen Zukäufen umschauen. Allein: „An den Gerüchten ist absolut nichts dran. Trilux ist seit jeher in Familienbesitz und wird es auch bleiben“, versichert Vertriebs- und Marketingchef Joachim Geiger im Gespräch mit der Westfalenpost.

Konzentration auf Kernkompetenzen

Trilux stehe also keineswegs zum Verkauf. „Weder an Opple Lighting Co. noch an ein anderes Unternehmen“, betont Geiger. Liquiditätsprobleme dürfte es beim deutschen Marktführer für Lichttechnik wohl kaum geben. 2017 erzielten die Arnsberger zumindest beim Umsatz einen gewaltigen Sprung auf geschätzte 714 Millionen Euro, rund einhundert Millionen Euro mehr als 2016 und damit das erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte.

Dass vor einem Monat die Sparte BAG an Osram abgegeben wurde, habe strategische Gründe. Die 35-Mann-Einheit am Stammsitz im Arnsberger Ortsteil Hüsten, die elektronische Steuerungen von Beleuchtungssystemen entwickelt, bleibt zudem örtlich angedockt. Trilux bleibe auch Abnehmer für deren Produkte. „Mit Osram kann BAG schneller wachsen, und wir können uns auf andere Felder konzentrieren“, begründet Trilux-Vorstandsmitglied Thomas Patzelt die formale Trennung.

Umgekehrt öffnet sich das Familienunternehmen zunehmend für Partnerschaften und sucht seine Beteiligungen konsequent in Zukunftsfeldern wie bei der jüngsten Kooperation mit der Deutschen Telekom. Der Telekommunikationsriese bietet Kunden Datenservices, Trilux die Technik für vernetzte Beleuchtungssysteme. Die beiden Unternehmen bezeichnen es als nächsten Schritt der digitalen Transformation des Lichts. Gemeint ist, dass mit der Software der Telekom und den sensorgesteuerten Beleuchtungskonzepten von Trilux in Unternehmen oder auch in öffentlichen Bereichen die Steuerung, Kontrolle und Wartung zum Kinderspiel und vor allem effizienter wird.

Objektgeschäft bleibt Standbein

„Wir verkaufen eine Leuchte, war gestern. Wir verkaufen Licht und Services, ist morgen“, beschreibt Patzelt die künftige Strategie, die gerade begonnen hat. Nicht, dass die hoch erfolgreichen Produkte für Objektbeleuchtung künftig aus dem Programm genommen würden. „Das ist und bleibt ein ganz wichtiges Standbein.“

Die Märkte der Zukunft werden nach Patzelts Prognose aber andere sein als heute. Es ist nur noch nicht abschließend sicher, wie sie genau aussehen werden. Klar ist heute schon, dass Licht im Zeitalter der Digitalisierung viel mehr kann als nur beleuchten. „Heute haben wir intelligente Datenpunkte statt bloß Lichtpunkte“, erläutern Geiger und Patzelt. Das bedeutet, zahlreiche Möglichkeiten über die ursprüngliche Funktion hinaus.

Zum Beispiel eine Straßenlaterne an einem Zebrastreifen, die erkennt, wann ein Fußgänger kommt und sich ein Fahrzeug nähert. „Sie könnte dann blinken, um den Fahrer zu warnen“, gibt Geiger ein bereits mögliches Beispiel für den sinnvollen Einsatz der Technik.

So ein Zukunftsfeld ist auch die Beteiligung am Münchner Start-up Eluminocity. Ende letzten Jahres sind Trilux und Innogy jeweils mit 17,5 Prozent Beteiligung eingestiegen, BMW war bereits vorher dabei. Was heraus kommt, ist noch offen. Aber die intelligentere Straßenleuchte mit Ladefunktion für E-Autos und ganze „Smart City“-Lösungen sind zum Greifen nahe.

Eluminocity ist beispielsweise in Singapur gerade an einem entsprechenden Pilotprojekt beteiligt. Trilux nicht, weil sich die Arnsberger vorwiegend auf die Kernmärkte Deutschland, Europa und Mittlerer Osten konzentrieren wollen.

Intelligente Lichtkonzepte für Städte

„Das wir nicht dabei sind, macht gar nichts“, sagt Patzelt mit großer Selbstverständlichkeit und eben solcher Gelassenheit, die dafür steht, dass Partnerschaften keine sklavische Bindung der Unternehmen bedeuten dürften. „Geschlossene Systeme sind ein schöner Traum, funktionieren aber langfristig nicht. Die einzige Ausnahme ist vielleicht Apple“, sagt Patzelt. Damit liegt er auf der Linie vieler Technologieführer auch anderer Branchen, die immer häufiger untereinander kooperieren, um schneller zum Erfolg zu kommen, statt abgehängt – oder gar geschluckt – zu werden. Und was Singapur gerade erprobt, dürfte für Südwestfalen keineswegs in allzu weiter Ferne liegen – dann natürlich mit Triluxtechnik.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik