Kyrill

Manche Wege sind für immer verschwunden

In diesen von Kyrill geschaffenen Dickichten sind viele Wanderwege für immer verschwunden.

In diesen von Kyrill geschaffenen Dickichten sind viele Wanderwege für immer verschwunden.

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg/Sundern.   Unter schwierigsten Bedingungen müssen die SGV-Wegezeichner nach Aufhebung des Wald-Betretungsverbotes ihre ehrenamtliche Arbeit leisten.

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Kyrill hat das Gesicht des Sauerlandes verändert. Nicht nur das. Auch die Wanderkarten mussten teils neu gefertigt werden, weil Wege in der Sturmnacht für immer unter den in bis dahin unvorstellbaren Massen umstürzenden Bäumen verschwanden.

Aus den Wegewarten und Wegezeichnern der heimischen SGV-Abteilungen wurden so - nach Aufhebung des Wald-Betretungsverbotes - Spurensucher, die sich in ihrer ehrenamtlichen Aufgabe mitunter sogar in Lebensgefahr begaben.

„Da konnte ich mir vorstellen, was im Wald los war“

Als Ralf Maubach, damals verantwortlicher Wegezeichner des SGV Arnsberg und Hausmeister im Schulzentrum Sauerstraße, am Morgen danach die verschobenen Dachziegel auf den Schulgebäuden sieht, „da konnte ich mir vorstellen, was im Wald los war“.

Doch aus seinem Vorsatz, sofort nach Feierabend den Zustand der Wanderwege zu kontrollieren, wird nichts: Die Behörden verhängen ein Wald-Betretungsverbot.

Nach sechs Monaten Betretungsverbot aufgehoben

Als nach sechs Monaten - am 15. Juli 2017 - das Verbot aufgehoben wird, bricht Maubach mit seinem SGV-Kollegen Hubert Herting sofort zur Kontrolle der Wanderwege auf. „Schließlich wollte auch der Hauptverein wissen, wie es vor allem um die Hauptwanderwege bestellt war.“

Undurchdringlich

So fahren Maubach und Herting nach Oeventrop und arbeiten sich unter schwierigsten Bedingungen zum Plackweg hoch. Oben angekommen, wollen sie ihren Augen nicht trauen: „Dort hatte es eine riesige Fläche umgehauen. Ein undurchdringliches Dickicht.“

So versuchen Maubach und Herting - wie alle 31 Arnsberger Wegezeichner - ihr Verantwortungsgebiet zumindest abschnittsweise zu erkunden, um sich überhaupt einen Überblick zu verschaffen.

Aufräumarbeiten dauern bis zu zwei Jahren

„Doch es war zunächst nichts zu machen.“ So bleibt nichts anders als zu warten, bis die Forstleute aufgeräumt und die Wege frei gesägt haben. „Das hat letztlich bis zu zwei Jahren gedauert.“

Doch auch dann reißen die Schwierigkeiten für die hoch motivierten SGVer nicht ab: „Denn manche vertrauten Wanderwege waren in der völlig veränderten Landschaft nicht mehr zu finden.“

Umweg oder Abbruch

So müssen die ersten Wanderer selbst zwei Jahre nach Kyrill noch große Umwege in Kauf nehmen oder die Tour abbrechen.

„Wir selbst sind damals,“ erinnert sich Ralf Maubach, „sogar bis ins Eggegebirge gefahren, um überhaupt wieder einmal ohne Probleme wandern zu können.“

Wenn überhaupt Zeit zum Wandern bleibt. Schließlich haben die Wegezeichner der Arnsberger Abteilung gut 250 Kilometer Wanderweg zu betreuen. Die größte Schwierigkeit dabei: Es gibt keine Bäume mehr für die Markierung mit Wanderzeichen.

Markierungspfähle werden gestohlen

„Deshalb haben wir im Baumarkt Pfähle gekauft, sie tief in die Erde gerammt und dann markiert. Aber 14 Tage später waren sie schon gestohlen.“

Doch was echte SGVer sind, die wissen sich zu helfen. „Wir haben improvisiert und dicke Steine für das Anbringen der Richtungszeichen genutzt.“ Diebstahlsicher.

Schadensaufnahme

Ähnlich die Situation im Bereich der benachbarten SGV-Abteilung Sundern: „Zunächst herrschte große Ratlosigkeit auf allen Ebenen,“ blickt deren Wegewart Herbert Brechmann zurück. „Was aber im Grunde eine gute Sache war, so konnte sich jeder finden und in Ruhe überlegen, was zu tun ist.“

Erste Aufgabe für Brechmann und die Sunderner SGVer ist die Schadensaufnahme an Wegen, Bänken und Tafeln. Eigene Schutzhütten hat die Abteilung nicht.

Im Frühjahr beginnt Neumarkierung

„So sind wir alle ausgeschwärmt und haben 100 Kilometer Weg überprüft,.“ Davon sind 20 Kilometer komplett zerstört, teils völlig verschwunden.

Ein Jahr nach Kyrill, im Frühjahr 2008, beginnt die Neumarkierung der vom SGV Sundern betreuten Wanderrouten. „Aber alle Wege waren da noch nicht wieder freigegeben,“ so Herbert Brechmann.

Bis auf einige Laubbäume alles verschwunden

Am schlimmsten ist es auf dem Ochsenkopf. „Dort haben wir manche Strecken nicht wiedergefunden. Und zwar die Trampelpfade, oft die schönsten Routen.“

Wie die Arnsberger, behelfen sich auch die Sunderner bei der Wegezeichnung mit großen Steinen, alten Wurzeln und wenigen Pfählen. „Bis auf einige Laubbäume war ja dort auf dem Ochsenkopf alles verschwunden.“

Insgesamt leisten die Sunderner 134 ehrenamtliche Arbeitsstunden - und legen dafür 318 Kilometer mit dem Auto zurück. „Das ist eine Menge.“

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