Abschied in den Ruhestand

Marlies Albus: „Gerechtigkeit ist mir wichtig“

Marlies Albus

Foto: Martin Schwarz

Marlies Albus Foto: Martin Schwarz

Neheim.   Marlies Albus leitete 27 Jahre die Verbraucher-Beratungsstelle in Neheim und kämpfte gegen Abzocke. Nun Abschied in den Ruhestand.

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Marlies Albus, die 27 Jahre die Neheimer Verbraucher-beratungsstelle leitete, trat zum 31. Dezember 2017 in den Ruhestand. Am Mittwoch, 10. Januar 2018, - genau 27 Jahre, nachdem am 10. Januar 1991 die Beratungsstelle offiziell eröffnet wurde - wird die 63-jährige Neheimerin offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Ihre Nachfolgerin ist seit 1. Januar 2018 Petra Golly. Unsere Zeitung sprach mit Marlies Albus über ihre 43-jährige Tätigkeit für die Verbraucher-Zentrale NRW (vor Neheim arbeitete Marlies Albus in den Beratungsstellen in Wuppertal und Hagen).


Warum sind Sie Verbraucherberaterin geworden?Marlies Albus: Gerechtigkeit und Fairness sind mir sehr wichtig. Um so schlimmer empfinde ich es, wenn Verbraucher durch dubiose Machenschaften abgezockt werden.


Viele Neheimer wissen, dass Sie mit Herzblut und viel Leidenschaft ihre Arbeit getan haben. Was hat Ihnen Ihr Beruf persönlich bedeutet?
Ich habe in den vergangenen 43 Jahren als Verbraucherberaterin sicherlich Tausende von Menschen beraten. Wenn man dann in vielen Fällen Menschen durch Beratung und Beistand wirksam zu ihrem Recht verhelfen kann, erlebt man eine beruflich sehr erfüllende Aufgabe. Deshalb fällt mir der Abschied jetzt auch wahrlich nicht leicht.


Wie hat sich die Arbeit der Verbraucherberatung in den vergangenen 40 Jahren verändert?
Vor 40 Jahren gab es noch viel Geräteberatung im Sinne von: Was ist die beste Waschmaschine im Preis-/Leistungsvergleich? Das hat sich gewandelt. Mit unserer Rechtsberatungsbefugnis ist in vielen Fällen der Aufwand pro Kundenkontakt erheblich gewachsen. Heute ist in einigen Angelegenheiten erst ein umfangreicher Briefwechsel nötig, um Verbrauchern zu ihrem Recht zu verhelfen. Wir können aber auch in anderen Fällen schnell helfen. Bei Problemen mit Telekommunikationsanbietern haben wir besondere Ansprechpartner in den betroffenen Unternehmen, mit denen schnelle Problemlösungen möglich sind.


Es verwundert, dass Menschen immer wieder auf ähnliche Maschen, wie zum Beispiel bei Gewinnspielen, reinfallen.
Ja, das unverhoffte Geld lockt immer noch stark. Die Beratungsstellen warnen ja seit vielen Jahren die Verbraucher: Warum sollte Ihnen ein Unbekannter plötzlich Geld schenken? Trotzdem verfängt die Masche immer wieder. Deshalb hat es mich persönlich sehr gefreut, dass 2014 der Gewinnspielbetreiber „Friedrich Müller“ vor Gericht gestellt und zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.


Die dubiosen Machenschaften werden immer diffiziler. Kommen Sie rechtlich dagegen noch an?
Hier besteht schon ein Problem. Die deutschen Verbraucher-Zentralen haben mit manchen Gesetzesänderungen schon viel erreicht. Doch nach jeder Gesetzesänderung suchen schwarze Schafe nach neuen dubiosen Wegen, Sachen oder Dienstleistungen überteuert zu verkaufen. Es ist wie ein Wettrüsten. Wir sind mittlerweile im Verbraucherschutzrecht zwar schon gut gerüstet, aber wir müssen immer wieder nachrüsten.


Der Beruf der Verbraucherberaterin bleibt also spannend.
Es ist der spannendste Beruf, den es gibt.


Was werden sie im Ruhestand tun?
Ich werde oft in Wien sein, wo mein Lebensgefährte wohnt. Ich werde aber auch häufig in Neheim sein. Ich möchte mehr Sport treiben und 2018 am Silvesterlauf teilnehmen. Im Jahr 2006 habe ich beim Nordic Walking im Rahmen des Silvesterlaufs den 6.Platz bei über 500 Teilnehmern belegt.

ZUR PERSON:

Marlies Albus, am 17. Oktober 1954 in Wickede geboren, wuchs in Echthausen auf, besuchte die Realschule Neheim und machte an einer Fachschule eine Ausbildung zur Oecotrophologin (mit Praktika in Beratungszentren von Miele, AEG und Dr. Oetker). Nach ihrer Ausbildung trat sie Ende 1974 in den Dienst der Verbraucher-Zentrale NRW, für die sie 43 Jahre tätig war: Zunächst als Verbraucherberaterin in Wuppertal (bis 1976), dann als Beratungsstellenleiterin in Hagen (bis 1989), dann Elternzeit, von Ende 1990 bis Ende 2017 als Beratungsstellenleiterin in Neheim.

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