Polizei

Betrugsmasche „falscher Polizist“ boomt im HSK

Falsche Polizisten rufen (meist hoch betagte) Senioren an, lassen dabei oft Ortsvorwahl und Notrufnummer 110 im Display des Angerufenen erscheinen. Eine perfide Masche, die 2017 im HSK förmlich „explodiert“ ist

Falsche Polizisten rufen (meist hoch betagte) Senioren an, lassen dabei oft Ortsvorwahl und Notrufnummer 110 im Display des Angerufenen erscheinen. Eine perfide Masche, die 2017 im HSK förmlich „explodiert“ ist

Foto: Julian Stratenschulte

Arnsberg/Hochsauerlandkreis.   „Enkeltrick-Betrug“ und „falsche Polizisten“ haben im HSK Konjunktur. Kreispolizeibehörde ermittelt 2017 in 234 Fällen – im Vorjahr waren es 24!

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„Falsche Polizisten oder Enkeltrick – ein alter Hut, darauf falle ich doch nicht rein!“ Offenbar doch, denn wie sonst erklärt sich der in 2017 registrierte exorbitante Anstieg dieser Betrugsmaschen im Hochsauerlandkreis – plus 875 Prozent (!) im Vergleich zum Vorjahr.

„Seit 2017 erreichen die Polizei ‘gehäuft’ Meldungen über Betrugsversuche falscher Polizisten – im HSK sind hohe Schadenssummen zu verzeichnen“, heißt es in der kürzlich von der Kreispolizei vorgelegten Kriminalstatistik 2017 (wir berichteten). Wie die Täter vorgehen, schildert das Team der Polizeilichen Beratungsstelle des HSK:

Falsche Polizisten rufen (meist hoch betagte) Senioren an, lassen Ortsvorwahl und Notrufnummer 110 im Display des Angerufenen erscheinen. Der falsche Polizist schildert z.B. die Festnahme einer ausländischen Einbruchsbande, bei denen eine Liste mit möglichen Einbruchsopfern gefunden wurde – auch der Angerufene stehe auf dieser Liste. Durch perfide Gesprächsführung erhalten die Täter Info zum Vermögen der Opfer.

Mehrere, teils stundenlange Anrufe erhöhen den psychischen Druck auf das Opfer. Zeitgleich wird Misstrauen gegenüber Bankangestellten und oft der örtlichen Polizei geschürt. So werden Opfer dazu gebracht, ihr gesamtes Vermögen von der Bank nach Hause zu holen. Letztendlich wird das Bargeld dann zur kurzfristigen Eigentumssicherung von einem „Zivilfahnder“ abgeholt – und soll nach Festnahme des oder der letzten Täter wieder ausgehändigt werden. Nur hierzu kommt es natürlich nicht...

Angst, für altersverwirrt gehalten zu werden und das teilweise Nichterkennen von Straftaten sorgen leider für ein mangelhaftes Anzeigenverhalten älterer Mitbürger.

>>> HINTERGRUND: Drei Fragen an Kriminalhauptkommissar Oliver Milhoff

Enkeltrick/falsche Polizisten sind in aller Munde. Warum boomt diese Masche trotzdem?

Es handelt si ch bei der betagten Zielgruppe um eher ungefährliche Zeugen. Altersbedingt lassen Erinnerungsvermögen, Seh- und Hörkraft nach. Demenzerkrankungen nehmen zu. Bei ungefährlichen Zeugen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Straftat für den Täter folgenlos bleibt. Zielgruppe/Opfer falscher Polizisten ist entgegen vieler anderer Betrügereien zum Nachteil von Senioren nicht das Alter 60+ sondern eher 75+. Bei Straftaten gegen Senioren gibt es ohnehin ein hohes Dunkelfeld.

Wie suchen sich die Täter ihre Opfer aus?

An Telefonnummern von Senioren kommen die Betrüger oft mittels alter Telefon CD’s oder Telefonbucheinträgen. Hier gucken Sie gezielt nach altmodisch klingenden Namen. Oft kristallisieren sich so viele Wohngebiete heraus, in denen Senioren wohnen.

Ist der HSK derzeit besonders betroffen – und wie reagiert die Bevölkerung?

Aufgrund der demografischen Entwicklung und der im Gegensatz zur Großstadt niedrigeren Polizeidichte ist der Hochsauerlandkreis ein interessantes Einsatzgebiet der Betrüger. Im HSK wohnen auch wohlhabende Senioren. In zahlreichen Info-Veranstaltungen kreisweit höre ich oft von Senioren: „Das könnte mir nicht passieren; wie blauäugig muss man eigentlich sein.“ Viele realisieren nicht, dass sie mit vielleicht 60 Jahren noch gar nicht zur Zielgruppe der falschen Polizeibeamten gehören, für diese sind eben vor allem hoch betagte Senioren interessant.

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