Kreisparteitag

Merz sorgt für Aufbruchsstimmung in Sauerländer CDU

Einstimmig nominieren die Delegierten beim Kreisparteitag in Oeventrop Friedrich Merz als Kandidaten für die Wahl zum Parteivorsitzenden.

Einstimmig nominieren die Delegierten beim Kreisparteitag in Oeventrop Friedrich Merz als Kandidaten für die Wahl zum Parteivorsitzenden.

Foto: Ralf Rottmann

Oeventrop/Hochsauerlandkreis.   Beim Kreisparteitag der CDU in Oeventrop weckt Friedrich Merz viele Hoffnungen. Ein Stimmungsbericht aus Sauerländer Perspektive.

Auf einmal bildet sich eine Traube mitten in der Oeventroper Schützenhalle: Er ist angekommen, der Mann, auf den hier alle gewartet haben. Wer im Gespräch mit seinen Tischnachbarn ist, mag es zunächst gar nicht bemerken. Ohne große Ankündigung betritt Friedrich Merz gemeinsam mit seiner Frau Charlotte den Saal, in dem in wenigen Minuten der Kreisparteitag der CDU Hochsauerland beginnen soll.

Umringt von Kameraleuten und Fotografen aus der gesamten Republik beginnt für Merz ein politisches Heimspiel, an dessen Ende der Arnsberger Polit-Promi wie erwartet einstimmig als Kandidat für die Wahl zum Parteivorsitz nominiert werden wird. Die Vorschusslorbeeren haben die Delegierten im Kopf längst verteilt, gespannt sind hier trotzdem alle auf das, was der 63-jährige ehemalige Unions-Fraktionschef zu sagen hat.

Stolz und Erwartungen

Für die rund 500 Zuhörer in der Halle, Delegierte und Gäste, ist es ein besonderer Tag. „Eigentlich sollte dieser Parteitag ein ganz normaler werden – aber was ist schon normal in diesen bewegten Zeiten?“, meinte auch Landrat Dr. Karl Schneider. Eine solche Aufmerksamkeit wird Kreisparteitagen sonst nicht zuteil.

Dafür sorgt jetzt der Mann, der einer von ihnen ist, ein waschechter Sauerländer, mit dem so mancher hier wohl auch schon ein Glas Pils getrunken hat. Stolz und Erwartungen sind es, die deutlich zu spüren sind entlang der Tischreihen, die heute vom einen Ende der Halle bis zum anderen besetzt sind, so dass eine Videoleinwand nötig ist, damit alle den Redner sehen können.

Hoffnungen auf einen Politikwechsel

Man könnte meinen, hier im Hochsauerland müsste die politische Welt der Christdemokraten noch in Ordnung sein. Hier, wo alle zwölf Stadtverbände die größten Fraktionen in den Räten bilden, wo sie die meisten Bürgermeister und auch den Landrat stellen, wo das Motto „Glaube, Sitte, Heimat“ nicht nur an den Wänden der Schützenhallen geschrieben steht, sondern von vielen Menschen noch ganz selbstverständlich als Wertekanon verteidigt wird. Aber so heile ist sie dann doch nicht, die Welt aus Unions-Sicht. Die Querelen innerhalb der Partei, Wähler- und Mitgliederverluste beschäftigen die Mitglieder auch auf dem Land.

Während Merz selbst sich nicht mit einer Wertung in die Politik der aktuellen Bundesregierung einmischen will, tun es andere Parteimitglieder ganz offen am Rande dieses Parteitags. Sie sind mit vielen Entscheidungen unzufrieden, auch Kritik an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der neben Merz und Annegret-Kramp Karrenbauer das Trio der wohl aussichtsreichen Kandidaten auf den Parteivorsitz bildet, ist zu hören. Wer die Anwesenden dann fragt, ob Merz es wohl anders machen würde, der bekommt als Antwort oft ein „Das hoffe ich“.

Langer Applaus und stehende Ovationen

Der Hoffnungsträger selbst hat sich die Schlagworte „Aufbruch und Erneuerung“auf die Fahnen geschrieben, mit denen er Anfang Dezember zum Bundesparteitag nach Hamburg ziehen wird. Zum Wechsel im Parteivorsitz sagt Merz: „Es ist nicht nur für die CDU, sondern auch für Deutschland ein Einschnitt.“

Und der Wunsch nach genau dem, nach einem Umbruch innerhalb der Partei und darüber hinaus, liegt auch in der Oeventroper Luft, erst recht während des anhaltenden Schlussapplauses und den Standing Ovations nach Merz’ Auftritt. Gespannt wird man in seiner Heimat nun verfolgen, was sich in der Diskussion noch tut bis zum Bundesparteitag.

Jens Spahn spricht in Hüsten

Und so mancher von ihnen wird sich auch ein persönliches Bild von Mitbewerber Jens Spahn machen können. Der spricht am Dienstag, 13. November, in der Hüstener Schützenhalle zum Thema „Deutschland 2030 – Für eine neue Politik der Mitte“.

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