Digitale Welt

Mit einem Mausklick mitbestimmen

Das neue Portal für Interaktive Bürgerbeteiligung wurde im Rathaus vorgestellt. 

Das neue Portal für Interaktive Bürgerbeteiligung wurde im Rathaus vorgestellt. 

Foto: Matthias Schäfer

Sundern.   Sunderner können nun ganz einfach mitbestimmen: Bürger haben das neue Portal vorbereitet, jetzt können Bürger bei PIB abstimmen.

PIB ist da. Ab sofort kann man sich auf der „Plattform für interaktive Bürgerbeteiligung“, eben PIB, registrieren lassen. Und man kann sich sogar schon an den ersten Dingen für Sundern beteiligen, etwa seine Stimme zum Leitbild der Stadt oder zum Namen für die Herzbank an der Ecke Fußgängerzone/Bergstraße abgeben.

Eigentlich sollte PIB ja schon im September zum Stadtfest vorgestellt werden. Doch zu diesem Zeitpunkt signalisierten die jungen Computerprogrammierer des Vereins „Hackerspace Sundern“ rechtzeitig, dass es noch Schwierigkeiten gäbe. Nun läuft - nach einem intensiven Test - alles rund: „Wir haben gut 800 Stunden programmiert, überprüft, geändert und getestet“, erzählt Lukas Mertens vom Hackerspace bei der Präsentation von PIB im großen Ratssaal.

Anfangs 25 Aufgaben gelistet

Wie sich das System entwickelt hat, zeigt die folgende Zahl: „Anfangs haben wir mit 25 Aufgaben, die zu absolvieren waren, gerechnet, aktuell sind es am heutigen Tage 516“, so Hackerspace-Kollege Michael Fettin. Beide haben die Programmierung in ihrer Freizeit gemacht, anschließend waren in der Endphase 30 Testpersonen einbezogen. „Jeder Schritt wurde aber nochmals mit dem Rathaus rückgekoppelt, etwa um sicherzustellen, was passieren soll, wenn ein Mitarbeiter ausscheidet“, erklären beide den Aufwand, den das System ins Rollen gebracht hat.

Großes Lächeln

Das größte Lächeln hat bei der Präsentation Bürgermeister Ralph Brodel:

„Wir leben in einer Gesellschaft, die beteiligt und mitgenommen werden will. Auf PIB kann man das und bekommt am Ende ein klares Meinungsbild“, ist sich das Stadtoberhaupt sicher. Wenn man nur Ja und Nein hätte abfragen wollen, so seine Aussage schon beim Start des Projektes vor über einem Jahr, dann hätte man es nicht machen brauchen: „Das ist jetzt kein Portal für die üblichen verbalen Erleichterungen“, verweist Brodel auf andere Portale. Bei PIB müsse man sich schon über das Thema informieren, um abzustimmen oder seine Meinung zu sagen. Dazu haben die Programmierer einige Hürden eingebaut: So muss man sich mit seinem echten Namen anmelden und abstimmen darf am Ende nur der, der auch die jeweils im Projekt angehängten Dokumente gelesen hat.

Das sind mal mehr, mal weniger. Im ersten Projekt „Herzbank“ muss man lediglich einen der vorgegebenen Namen anklicken, bei komplexeren Themen muss man sich schon ein wenig Zeit nehmen, bevor man Ja oder Nein anklickt. Das geht dann nicht so einfach in einer kleinen Pause: „Allerdings zeigt die Plattform auch den mutmaßlichen Zeitaufwand an“, so Julia Wagener, Wirtschaftsförderin der Stadt, die das System von Anfang an begleitet hat.

Nur für Sunderner

Und auch andere Mitdiskutierer will man ausschließen: „Lediglich Menschen, die aus Sundern stammen, heute aber woanders wohnen, können mitlesen, was in ihrer Heimatstadt passiert“, sagt Brodel. Dazu muss man sich an den Administrator wenden. „Die Registrierung ist entgegen dem Zeitgeist“, beurteilt Brodel das umfangreiche Anmeldeverfahren (siehe Infobox). Aber auch dafür gibt es Interessierte, die nach Sundern schauen: „Der Beteiligungs-Verein Berlin schaut sich unser Projekt an und will wissen, wie es läuft“, so Brodel.

Er nehme die Bürgerbeteiligung äußerst ernst. Und die Plattform läuft transparent: Man sieht, wie viele Menschen abgestimmt haben, und nach der jeweiligen Ablaufzeit, bei der Herzbank etwa bis 31. Dezember, erscheint das Ergebnis als Kuchengrafik: „Vorher einen Stand mitzuteilen, sehen wir nicht als fair an“, sagt Michael Fettin dazu. Ganz wichtig ist auch sein Hinweis, dass alle Fragen beantwortet werden müssen, sonst werde die Stimme nicht gezählt.

Dank an Sparkasse

Dank ging am Ende von Ralph Brodel an das Hackerspace, Wirtschaftsförderin Julia Wagener und vor allem an die Sparkasse, die das Projekt finanziell unterstützt.

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