Amtsgericht

Mit großer Liebe zum Beruf

„Wir haben den Verlust eines Spitzenspielers mit dem Transfer einer Spitzenspielerin kompensiert,“ sagt Landgerichtsdirektor Peter Clemen (links) bei der Amtseinführung von Amtsgerichtsdirektorin Charlotte Merz und der Verabschiedung ihres Vorgängers Bernd Woyte (rechts).

„Wir haben den Verlust eines Spitzenspielers mit dem Transfer einer Spitzenspielerin kompensiert,“ sagt Landgerichtsdirektor Peter Clemen (links) bei der Amtseinführung von Amtsgerichtsdirektorin Charlotte Merz und der Verabschiedung ihres Vorgängers Bernd Woyte (rechts).

Foto: Feierliche Einführung Charlotte Merz zur Direktorin des Amtsgerichts

Arnsberg.   Charlotte Merz folgt auf Bernd Woyte und ist neue Direktorin des Amtsgerichtes Arnsberg. Sie setzt auf Qualität, Begeisterung und Mannschaftsgeist.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Großer Bahnhof- und das gleich aus doppeltem Grund: Am Freitagmorgen wurde Charlotte Merz als neue Direktorin des Amtsgerichts Arnsberg von Landgerichtspräsident Peter Clemen offiziell in diese juristische Spitzenfunktion eingeführt, zugleich ihr Amtsvorgänger Bernd Woyte zum zweiten Mal verabschiedet. Nun aber, nach einer internen Feier im vergangenen Jahr, ebenfalls ganz offiziell.

Während dabei die neue Chefin zwei strahlende Augen zeigt, ist bei Bernd Woyte auch etwas Trauer im Spiel: „Weil ich mich in den 12 Jahren meiner Tätigkeit in Arnsberg stets sehr wohl gefühlt habe.“ Gleichwohl aber, versichert Woyte, genieße er nun seit seinem Wechsel im vergangenen Oktober sein neues Amt als Vizepräsident des Landgerichtes Paderborn und „nun natürlich diesen Besuch an meiner alten Wirkungsstätte mit den vielen vertrauten Gesichtern“.

Vertrauen in die Mitarbeiter

Denn sein Vertrauen in die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - ob im Richter- oder im Verwaltungsdienst - sei nie enttäuscht worden. Im Gegenteil: „Ich konnte mich immer auf Sie alle verlassen.“ Dabei lobt Woyte auch die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Personalrat. In seinem beruflichen Handeln, gibt Bernd Woyte einen launigen Blick auf sein Innenleben frei, orientiere er sich stets an einem fußballerischen Erfolgsrezept: „Den Ball flach halten und den richtigen Pass spielen.“

Der Ball liegt nun bei Charlotte Merz, die jedoch im Amtsgericht Arnsberg kein Neuland betritt. Schließlich war sie dort bereits Richterin und stellvertretende Direktorin, ehe sie 2013 als Direktorin zum Amtsgericht Meschede wechselt. Doch als dann mit dem Weggang von Bernd Woyte die Stelle in Arnsberg frei wird, zieht es die gebürtige Saarländerin und seit langen Jahren mit ihrer Familie in Niedereimer lebende Juristin zurück in die Heimat - und zurück zum größten Amtsgericht des Bezirks.

Die Juristerei wird Charlotte Merz in die Wiege gelegt: Vater Anwalt, Großvater Anwalt, Tante Anwältin. „Alle unsere Tischgespräche drehten sich da natürlich zu Hause nur um ein Thema.“ Ein Thema, das die heute 55-Jährige noch immer begleitet. Obwohl: Es hätte anders kommen können.

„Denn ich wollte unbedingt in Bonn studieren. Das war zunächst mein größter Wunsch.“ So kommen verschiedene Ideen auf den Tisch: Chemie, „aber da steht man ewig im Labor“, Archäologie, „aber da klebt man immer nur alte Scherben“. Auch Kunstgeschichte steht kurzzeitig auf der Agenda. „Doch dann habe ich mir gesagt: Warum nicht Jura?“ Was dann so geschieht - in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Und es ist die richtig Entscheidung: „Ich war vom ersten Semester an begeistert.“

Und die Begeisterung für den Beruf des Juristen ist ihr geblieben. Und aus dieser Begeisterung leitet Charlotte Merz auch einen Ratschlag an die jungen Menschen ab: „Studiert das, wofür das Herzblut fließt. Denn mit Leidenschaft für eine Sache schafft man alles.“ Dieses Kriterium bei Studien- oder Berufswahl sei für sie ein ganz entscheidendes.

Allerdings, räumt die neue Amtsgerichtsdirektorin ein, betrete man mit dem Beginn eines Studiums eine komplett neue Welt. Deshalb solle man in den ersten drei Semestern genau prüfen, ob der eingeschlagene Weg der persönlich richtige ist. „Brenne ich für die Sache oder muss ich mich quälen?“

Offen für Kritik

Zurück zum Amtsgericht: Dessen Aushängeschild, sagt Charlotte Merz am Freitag im Rahmen einer Feierstunde, sei die hohe Qualität der dort geleisteten Arbeit, an der alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Anteil hätten. Diese Vorgabe gelte es weiterhin nach Außen zu erfüllen. „Mit Begeisterung, denn wer gern arbeitet, der arbeitet auch gut.“

Hausintern will Charlotte Merz eine „offene Feedback-Kultur“ pflegen, weil Kritik und Offenheit für qualitativ gute Arbeit unerlässlich seien und weil es niemanden gebe, der keine Fehler mache. „Und mein ganz besonders Kernanliegen ist Euer Wohlergehen.“

Berufsstart als Rechtsanwältin

Vor dem Eintritt in den Richterdienst war Charlotte Merz in Bonn als Rechtsanwältin tätig.

Kurz nach ihrem Umzug nach Arnsberg 1994 trat sie in den Richterdienst ein.

Sie war unter anderem tätig am Landgericht Arnsberg und am Oberlandesgericht Hamm.

Charlotte Merz hat sich besonders auf Familien- und auf Insolvenzrecht spezialisiert.

Die Ehefrau des früheren CDU-Spitzenpolitikers Friedrich Merz ist Mutter dreier Kinder und: dreifache Großmutter.

Hobbys: u.a. Garten, Spaziergänge mit dem Hund und Golf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben