Gericht

Müscheder (51) nach Bedrohung seiner Verlobten angeklagt

Gegen die Polizei leistet der Täter Widerstand und bedroht einen Beamten mit einer Schusswaffe.

Gegen die Polizei leistet der Täter Widerstand und bedroht einen Beamten mit einer Schusswaffe.

Foto: Lars Heidrich

Müschede.   Ein 51-jähriger Müscheder sticht mit einem Messer auf seine Verlobte ein und löst dann einen SEK-Einsatz aus. Jetzt steht der Mann vor Gericht.

Ein Beziehungsstreit ist im November 2017 in Müschede eskaliert. Jetzt musste sich ein 51-jähriger Mann dafür vor dem Schöffengericht verantworten. Schon mehrfach vor der Tat hatte die Lebensgefährtin in der Nachbarschaft Schutz und Hilfe gesucht, weil sie von ihrem Verlobten angegriffen und verletzt worden war.

Mit einem Messer hatte er am Tattag auf sie eingestochen, aber die Fliehende nur mit drei Stichen in ihre Jacke getroffen. Ein Zeuge vor Gericht: „Der Mann hat schon mehrfach seiner Verlobten gedroht: Ich steche dich ab. Dann kommst du auf die Müllkippe.“ Bei dem letzten Streit verständigten die Nachbarn die Polizei, die mit drei Streifenwagen anrückten.

Alle Bemühungen, mit dem Mann ins Gespräch zu kommen, blieben vergebens. Er schlug, als er sah, wer ihn aufsuchen wollte, die Haustür zu und kündigte an: „Wenn ihr nicht abhaut, wird etwas passieren. Ich will, dass meine Verlobte zu mir kommt, sonst zünde ich das Haus an.“ Ein Polizist, der mit dem Angeklagten die bei einer solchen Lage notwendige Gefährderansprache führen wollte, schaute durch den Briefeinwurf der Haustür, woraufhin der Angeklagte eine Pistole aus diesem Spalt nach draußen auf den Beamten richtete.

Täter verbarrikadiert sich in seiner Wohnung

Der Mann verbarrikadierte sich, indem er alle Jalousien herunterließ. Die bedrohliche Lage machte den Einsatz eines Sonder-Einsatzkommandos (SEK) notwendig. Deren Verhandlungsgruppeversuchte zunächst über eine Stunde vergebens mit dem Störer Kontakt aufzunehmen. Dann ging alles sehr schnell. Das SEK drang durch mehrere Fenster gleichzeitig in die Wohnung ein. Der 51-Jährige wurde zu Boden gebracht und gefesselt. Bei dem Eingriff trug er eine Nasenverletzung und Hämatome davon. Seine Meinung vor Gericht: „Der Einsatz war völlig überzogen. Er ist aus dem Ruder gelaufen.“

Der Staatsanwalt hatte den Müscheder wegen Bedrohung vor dem Amtsgericht angeklagt. Auf Grund seines Gesamtverhaltens war es nötig geworden, ein Gutachten über seine Schuldfähigkeit erstellen zu lassen. Der Mann verweigerte jedoch jegliches Gespräch mit einem Facharzt: „Ich bin sowieso unschuldig. Das wird sich vor Gericht erweisen.“

In Anlehnung an ein schon vor Monaten erstelltes Gutachten und dem Verhalten des Angeklagten kam der Sachverständige zu dem Ergebnis, dass sein Verhalten von der Norm abweicht. Er habe zur Tatzeit nicht unter einem Realitätsverlust gelitten. Seine Steuerungsfähigkeit allerdings sei erheblich beeinträchtigt gewesen, was für eine verminderte Schuldfähigkeit spreche.

Richter unterbricht die Verhandlung

Ähnliche Straftaten seien für die Zukunft zu erwarten. Eine Unterbringung scheitere aber daran, dass er nicht für die Allgemeinheit, sondern „nur“ für seine Verlobte gefährlich werden könne. Um sich ein abgerundetes Bild seiner Persönlichkeit machen zu können, entschied das Gericht, den Arzt als Zeugen zu laden, mit dem der Angeklagte zur Tatzeit Kontakt aufgenommen hatte. Die Hauptverhandlung wird am 29. März fortgesetzt. Dann dürfte das Urteil verkündet werden.

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