„Eben die Welt retten“

Nachhaltigkeit im Garten: Vom Rasenmäher zum „Bienenmann“

Bart und Rasen wachsen gleichermaßen: Muss nicht immer „gemäht“ werden.

Bart und Rasen wachsen gleichermaßen: Muss nicht immer „gemäht“ werden.

Foto: privat

Im „Weltretter“-Tagebuch erzählt Redaktionsleiter Martin Haselhorst, wieviel Spaß eine Bewusstseinsänderung im Reihenhaus-Garten machen kann.

Nein, ein großer Gärtner war ich eigentlich nie. Jetzt aber hat sich auf besonderer Art und Weise mein berufliches Tun auf mein privates Schaffen ausgewirkt. Auch unsere Redaktion setzt sich mit den Nachhaltigkeitsthemen auseinander. Vor allem mit den Haltungsfragen: Was kann ich eigentlich ganz persönlich tun, um Müll zu vermeiden, CO2 einzusparen oder Insekten zu retten?


In der Serie „Weltretter“ erkläre ich mich bereit, einen Monat beruflich wie privat so gut wie möglich auf das Auto zu verzichten. Fahrradfahren, wo und wann es geht. Auch wenn das Auto manchmal doch schneller und weniger anstrengend wäre. Schon vorher aber hat mich unsere eigene Serie „Zukunft pflanzen“ und die Beschäftigung mit den möglichen „grünen“ Themen inspiriert, im eigenen Garten etwas anders zu machen als früher.


Im Interview erzählt mir die Arnsberger BUND-Sprecherin Birgit Jakubzik, warum es gut sein kann, seinen Rasen nicht immer und vor allem nicht überall kurz zu mähen. Sie sprach von einer Wüste zwischen den Grashalmen, wenn die Sonne auf den Rasen knallt. Wüste will ich nicht. Seit sechs Wochen also lasse ich mir zwei Kreise im Reihenhausgarten wachsen, ohne dort noch einzugreifen. Die Wiese dort wird nicht mehr gemäht. Inzwischen sind das zwei spannende Inseln geworden. Wenn rund herum die Sonne den Rasen bruzzeln lässt, halten sich auf dem inzwischen schon kniehoch gewachsenen Kleinod noch Wassertropfen und Feuchtigkeit am Boden. Folge: Zahlreiche Insekten fliegen und verkrabbeln sich zur Mittagszeit dorthin. Erst belächelt von der Familie ob meiner Wandlung zum „Bienenmann“, finden das inzwischen alle interessant. Selbst die großen Kinder knien sich vor die Raseninsel und gucken, was sich darin so tut.

Tag 1: Martin Haselhorst radelt für mehr Nachhaltigkeit
Tag 1: Martin Haselhorst radelt für mehr Nachhaltigkeit

Gleiches mit meinen Schlupflöchern für Insekten und allerlei Getier. In den Rahmen einer Holzpalette habe ich den Baumschnitt vom Apfelbaum eingeflochten. An zwei anderen Ecken liegen Mini-Holzpolter mit eingebohrten Löchern. Keine Ahnung, ob das was bringt. Aber irgendwelche Tierchen schwirren da jetzt immer rum und sorgen für mehr Vielfalt im Garten. Und dann macht Komponente drei doch gleich doppelt Spaß: Ab und an einmal Homeoffice erspart ebenfalls Autofahrten ins Büro. Ist der Laptop dann einmal im Garten aufgeschlagen, bestaune ich das große Krabbeln und Schwirren der Kleintiere umso mehr.

Kaum zu glauben: Mit 53 Jahren habe ich es geschafft, verändertes Bewusstsein zu entwickeln. Dazu brauchte ich keine Pharisäer und Bekehrer - nur ein wenig Auseinandersetzung mit dem Thema. Haltung zu zeigen ist wahrlich keine Last.

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