Ev. Kirche

Neheim: Carl-Ernst Kattwinkel vor 50 Jahren ordiniert

Pfarrer im Ruhestand Carl-Ernst Kattwinkel (rechts) feiert das 50-jährige Priesterjubiläum. Dr. Udo Arnoldi überreicht ihm und dessen Ehefrau Meta ein Foto des alten Gemeindehauses im Fresekenweg.

Pfarrer im Ruhestand Carl-Ernst Kattwinkel (rechts) feiert das 50-jährige Priesterjubiläum. Dr. Udo Arnoldi überreicht ihm und dessen Ehefrau Meta ein Foto des alten Gemeindehauses im Fresekenweg.

Foto: Privat

Neheim.  50 Jahre ist Carl-Ernst Kattwinkel nun Priester. Und obwohl er bereits im Ruhestand ist, ist er noch immer in der Gemeinde engagiert.

In einem feierlichen Gottesdienst in der Ev. Christuskirche in Neheim beging der 79-jährige Pfarrer im Ruhestand, Carl-Ernst Kattwinkel, am Sonntag sein 50-jähriges goldenes Priesterjubiläum.

Begleitet an der Orgel vom Kantor Weimar und musikalisch unterlegt vom Posaunenchor unter Leitung von Dirk Beyrodt zog der Jubilar - umgeben von den Pfarrern i.R Werner Bühner und Alfred Hammer, Vikarin Anthea Kuhn und Pfarrer Dr. Udo Arnoldi - in die gut besuchte Christuskirche ein.

Sie war ihm bestens vertraut, denn dort hatte er am 1. Advent 1969 sein Amt als Gemeindepfarrer angetreten und bis 1998 ausgeübt. Der ehemalige Superintendent Hammer würdigte Kattwinkel als wahrhaft engagierten, kritischen Geist, der aber fest in seiner Gottesbeziehung sei.

Auch der katholische Kollege gratuliert zum Priesterjubiläum

Im anschließenden Empfang im Gemeindehaus Christuskirche dankte Udo Arnoldi im Namen der Gemeinde Carl-Ernst Kattwinkel für dessen fortwährende und unentgeltliche seelsorgerische Arbeit auch im Ruhestand und überreichte ihm und seiner Frau Meta ein schönes Foto vom alten Gemeindehaus im Fresekenweg.

Carl-Ernst Kattwinkel nahm auch die Glückwünsche des katholischen Pastors Stephan Jung entgegen und informierte die Gemeinde, dass alle ihm zugedachten Spenden in ein Entwicklungsprojekt in Kenia fließen.

Carl-Ernst Kattwinkel spendet den Menschen immer noch Trost

Auch nach 50 Jahren als Seelsorger ist Carl-Ernst Kattwinkel noch nicht müde, den Menschen Trost zu spenden, wenn sie ihn brauchen, ihnen ein Ohr zu leihen, wenn die allmächtige Trauer sie schier zu ersticken droht.

Der inzwischen 79-jährige Kattwinkel braucht nicht lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Wenn er erzählt, ist er in seinem Element. Seine Geschichten und Geschichtchen weiß er blumig auszustatten, so dass dem Gegenüber gar nichts anderes übrig bleibt, als gebannt an seinen Lippen zu hängen.

Das 50-jährige Ordinationsjubiläum war ein besonderer Tag im bewegten Leben des Seelsorgers, der aus dem Sauerland stammt und es nie wirklich verlassen hat. Auch nach seiner Pensionierung 1998 ist es ihm Heimat geblieben. Und noch heute hilft er regelmäßig in seiner „alten“ Kirchengemeinde.

Am 1. Advent 1969 wurde Carl-Ernst Kattwinkel ordiniert

Ostern 1969 erfolgte der Ruf der Landeskirche, eine Stelle in Neheim anzutreten. Kattwinkel war damals Hilfsprediger in Herford. „Man wollte mich so schnell wie möglich ordinieren, damit ich die verwaiste Stelle antreten konnte.“

Am 1. Advent 1969 fand dann tatsächlich schon die Ordination statt. Der Start in der neuen Kirchengemeinde war allerdings von leichten Störgeräuschen begleitet: Im Presbyterium war man der Meinung, dass das Auto, mit dem Kattwinkel seinerzeit fuhr, eines Pfarrers unwürdig sei. „Das war eine Ente, ein Citroën. Aber natürlich bin ich den Wagen weitergefahren.“

Kattwinkel hat nicht lange gebraucht, um die Herzen der Menschen in seiner Kirchengemeinde zu erobern. Volks- und lebensnah, stets ein offenes Ohr und das eigene Herz am rechten Fleck – das waren Eigenschaften, die den bodenständigen Sauerländern gefielen. Und auch, dass ihr Pfarrer den Mut aufbrachte, eingeschlagene Wege zu verlassen und Neuland zu betreten.

So etwa 1971, als ein junges Paar – er katholisch, sie evangelisch – um eine ökumenische Trauung nachsuchte: „Keiner wusste damals, wie so etwas gemacht wird. Aber wir haben es einfach gemacht.“ Ganze zweieinhalb Stunden habe die Vorbereitung gedauert:

„Dann war das Thema durch.“ Auf Ebene der Landeskirche habe man anschließend zweieinhalb Jahre gebraucht, um ein Konzept für eine ökumenische Trauung zu erarbeiten.

Carl-Ernst Kattwinkel musste einige „Schläge“ von Kollegen einstecken

Dass diese Ehe, vielleicht eine der ersten ökumenischen im so tief katholischen Sauerland, auch heute noch hält, erfreut Carl-Ernst Kattwinkel mit besonderer Freude: „In knapp zwei Jahren werden sie Goldene Hochzeit feiern. Darauf freue ich mich schon.“

Dass er damals für reichlich Aufruhr in der heimischen Presse gesorgt hat und „einige Schläge von Kollegen“ einstecken musste, hat ihn nie sonderlich gestört. Im Gegenteil: Das hat er fast schon als Bestätigung genommen, in diesem Fall alles richtig gemacht zu haben.

„Wenn etwas gegen mein Gewissen geht, kann ich ziemlich stur sein“

Beinahe entschuldigend schränkt er dennoch ein: „Ich war nie ein Revoluzzer.“ Wohl aber ein Pfarrer mit breitem Kreuz und aufrechtem Gang: „Wenn etwas gegen mein Gewissen geht oder etwas ungerecht ist, kann ich ziemlich stur sein. Dann habe ich den eisernen Willen, dagegen anzugehen.“

Dabei hat er auch die Konfrontation mit der Landeskirche nicht gescheut. Vor allem während seiner Zeit als Synodalassessor blieb die ein oder andere Reiberei nicht aus. Dass er nie Superintendent geworden ist, obwohl er dafür zahlreiche Unterstützer hatte, hat er nie wirklich bedauert:

„Ich wollte eigentlich immer Gemeindepfarrer sein – nah an den Menschen, nah an den Gläubigen.“ Und das ist er auch heute noch – trotz Ruhestand.

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