Kultur

Neheim: Helge Schneider begeistert bei „Überdacht“

Helge Schneider unterhält das Publikum bei „Überdacht“ in Neheim zusammen mit Gitarrist Henrik Freischlader und seinem Sohn „Charlie the Flash“ am Schlagzeug.

Helge Schneider unterhält das Publikum bei „Überdacht“ in Neheim zusammen mit Gitarrist Henrik Freischlader und seinem Sohn „Charlie the Flash“ am Schlagzeug.

Foto: Frank Albrecht

Neheim.  Lachkrämpfe inklusive: Helge Schneider tritt beim Kulturfestival „Überdacht“ in Neheim auf. An seiner Seite ist der Junior.

Rund 250 Gäste haben sich bei der Kulturveranstaltung „Überdacht“ am Kunst-Werk in Neheim von Helge Schneider begeistern lassen. Schneider – echt, witzig, so wie es die Zuschauer von ihm erwartet und erhofft hatten, stand auf der Bühne und enttäuschte keinen seiner Gäste. Mit einer sehr gelungenen Mischung aus Musik, Comedy und edler Blödelei fing der Künstler seine Zuschauer schon Sekunden nach seinem Auftritt ein.

Bunt und abwechslungsreich war das rund 90 Minuten lange Programm, mit einer kleinen Pause. Die war nötig, um sich die Tränen endlich mal richtig aus den Augen wischen zu können, für die Helge Schneider schon mit den ersten Sätzen auf der Bühne sorgen konnte.

Lachkrämpfe im Publikum

Wie es bestimmt nicht anders erwartet wurde, stolperte er gleich über die Kabel und musikalischen Utensilien für seine Show – auf diese kleine Bühne, wie er sich mehrfach im Scherz beklagte. Und überhaupt – während andere Künstler aus Höflichkeit beim Husten das Mikrophon meiden würden – Schneider hat es ganz bewusst gesucht und weckte seine ohnehin hellwachen Zuhörer auf.

Sein Eröffnungsschlager „Heute hab’ ich gute Laune“ entsprach genau der Gemütsauffassung des Publikums, das Schneider mit den ersten Sätzen und Tönen auf seiner Seite hatte. Seinen Hauptplatz während der Show hatte der Künstler an seiner legendären Hammond-Orgel gefunden, die ihn schon 30 Jahre lange begleite, wie er verriet. Kein Zweifel im Publikum, bei den Tönen, die er dem Musikgerät entlockte.

Begleitet vom Gitarristen Henrik Freischlader, der am Dienstag mit seiner Band alleine auf der Kunst-Werk-Bühne steht, und dem Sohn Schneiders am Schlagzeug, „Charlie the flash“, bekam das Publikum zu den sprachlichen auch noch musikalische Feinheiten geboten. Ob beim gleichzeitigen Spielen von Orgel und Klavier oder den Regieanweisungen für sein Mit-Spieler auf der Bühne: Selbst der Versuch, seine E-Gitarre vor Publikum zu stimmen, wurde von ihm grandios zelebriert und somit zu einem eigenen vollständigen Beitrag im Programm.

Bei der Frage an Gitarrist Freischlader und das Publikum „Wer ist denn hier jetzt falsch?!“ gab es bei seinen Fans kein Halten mehr. Nicht selten, dass Schneider so manches Lied wegen eines Lachkrampfs unterbrechen musste - ob gespielt oder echt: Es hat gewirkt. Genauso wenn er in seinen Liedern („Jetzt wieder mit Musik!“) und Texten ganze Geschichten erzählt, die sich im Kopf wie beim Lesen eines Buches entfalten.

Ein Ruhrpottler im Sauerland

Und natürlich hat Helge Schneider auch den Lokalkolorit bedient: Er haben ja immer schon in Neheim-Hüsten spielen wollen. Oder? „Einfach Neheim!“, damit hatte Helge gleich alle auf seiner Seite. Schon bei der Fahrt ins Sauerland habe er gedacht „Hier kaufe ich ein Dorf!“ Und dass er in Winterberg schon an einer Ski-Meisterschaft – allerdings nur auf der Nebenstrecke – teilgenommen hatte, war nur ein Aspekt seiner sportlichen Erfolgsgeschichte, die er dem Publikum als solche zu verkaufen suchte.

Auch wenn der Höhepunkt seiner Show schon in den ersten Minuten erreicht war, zählten seine stimmlichen Anleihen bei Kollegen aus dem Showbiz zum Besten. Wie es sich anhört, wenn Udo Lindenberg schläft, vermochte Helge Schneider absolut glaubhaft zu vermitteln, ebenso die Stimme von Louis Armstrong, dessen Melodien er sich nur bruchstückhaft bediente.

Zum Klassiker „Smoke on the Water“ von Deep Purple öffnete Schneider dann sein „Haarteil“, um mit wallender Mähne zum Headbanging überzugehen. Sein Publikum hielt es kaum noch auf den Sitzen und die herbei geklatschte Zugabe kam prompt. „Noch einmal für Neheim-Hüsten, äh – ohne Hüsten!“

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