Erinnerung

Neheim: Neues Kunstprojekt unter der Autobahnbrücke

An den Pfeilern der Autobahnbrücke in Neheim sollen insgesamt 17 Edelstahlplatten mit eingeätzten Fotografien ihren Platz finden – ohne das Bauwerk zu beschädigen.

An den Pfeilern der Autobahnbrücke in Neheim sollen insgesamt 17 Edelstahlplatten mit eingeätzten Fotografien ihren Platz finden – ohne das Bauwerk zu beschädigen.

Foto: Breuer/meinschäfer

Neheim.  In Neheim will Künstlerin Astrid Breuer mit großen Fotografien an der Autobahnbrücke an das Schicksal von 17 Zwangsarbeiterinnen erinnern.

Den Opfern der Möhnewiesen will Künstlerin Astrid Breuer ein weiteres Großprojekt widmen. An den Säulen der Neheimer Autobahnbrücke will sie Porträts von 17 Zwangsarbeiterinnen zeigen, die bei der Möhnekatastrophe ums Leben kamen.

Am selben Ort hatte die Künstlerin bereits mit einem vorübergehenden Kunstprojekt für Aufmerksamkeit gesorgt, jetzt sollen dort langfristig an das Schicksal der Frauen erinnert werden – nicht mittels Namen auf einer Steintafel, sondern groß und sichtbar. Wer in Zukunft sein Auto unterhalb der Brücke parkt, die Skateranlage nutzt oder auf dem Ruhrtalradweg vorbei radelt, der soll den Frauen direkt ins Auge blicken.

Tafeln mit QR-Code

„Das Schicksal dieser Frauen wurde bisher noch nicht moralisch und emotional aufgearbeitet“, sagt Astrid Breuer. Daher möchte sie ihre bisherigen Projekte weiterführen und die Fotografien der Zwangsarbeiterinnen im Großformat öffentlich ausstellen.

Informationstafeln mit QR-Codes, die zur virtuellen Ausstellung über die Opfer der Möhnewiesen führen, sollen auch Ortsfremde aufklären: Über die Todesumstände der größtenteils ukrainischen jungen Frauen, die am 17. Mai 1943 in den Neheimer Arbeitslagern keine Chance hatten, der verheerenden Flut zu entkommen.

Etwa einen Meter breit und eineinhalb Meter hoch sollen die in Stahl geätzten Porträts werden. Die Bürgerstiftung hat bereits 10.000 Euro an Fördermitteln zugesagt, damit ist die Hälfte der Kosten gedeckt. Nun wirbt Astrid Breuer gemeinsam mit Kirsten Minkel als Leiterin des Kulturbüros um weitere Unterstützer.

Warten auf Genehmigung

Zudem warten sie noch auf die Genehmigung des Landesbetriebs Straßen NRW. Sollte die Genehmigung frühzeitig erteilt werden, ist eine Eröffnung bereits im Mai erwünscht. Die Edelstahlplatten sollen in jedem Fall so angebracht werden, dass die Brückenpfeiler unbeschädigt bleiben. Die Platten selbst sind witterungsresistent und rostfrei.

Die bisherigen Reaktionen auf ihre neuen Pläne stimmen die Künstlerin optimistisch. Von vielen Seiten habe sie Zuspruch und Unterstützung erfahren. Sorge hatten einige Neheimer vor Vandalismusschäden. Aus Sicht von Minkel und Breuer ist davor kein Kunstprojekt im öffentlichen Raum gefeit, aber mit den großen Figuren aus Papier, die Astrid Breuer bereits 2018 an die Brückenpfeiler angebracht hatte, habe man gute Erfahrungen gemacht.

„Es ist nicht ein einziges der Paste-ups übermalt worden“, sagt sie. Deshalb rechne sie auch bei den Fotografien mit einer hohen Akzeptanz. Zumal sie so hoch angebracht werden sollen, dass sie ohnehin nur per Leiter erreicht werden könnten.

Konzerte und Lesungen

Astrid Breuer ist es wichtig zu betonen, dass die Installation Teil des öffentlichen Lebens werden soll. Sie kann sich Lesungen, Konzerte und auch Lichtkunst an der Autobahnbrücke vorstellen. Die Installation solle keinesfalls für eine Grabesstimmung sorgen – eher im Gegenteil. „Erinnerung kann man durchaus vereinbaren mitlebensbejahenden Veranstaltungen“, so Breuer. „Ich möchte keinen zweiten Friedhof schaffen.“

In ihrer Vorstellung wird die Installation nicht nur mit Kulturveranstaltungen verschiedener Art zusammenpassen, sondern auch den Ruhrtalradweg als Sehenswürdigkeit bereichern.

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