WM 2022

Neheim: Wie Fans der DFB-Elf feiern – oder auch nicht

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Fußball WM 2022: Zum Auftakt von Deutschland gegen Japan ist Willi (Mitte) mit Fußballhut zu Gast in der Stadtschänke bei Mario und Emilia. Hier werden die WM-Spiele übertragen.

Fußball WM 2022: Zum Auftakt von Deutschland gegen Japan ist Willi (Mitte) mit Fußballhut zu Gast in der Stadtschänke bei Mario und Emilia. Hier werden die WM-Spiele übertragen.

Foto: Livia Krimpelbein / WP

Neheim.  Deutschland unterliegt Japan im ersten Spiel der WM 2022. So wurde der Auftakt der DFB-Elf in Arnsberg verfolgt, so zeigen Gastros die Spiele.

14 Uhr. Anpfiff. Für Hansis DFB-Elf beginnt ein Turnier, das anders ist, als jede Weltmeisterschaft zuvor. Beim Mannschaftsfoto halten unsere Jungs sich demonstrativ die Hand vor den Mund – ein einfaches Zeichen, nachdem die „One-Love“-Binde als Symbol für Menschenrechte verboten wurde.

Kein Sport-Event ist in den vergangenen Jahren so sehr boykottiert, kritisiert und auch gerechtfertigt worden.

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WM 2022 in Katar: So geht Arnsberg mit der Übertragung von Deutschland gegen Japan um

Auch hier im Sauerland ist die hitzige Diskussion um das mutmaßlich korrupte System der FIFA und den Ausrichtungsort Katar entbrannt.

Wie gehen unsere heimischen Gastronomen mit der Übertragung des ersten Deutschland-Spiels der WM 2022 um? Wir haben nachgefragt. Auch unsere Leserinnen und Leser haben unterschiedliche Ansichten.

WM 2022. Ja oder nein? Zuschauen? Boykott? Übertragen? Dieses Turnier hat wohl fast alle von uns vor große Fragezeichen gestellt.

Stadtschänke in Neheim unterhält Gäste mit Spielen

In der Stadtschänke am Neheimer Dom jedenfalls ist die Entscheidung klar: Die Spiele werden gezeigt und geguckt, unsere Mannschaft unterstützt und gefeiert. So war zumindest der Plan. Da stand es noch 1:0 gegen Japan – und nicht 1:2.

„Allgemein werden die Spiele sehr gut angenommen“, sagt Mario, der die Stadtschänke seit Juli mit seiner Frau Emilia führt. Auch Mittwochnachmittag ist hier etwas los. Die Gäste schauen die Spiele, während zeitgleich weihnachtlich dekoriert wird.

„Man sieht ja, dass danach gefragt wird“, so Mario. Luftschlangen in Schwarz-Rot-Gold schmücken die Tische, zwischen der Weihnachtsdeko hängen immer wieder Deutschlandflaggen.

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Zufriedene Besucher mit Deutschland-Fanklamotten

„Das ist hier wirklich eine sehr nette Gaststätte“, sagt Willi, der mit einem Freund gemeinsam in der Pause zwischen den beiden Halbzeiten um die nächste Runde Pils schockt (Würfelspiel). „Es ist wirklich hervorragend hier, und der Wirt ist total nett!“

Mario muss lachen. „Mensch Willi, du Rakete“, sagt er. Der Gast, der heute mit Deutschland-Fußball-Hut sein Team anfeuert, war Marios erster, nachdem dieser den Laden übernommen hatte. Für die Spiele ist er vor Ort, genau wie viele andere.

Je weiter Hansis Elf käme, desto besser dürfte die Resonanz sein. Ob es mehr als drei Spiele sein werden, ist nun fraglich.

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Borgis: Nachfrage sorgt für Übertragung der Spiele

Während man sich indes in einigen Kneipen der Städte Arnsberg und Sundern nicht zum Thema „WM zeigen“ äußern will (die Nachfrage sei auch gar nicht so groß), erklärt auch Udo Borggrewe vom Borgis, die Spiele übertragen zu wollen.

Das Auftaktspiel zwischen Deutschland und Japan zwar nicht – dafür aber wohl das Top-Spiel Deutschland gegen Spanien am Sonntagabend. „Würde das Mittwochspiel abends stattfinden, würden wir das auch zeigen“, sagt Udo.

Der Grund, trotz aller Umstände im ausrichtenden Land? „Die Nachfrage ist da. Die Menschen reservieren extra Tische für den Abend“, erklärt der Wirt. „Sie wollen es sehen. Und die, die es nicht sehen wollen, können ja zuhause bleiben.“

R-Café lässt Fußball „ohne Tamtam“ laufen

Für die Gastros sind Fußballspiele eine Einnahmequelle. Auch R-Café-Inhaber Peter Sachnik argumentiert für das Zeigen der Spiele. „Wir haben lange zugehabt. Jetzt ist es auch an uns, unsere Gäste zufriedenzustellen“, erklärt er. „Und wenn es sie zufrieden macht, die Spiele zu sehen, dann zeigen wir sie.“

Übertragen werden im Neheimer Restaurant alle Spiele, die im Free-TV zu sehen sind. „Allerdings ganz ohne Tam-Tam und auch ohne Ton. Sie laufen einfach nur im Hintergrund auf den Fernsehern hier“, erklärt Peter Sachnik.

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„Boykott nicht sinnvoll“

„Einen Boykott halten wir nicht für sinnvoll“, erklärt der Inhaber. „Das wäre nicht die richtige Form, ein Boykott müsste geschlossen sein. Daher halten wir es für falsch, die Spiele nicht zu zeigen.“ Grund auch hier: die hohe Nachfrage. So erzählt Peter Sachnik beispielsweise von einer Firma, die Besuch aus Mexiko hatte und gern das Spiel gegen Polen verfolgen wollte.

Zurück zum Auftakt der DFB-Elf: Am Ende steht die Enttäuschung. Mit 1:2 verlieren die Deutschen gegen die Japaner. Ob es überhaupt relevant bleibt, die WM zu verfolgen, dürfte sich noch zeigen.

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