Keine Abschiebung

Neheimer Gemeinde gewährt Flüchtling Kirchen-Asyl

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Presbyteriumsvorsitzender Wolfgang Faber (links) und Pfarrer Dr. Udo Arnoldi zeigen den Dankesbrief, den der Flüchtling unter Tränen verlas

Presbyteriumsvorsitzender Wolfgang Faber (links) und Pfarrer Dr. Udo Arnoldi zeigen den Dankesbrief, den der Flüchtling unter Tränen verlas

Foto: Martin Schwarz

Neheim.   Neheimer Kirchengemeinde schützt Flüchtling aus Guinea vor Abschiebung. Junger Mann wurde wegen journalistischer Arbeit im Heimatland verschleppt

Die evangelische Kirchengemeinde Neheim hat erstmals Kirchenasyl gewährt. Die Gemeinde konnte einen Flüchtling aus Guinea vor einer drohenden Abschiebung nach Italien bewahren. „Der junge Mann kann jetzt in einem Rechtsverfahren in Deutschland seine Gründe für die Gewährung von Asyl geltend machen. Er wäre ansonsten am 16. Januar 2018 aus formalen Gründen in das Erstaufnahmeland Italien abgeschoben worden“, berichtet Pfarrer Arnoldi.

Caritas-Helferin wendet sich an evangelische Kirche

Die Kirchengemeinde wurde Anfang Januar plötzlich mit dem Schicksal des jungen Westafrikaners konfrontiert. Eine Caritas-Mitarbeiterin hatte Pfarrer Dr. Udo Arnoldi darauf angesprochen, ob die evangelische Kirchengemeinde Neheim dem etwa 30-jährigen Flüchtling Kirchen-Asyl gewähren könne, um die drohende Abschiebung zu verhindern. Die Caritas-Helferinnen hatten sich an die evangelische Kirche gewandt, weil die katholische Kirche deutlich zurückhaltender bei der Gewährung von Kirchen-Asyl ist.

„Wir haben uns in persönlichen Gesprächen mit dem Flüchtling ein Bild davon gemacht, ob ihm unsere Gemeinde mit guten Gründen Kirchen-Asyl gewähren kann“, erläutert Pfarrer Arnoldi das weitere Verfahren, in dem das Presbyterium eingeschaltet war. Presbyteriumsvorsitzender Wolfgang Faber berichtete, dass der Flüchtling bereits 2015 sein Heimatland Guinea verlassen musste.

In Guinea daheim zusammengeschlagen

„Der gelernte Elektrotechniker war auch journalistisch tätig und hatte über Korruptionsfälle in Guineas Regierung berichtet. Er wurde daheim zusammengeschlagen und auf einem Pick-Up verschleppt. Während der Fahrt gelang es ihm, vom Fahrzeug abzuspringen“, schildert Arnoldi die Beweggründe des Afrikaners für die Flucht. Aus Guinea machte sich der junge Mann auf den weiten Weg durch die Sahara nach Libyen, wo er auch viele schreckliche Erfahrungen machte, bis er letztlich ein Boot in Richtung Italien besteigen konnte.

Langer Fluchtweg

In einer italienischen Zentralunterkunft beschwerte er sich über die miserable Unterbringung und Versorgung und wurde dann nach eigenem Bekunden auf die Straße gesetzt. Er machte sich auf den Weg in die Schweiz und weiter nach Deutschland, wo er letztlich der Stadt Arnsberg zugewiesen wurde. Arnoldi betonte, dass die Kirchengemeinde den jungen Mann keineswegs gegenüber den Behörden versteckt habe. Landeskirchlich ist der Umgang mit Kirchen-Asyl klar geregelt. „Über das Kirchenasyl wurde die zuständige Ausländerbehörde von uns informiert“, so Arnoldi. Selbstverständlich wurden auch die eigene Gemeinde, der Kirchenkreis sowie die Landeskirche informiert.

Sieben Wochen in Wohnung bleiben

Der Schutz bezog sich dabei auf die kircheneigene Immobilie, in der der Flüchtling untergebracht war. Der Flüchtling musste sieben Wochen lang in dieser Wohnung bleiben, so dass er dann insgesamt sechs Monate in Deutschland war und dann nicht mehr ans Erstaufnahmeland Italien abgeschoben werden konnte. Jetzt kann er in Deutschland Asyl erhalten, wenn die Behörden ihn als politischen Flüchtling anerkennen. In der Zeit des Kirchenasyls wurde der Guineer von mehreren Caritas-Mitarbeiterinnen und einigen Helfern aus der evangelischen Gemeinde betreut.

Bewegender Dankesbrief

Als es sicher war, dass er nicht mehr nach Italien abgeschoben werden konnte, gab es außerordentlich emotionale Momente bei einem Treffen des Flüchtlings mit dem Helferteam. Der Guineer, der sich erste Deutschkenntnisse aneignete, verlas unter Tränen einen Dankesbrief: „Danke ist nur ein einfaches Wort. Ich bin gerührt. Es ist von ganzem Herzen, dass ich Ihnen danke. In den schlimmsten Momenten meines Lebens konnte ich mich auf Sie verlassen!“

Die Kirchengemeinde wird den Flüchtling, der nun in einer Wohnung im Arnsberger Stadtgebiet lebt, weiter begleiten und ihm auch bei seinem Anerkennungsverfahren als Asylant helfen.

Flüchtling sucht Praktikumsplatz im Elektro-Bereich

Der Flüchtling, dem Kirchenasyl gewährt wurde, lernt weiter Deutsch und wünscht sich als gelernter Elektrotechniker einen Praktikums- und später einen Ausbildungsplatz in diesem Bereich. Wer helfen kann, möge sich ans Gemeindebüro, Burgstraße 11 in Neheim, Telefon 02932 / 462520, wenden. „Das Kirchenasyl wurde von unserer Gemeinde positiv aufgenommen. Kritik hörte ich nicht“, sagt Presbyteriumsvorsitzender Wolfgang Faber.

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