Kunstprojekt

Neheimerin nutzt Kunst als Halt im turbulenten Alltag

Die Künstlerin und vierfache Mutter Hanen Ben Yahia stellt ihre Werke in der Neheimer Kita Zipfelmütze aus.

Die Künstlerin und vierfache Mutter Hanen Ben Yahia stellt ihre Werke in der Neheimer Kita Zipfelmütze aus.

Foto: Katrin Clemens

Neheim.  Im Familienleben fernab ihrer Heimat Tunesien bietet die Kunst Hanen Ben Yahia einen Ruhepol. Jetzt stellt die vier fache Mutter erstmals aus.

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Farbe, Pinsel und Leinwand: Dieses Trio gibt Hanen Ben Yahia Halt. Ob im zunächst fremden Deutschland oder beim Start ins Familienleben: Die aus Tunesien stammende Künstlerin findet in ihrer Kreativität einen Ruhepol, wenn der Alltag sie herausfordert. Ihre Werke zeigt die vierfache Mutter jetzt erstmals in einer Ausstellung – und das an einem ungewöhnlichen Ort.

Im Rundturm der Neheimer Kita Zipfelmütze sind ihre Bilder zu sehen. Wo täglich 100 Kinder, ihre Eltern und Erzieher vorbeilaufen, wo gespielt, gelacht, geweint, gelesen, gemalt und getobt wird, entsteht ein öffentlicher Ausstellungsraum mitten im Leben. „Ich habe mich bisher nie getraut, meine Bilder auszustellen“, sagt Ben Yahia. „Deshalb bin ich jetzt gespannt, wie die Leute reagieren.

Umzug der Liebe wegen

Ihre Heimat Djerba und europäische Landschaften sind zu sehen, der Schwerpunkt der Ausstellung ist aber die Beziehung zwischen Mutter und Kind. „Es geht um das Leben in allen Facetten, deshalb sind die Bilder auch sehr unterschiedlich“, erklärt Ben Yahia, die in Tunis Kunst studiert und anschließend als Kunstlehrerin in einer Grundschule gearbeitet hat. „Die Liebe zu meinen Mann hat mich 2008 nach Deutschland geführt“, erzählt sie. „Ich wollte hier sofort aktiv werden, bin am dritten Tag mit einem Deutschkurs gestartet und meine Studienunterlagen zur Anerkennung an die Bezirksregierung geschickt.“

Doch ihr Studium in Tunesien wurde in Deutschland nicht als vollwertige Lehrerausbildung anerkannt, die Hoffnungen auf einen schnellen Wiedereinstieg im Beruf waren zerstört. „Das war sehr deprimierend für mich“, erinnert sich Ben Yahia. Der Ausweg aus der dunklen Phase war auch damals die Kunst. „Mein Mann hat mir Acrylfarben und eine große Leinwand geschenkt und ich habe angefangen zu malen.“

Seitdem sammelt sie an der Staffelei regelmäßig Kraft, auch für das heutige Familienleben mit vier Kindern im Alter zwischen zwei und neun Jahren. „Man kann durch die Kunst sehr viel positive Energie tanken und sie wieder an die Kinder geben“, sagt sie.

Mehrsprachige Kinderbücherei

Unterstützung bekommt Hanen Ben Yahia von Kita-Leiterin Heike Schlinkmann und Kathrin Brandt vom Fachdienst Kultur. Für beide ist eine Ausstellung in der Kita ebenfalls Neuland. Sie sind aber optimistisch, dass sie gut ankommt und es vielleicht Folgeausstellungen geben wird. „Durch die Architektur der Zipfelmütze haben wir den Vorteil, dass eine Ausstellung sehr gut in unsere Räume passt“, meint Schlinkmann.

Und es gibt noch weitere Gründe: „Gerade im Vorschulalter haben Kinder sehr feine Antennen und einen leichten Zugang zur Kunst“, sagt Brandt. Das habe die Erfahrung in Kunstprojekten mit Kindern gezeigt. Zudem hoffe sie, dass die Ausstellung auch die Eltern ins Gespräch miteinander bringe.

Das Familienzentrum Zipfelmütze soll noch stärker zu einem Ort der Kulturvermittlung werden. Unter anderem durch eine Kinderbücherei mit mehrsprachiger Literatur, die gemeinsam mit der Ausstellung eröffnet wird. Entstanden ist eine Bücherei mit kindgerechten zweisprachigen Büchern. Arabische, türkische, polnische, russische und englische Texte sind darunter. „Es besteht auch noch die Möglichkeit, die Bücherei nach Rückmeldungen der Eltern weiter auszubauen“, sagt Marion Wittmann vom städtischen Jugendamt, die das vom Bund geförderte Programm „Kita Einstieg“ betreut.

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